Ist es nur eine Vergesslichkeit oder schon Demenz? Wenn der Elternteil oder Ehepartner Zeichen von Demenz zeigt, ist es für Angehörige oft nicht einfach. Doch es gibt Hilfe - auch vor Ort.

Olfen

, 07.12.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Zeichen, dass ihre Mutter nicht einfach nur vergesslich war, die erscheinen im Rückblick ganz offensichtlich. „Sie beschwerte sich zum Beispiel mehrmals darüber, dass mit ihrer Kaffeemaschine etwas nicht stimmt“, erzählt Kornelia Kruse.

Kornelia Kruses Bruder schaute dann nach und fand heraus, dass die Mutter das Kaffeepulver plötzlich immer in den Wassertank füllte. Oder auch der Nusskuchen, den sie sonst immer zum Geburtstag ihrer Enkelkinder backte. „Der schmeckte plötzlich anders als gewohnt, so als sei eine Zutat ausgetauscht oder vergessen worden“, erzählt die 58-jährige Olfenerin. Irgendwann kam dann die Diagnose: Demenz. Von der Diagnose mit Anfang 70 bis zu ihrem Tod mit 82 Jahren erlebte Kornelia Kruse die verschiedenen Stadien. Von der leichten Demenz zu Beginn, bis zur schweren Demenz am Ende.

Mehr als einfach nur Schusseligkeit

„Von einer Demenz spricht man bei einer länger andauernden oder anhaltenden,

deutlichen Abnahme der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit“, heißt es im Demenzwegweiser des Kreises Coesfeld.

Im Laufe der Erkrankung werde die selbstständige Lebensführung beeinträchtigt und die Betroffenen bräuchten in zunehmendem Maße Unterstützung in allen Lebensbereichen.

„Die Krankheit führt dazu, dass Betroffene alltägliche Abläufe nicht mehr koordinieren und Zusammenhänge nicht mehr erkennen können. Bei vielen Demenzformen kommt es aber auch zu einer Veränderung der Persönlichkeit“, heißt es in dem Ratgeber. Die Veränderungen sind also mehr als nur eine kleine Schusseligkeit oder das Vergessen eines Namens.

Wenn die Mutter plötzlich Demenz hat: Was können Angehörige in Olfen tun?

Kornelia Kruse © Sabine Geschwinder

Informationen sind am Anfang besonders wichtig

Immer mehr Hilfe bei alltäglichen Abläufen benötigte auch die Mutter von Kornelia Kurse. Zunächst ist Kruse einmal die Woche für ihre Mutter einkaufen gegangen. Dann kam irgendwann die Hilfe beim Duschen hinzu, zweimal die Woche. Am Ende lebte ihre Mutter im Pflegeheim. Stück für Stück kam mehr Hilfe dazu.

„Es ist schon sehr schwierig damit umzugehen“, sagt Kornelia Kruse. Gerade am Anfang, wenn die Diagnose vielleicht noch gar nicht gestellt sei und man nur merke, dass der Andere irgendwie anders ist. „Dann ist es besonders wichtig, sich Informationen zu holen“, sagt die 58-Jährige. Deshalb ist es ihrer Meinung nach auch wichtig, dass der Gang zum Arzt nicht auf die lange Bank geschoben werde. Die frühe Diagnose sei wichtig, damit sich alle Beteiligten auf die Krankheit einstellen können. Lernen können und somit besser verstehen, warum sich der Erkrankte zum Beispiel so verhält, wie er es tut. Zum Beispiel manchmal aggressiv ist.

Selbsthilfegruppe für Angehörige

Weil sie sich Informationen und Austausch wünschte hat sie 2006 in Olfen eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzkranken gegründet. „Zu dem Zeitpunkt habe ich mich gefragt, wo kann ich mit jemandem reden, dem das auch passiert?“, sagt Kornelia Kruse. Die Gruppe trifft sich immer am ersten Dienstag des Monats im St. Vitus Stift. 12 Teilnehmer sind es am vergangenen Dienstag. Bei einigen sind es die Eltern oder Schwiegereltern, die erkrankt sind, bei anderen die Ehepartner. Manch einer ist zum ersten Mal dabei, andere schon seit es die Gruppe gibt. Manchmal auch, wenn der Angehörige verstorben ist.

„Jeder entscheidet selbst, wie lange er zu den Treffen kommt“, berichtet Kornelia Kruse. Und jeder entscheide auch selbst, was er erzählen möchte. Eine wichtige Regel lautet aber: Niemand redet über das, was passiert ist.

Dabei reden die Teilnehmer, über die Dinge, die sie gerade beschäftigen. Wie wird der Antrag für die Haushaltshilfe ausgefüllt? Wie reagiert man, wenn die Mutter oder der Ehepartner zwischendurch in einem ganz anderem Jahr unterwegs sind?

Austausch hilft

„Mir hat die Gruppe unheimlich geholfen“, sagt eine Teilnehmerin. „Ich wusste am Anfang nichts. Zum Beispiel wo man Anträge ausfüllen kann“, sagt eine Teilnehmerin. Ein Teilnehmer schätzt es, mit Gleichgesinnten zu sprechen: „Ich möchte auch niemanden belästigen mit dem Thema“, sagt er. Aber: „es muss ja irgendwie raus.“

Eine andere Teilnehmerin sagt: „Ich glaube, dass es wichtig ist, dass es diese Gruppe gibt. Damit man merkt, dass man nicht alleine ist.“ Zahlenmäßig sind sie es in jedem Fall nicht: Von Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz sind laut Bundesfamilienministerium rund 1,7 Millionen Männer und Frauen betroffen.

Der Demenz-Wegweiser

Der Demenz-Wegweiser für den Kreis Coesfeld ist im September in der aktuellsten Auflage erschienen. Dort sind gesammelte Informationen zum Thema Demenz sowie Stellen und Ansprechpartner für den gesamten Kreis gesammelt. Er soll den Betroffenen und deren Angehörigen einen Überblick verschaffen und darüber hinaus den Fachleuten der Sozialen Arbeit, Medizin und Pflege eine Orientierung geben. Der Demenz-Wegweiser kann bei der Pflege- und Wohnberatung für den Kreis Coesfeld (www.menschen-und-pflege.kreis-coesfeld.de) kostenlos als Broschüre bestellt oder runtergeladen werden. Ansprechpartner für Informationen und Krisenhilfe sind zum Beispiel: Für die Stadt Olfen: Mechthild Schweck, Kirchstr. 5, Tel. (02595) 389177, schweck@olfen.de Für die Gemeinde Nordkirchen: Klara Döbbelin-Südfeld, Bohlenstr. 2, Tel. (02596) 917123, klara.doebbelin-Suedfeld@nordkirchen.de
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