Starker Halt in schwerer Zeit: Die Mitglieder der Hospizgruppe möchten gerne etwas Freude in trauernde Familien bringen. Aber sie helfen auch bei der Verarbeitung der Situation. © Thomas Aschwer
Trauercafé

Hospizgruppe bietet in schwierigen Stunden Beistand an – auch in Olfen

Sehr stark begrenzt sind in der Corona-Pandemie die Möglichkeiten, um Verstorbene zu trauern. Eine schwierige Situation, die Langzeitfolgen haben kann. Die Hospizgruppe bietet ihre Hilfe an.

Wenn ein geliebter Mensch zu Grabe getragen werden musste, war das anschließende Kaffeetrinken oft eine wichtige Situation, um die Trauer und den Schmerz verarbeiten zu können. In der Pandemie allerdings sind diese Treffen nicht möglich. Selbst die Zahl der Trauergäste bei der Bestattung ist begrenzt. Wo sonst tröstende Worte und herzliche Umarmungen die Regel sind, bleibt aktuell für die Angehörigen oft nur eine große Leere.

Marion Koch-Gersdorf und Joachim Koch haben schmerzvoll erfahren müssen, was es bedeutet, einen sehr geliebten Menschen zu Grabe zu tragen. Mehr als zehn Jahre liegt der Tod der Tochter zurück. „Die Hospizgruppe hat uns aufgefangen“, sagen sie übereinstimmend. Seit Jahren geben sie nun das zurück, was sie selbst erfahren haben, engagieren sich stark in der Hospizgruppe Selm-Olfen-Nordkirchen.

Offenes Trauer-Café jetzt im Haus Katharina

Lange haben sie mit anderen Vereinsmitgliedern überlegt, wie auch in der Pandemie Menschen ein Angebot unterbreitet werden kann. Das Ergebnis haben sie mit Beatrix Stahlschmidt und Sigrid Dworaczyk vorgestellt: Künftig gibt es an jedem ersten Freitag im Monat im Haus Katharina ein offenes Trauer-Café. Erster Termin ist der 7. Mai, 15.30 Uhr. Um die Hemmschwelle bewusst niedrig zu halten, verzichtet der Verein auf Anmeldungen. Komplett neu ist das Angebot nicht.

Bereits früher hat der 2002 in Selm gegründete Verein, der zusätzlich seit 2007 in Olfen und seit 2016 in Nordkirchen aktiv ist, ein Trauer-Café angeboten – zuletzt im Leohaus. Jetzt in der Pandemie zieht der Verein um, weil im Haus Katharina mehr Platz ist – und somit ein größerer Abstand leichter einzuhalten ist. Neben dem Treffen in der Gruppe sind auch Einzelgespräche mit einem zertifizierten Trauerbegleiter möglich.

Verschiedene kreative Angebote

Es sind genügend Trauerbegleiter vor Ort, sodass trauernde Menschen außerhalb der Gruppe beispielsweise bei einem Spaziergang ihre Anliegen vortragen können. Eine Situation übrigens, die es auch in der Pandemie gegeben hat. „Wir bieten auch eine Trauer-Einzelbegleitung“, sagen die Vertreter des Hospizvereins. Sie haben allerdings gerade in den vergangenen Monaten feststellen müssen, dass der Verein bei Betroffenen nicht mehr so präsent ist. Mit verschiedenen kreativen und anderen Angeboten (Kochen, Backen) will der Verein Menschen zur Teilnahme an den Treffen ermutigen.

Gleichzeitig räumen die Verantwortlichen ein, dass der „Tod in Deutschland noch immer ein Tabu-Thema ist“. Erschwerend für die Vereinsarbeit sei aber auch gewesen, dass sonst jährlich wiederkehrende Veranstaltungen nicht stattfinden konnten. „Wo Tod ist, kann auch Freude sein“, so die feste Überzeugung der Hospizmitglieder. Und diese Freude möchten sie in die Trauerfamilien tragen.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
Zur Autorenseite
Thomas Aschwer

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.