Rehe werden laut Statistik am häufigsten angefahren. Gerade jetzt ist Vorsicht geboten, die Brunftzeit ist noch nicht beendet. © picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Wildunfälle

Jäger über nicht gemeldete Wildtierunfälle: „Schade um jedes Tier“

Immer wieder werden Wildunfälle nicht der Polizei gemeldet, das nimmt Jägern die Chance, verletzte Tiere von ihren Qualen zu erlösen. Vor allem im Moment sind besonders Rehe gefährdet.

Die dunkle Jahreszeit ist wieder da und auch wenn die Autos samt Lichtern immer moderner werden und das Licht besonders weit geworfen wird und automatisch abgeblendet, kommt es doch immer wieder zu Wildunfällen. Denn plötzlich steht das Reh oder das Wildschwein dann vor dem Auto, egal wie weit der Lichtstrahl reicht.

Insgesamt gab es laut Polizeipressesprecherin Britta Venker im Zeitraum vom 1. Januar 2021 bis Ende September 2021 insgesamt 1007 Unfälle mit Wildbeteiligung im Kreis Coesfeld. „Wenn wir diese Zahl statistisch hochrechen, landen wir bei einer in etwa identischen Zahl an Unfällen, wie im vergangenen Jahr“, so Venker.

September und Oktober ist Brunftzeit

In diesem Jahr hat der Jäger erst vier Rehe von der Straße holen müssen, das waren weniger als in den letzten Jahren. Das liegt zum Teil daran, dass alle gefährlichen Straßen mit blauen Warnreflektoren ausgestattet wurden.

Und was sollen die blauen Warnreflektoren bewirken? „Die geben blaue Lichtblitze ab und blau kommt in der Natur nicht vor“, erklärt Heribert Birken, Pressewart des Hegerings Olfen. Das hält die Rehe dann davon ab, darauf zuzulaufen.

Das nütze aber nichts, wenn abends wie wild gefahren wird. Die meisten Leute wüssten beispielsweise nicht, dass im September und Oktober Brunftzeit ist. „Dann halten die blauen Reflektoren die Rehe nicht mehr davon ab, auf die Straße zu laufen. Sie sind dann wie liebestoll“, so Birken.

Nur noch wenige Autofahrer versuchen auszuweichen

Und wie verhält man sich als Autofahrer am besten in so einer Situation? „Generell hat man bei offenen Feldern und Wiesen rechts und links der Straße einen besseren Überblick“, sagt Heribert Birken. Wenn man durch einen Wald fährt, fehle dieser Überblick und plötzlich steht das Reh vor dem Auto. Dann helfe nur noch: Augen zu, Auto gerade halten und abbremsen. „Aber das scheint schon bei vielen angekommen zu sein, nur noch wenige versuchen auszuweichen“, so Birken. Das sei auch gut so, denn: „Menschenleben gehen vor“, betont der Jäger.

Unfälle mit Schwarzwild (Wildschweine) gibt es in der Region Olfen Vinnum nur selten, da der Wildschweinbestand dort noch nicht so groß sei, laut Heribert Birken. „Weiter im Münsterland gibt es mehr davon, hier ziehen sie nur ab und zu durch“, sagt er. Wenn es aber zu einem Unfall mit einem Wildschwein kommt, „dann ist der meistens ziemlich böse, denn die haben ja eine ganz andere Masse als so ein zartes Reh.“

Unfälle mit anderen Tierarten wie Hasen, Kaninchen und Fasane werden laut Birken so gut wie nicht gemeldet. Aber auch die Zahl der Unfälle mit diesen Tieren sei zurückgegangen. „Es liegen nicht mehr so viele auf der Straße. Aber bei den immer kleiner werdenden Beständen, ist es natürlich schade um jedes Tier“, betont der Jäger.

33 Unfälle mit Wild in 2021

Aber wie oft kracht es denn nun überhaupt in Olfen und Nordkirchen? Wir haben uns etwas schlau gemacht und in das Dashboard der Polizei Coesfeld für Wildunfälle geschaut.

In Olfen gab es im Jahr 2021 bis jetzt 33 Unfälle mit Wildtieren. Bei 28 von diesen Unfällen waren Rehe involviert. Rot- und Damwild sowie Schwarzwild war bisher (Stand 22. Oktober) nicht betroffen. Fünf Unfälle laufen unter sonstige. Darunter waren zwei Unfälle mit Fasanen, zwei mit Feldhasen und ein Unfall mit einem Fuchs.

An einer Strecke besonders viele Unfälle mit Wild

Im Jahr 2020 hatte es in Olfen 58 Wildtierunfälle gegeben. 44 davon waren mit Rehwild, zwei mit Schwarzwild, sprich Wildschweinen, einer war mit Rot- bzw. Damwild. Elf Unfälle laufen unter sonstige Tierarten im Dashboard.

Unter den Sonstigen waren ein Fasan, acht Feldhasen, ein Greifvogel und ein Kaninchen.

Die meisten Wildtierunfälle passieren entlang der K9 und der K26 in der Nähe der Eversumer Heide. Im Jahr 2020 waren es entlang der beiden Straßen insgesamt 15 Unfälle. Im aktuellen Jahr häufen sich zwar auch dort die Unfälle mit Wildtieren, noch sind es aber nur neun.

Meistens Rehe bei Unfällen betroffen

In Nordkirchen gibt es ebenfalls häufiger Wildunfälle. Im Jahr 2020 gab es insgesamt 52. Davon waren 46 Unfälle mit Rehwild. Zwei waren mit Rot- bzw. Damwild, einer mit Schwarzwild und drei mit sonstigen Wildtieren.

Im aktuellen Jahr liegt die Zahl der Unfälle mit Wildtieren bereits bei 43 in Nordkirchen. Die Mehrzahl der Unfälle (38) war mit Rehwild, ein Unfall ereignete sich mit einem Wildschwein und vier Unfälle sind im Dashboard der Kreispolizei unter Sonstige vermerkt. Eine Stelle an der es besonders oft zu Wildunfällen kommt, ist nicht auszumachen, es kommt an mehreren Straßen regelmäßig zu Unfällen mit Wild.

Wildunfälle immer der Polizei melden

Britta Venker von der Kreispolizei Coesfeld antwortet auf Anfrage der Redaktion: „Wildunfälle sollten generell bei der Polizei gemeldet werden. In den meisten Fällen entsteht ein Schaden am Fahrzeug und die Unfallaufnahme dient auch als Vorlage bei der Versicherung.“ Werden viele Unfälle also nicht bei der Polizei gemeldet, weil es vielleicht keine Schäden am Auto gibt?

Darauf hat Heribert Birken, Pressewart des Hegerings Olfen, eine Antwort: „Manchmal werden Rehe nur leicht angefahren und sie rennen dann voll mit Adrenalin gepumpt weiter und es sieht so aus, als hätten sie nichts. Aber tatsächlich haben sie dann innere Verletzungen, Schmerzen und sogar Brüche und verenden dann im Wald.“ Dann fahren viele Autofahrer einfach weiter, ohne die Unfälle der Polizei zu melden. „Auch wenn es keinen Schaden am Auto gibt, sollte man Wildunfälle der Polizei melden“, so Heribert Birken. Dann können Jäger die Qualen der Tiere beenden.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen