Auf dem Hof Vinnemann gibt es immer frische Kartoffeln - wie geht das?

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„Gala“ ist weiter die unangefochtene Nummer 1. Die vorwiegend festkochende Sorte ist auf dem Hof Vinnemann stark nachgefragt. Die entscheidende Frage lautet, wie viele gibt es dieses Jahr?

Olfen

, 10.08.2019, 10:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Trend zu regionalen Produkten ist schon längst über den Status der Modeerscheinung heraus. Fragen Sie mal beim Dorfladen Vinnum nach! Heimische Produkte sind hip. Auch dank der Initiative der Familie Vinnemann. Schon ganz früh hat sie damit angefangen, die Kartoffeln vom Anhänger aus zu verkaufen. Bis das Geschäftsmodell in den 70er-Jahren nicht mehr funktionierte.

Nach einer zehnjährigen Pause war um 1990 die Zeit wieder reif für eine Direktvermarktung. Mittlerweile geht jedes vierte verkaufte Kilogramm Kartoffeln über die Hoftheke. Die weiteren Vertriebswege sind Raiffeisenmärkte, Eierbauern und einige ausgewählte Supermärkte in der Nähe. „Wir vermarkten alles komplett regional“, sagt Heinrich Vinnemann (65).

Die Menschen wollen wissen, wo die Lebensmittel herkommen

Das galt für ihn - und das gilt auch für den neuen „Chef“ auf dem Hof. Am 1. Juli hat Sohn Johann Heinrich (31) den Hof übernommen. Warum auch nicht? Gerade in jüngerer Zeit werden Familie und Mitarbeiter häufiger gefragt, ob die Kartoffeln wirklich vom Hof kommen. Ein ganz wichtiges Verkaufsargument. Das gilt für die Kartoffeln. Das gilt auch für die Heidelbeeren, die Hofbesucher auch selbst pflücken können.

Auf dem Hof Vinnemann gibt es immer frische Kartoffeln - wie geht das?

Wer vor zwanzig oder dreißig Jahren selbst im Garten Kartoffeln anbaute, hatte auch immer viel Kartoffelkraut. Das ist heute auf den großen Äckern. Das wenige Kraut wird später untergepflügt. © Thomas Aschwer

„Die Menschen wollen immer stärker wissen, wo die Lebensmittel herkommen“, sagt Johann Heinrich Vinnemann. „Wir lassen uns deshalb auch freiwillig zertifizieren.“ Die vielen Besucher auf dem Hof können leicht nachvollziehen, wie der Kartoffelanbau hier an der Stadtgrenze zu Haltern funktioniert. „Wir haben hier gute Kartoffelböden, sie sind sehr siebfähig und es gibt hier wenig Steine“, sagt Heinrich Vinnemann.

Siebfähige Böden sind für den Kartoffelanbau ganz wichtig

Was das für die Ernte bedeutet, zeigt ein kurzer Ausflug auf das Feld. Der Kartoffelroder transportiert sehr saubere Kartoffeln auf ein Band. Mit geschulten Blicken werden schlechte Kartoffeln aussortiert, die ganz große Mehrheit fällt in einen Bunker auf der speziellen Landmaschine. „Wenn der Boden nicht so siebfähig wäre, würde viel mehr Erde an den Kartoffeln haften“, sagt Heinrich Vinnemann.

Egal wie die Struktur des Bodens ist, mit einem Problem haben die Landwirte erneut zu kämpfen. Es regnet einfach zu wenig. Weil der Himmel in diesem Jahr häufiger bedeckt war als 2019 sei es nicht ganz so schlimm. „Aber die sehr heißen Tage vor gut zwei Wochen haben uns schon sehr weh getan“, so die Olfener Kartoffelbauern. Einige Flächen konnten Vinnemanns mit eigenen Bohrlöchern bewässern - aber bei weitem nicht alle.

Deutlich größerer Ertrag auf den bewässerten Flächen

Wie groß oder klein am Ende die Kartoffeln sein werden und wie groß die Ernte insgesamt ausfallen wird, vermögen Vater und Sohn derzeit noch nicht abzuschätzen. „Klar ist natürlich, dass der Ertrag auf den bewässerten Flächen deutlich größer sein wird.“

Auf dem Hof Vinnemann gibt es immer frische Kartoffeln - wie geht das?

Bekannte Angebote, neue Generation: Johann Heinrich Vinnemann (31) hat zum 1. Juli den Hof von seinem Vater Heinrich Vinnemann (65) übernommen. © Thomas Aschwer

Die größten Anbauflächen sind bei Vinnemann für die festkochende Sorte Gala reserviert. Wenig stark nachgefragt ist die mehligkochende Sorte Melody. „Sie ist für Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat eher ungeeignet“, sagt Heinrich Vinnum. Auf einer kleineren Fläche baut die Familie mit dem „Bamberger Hörnchen“ eine Kartoffel mit einer besonderen Form an. Sie sei aber fast nur als Pellkartoffel zu nutzen.

Speziell gelüftetes Lager sichert die Qualität über Monate

Für alle geerntete Kartoffeln gilt, dass sie eingelagert werden. „In Kistenlager und nicht in Schüttlager“, sagt Johann Heinrich Vinnemann. Dazu werde die Luft im Lager rund um die Uhr verteilt. „Hier ist es nur vier bis sechs Grad warm.“ Mit der Folgen, dass die Kartoffeln bis zum Juni/Juli des folgenden Jahres noch guten Gewissens verkauft werden können.

Und was wünscht sich der neue Hofinhaber für die nächsten Monate? „Wir hoffen vor allem auf mehr Regen. Ein drittes sehr trockenes Jahr in Folge wäre sehr beängstigend.“

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