Layan geht in den Ferien zur Schule - um Deutsch zu lernen

Integration

Sprache ist der Grundstein zur Integration – das ist bekannt. Aber einen Deutsch-Sprachkurs wie „FIT in Deutsch“ für Flüchtlingskinder hat es so in Olfen noch nie gegeben.

Olfen

, 16.08.2018, 17:11 Uhr / Lesedauer: 3 min
Layan ist neun Jahre alt und schon fast ein Profi in Deutsch. Wenn sie groß ist, möchte sie Kinderärztin werden.

Layan ist neun Jahre alt und schon fast ein Profi in Deutsch. Wenn sie groß ist, möchte sie Kinderärztin werden. © Viktoria Michelt

Layan ist neun Jahre alt. Obwohl sie Sommerferien hat, sitzt sie in der Gesamtschule Olfen in einem Klassenzimmer vor einem Laptop und lernt. Zwischendurch lacht sie über lustige Sachen oder ärgert sich, wenn sie eine Aufgabe falsch gehabt hat. Wie 16 weitere Kinder auch besucht sie zwei Wochen lang den Sprachkurs „FIT in Deutsch“.

Vor knapp drei Jahren ist Layan aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Und obwohl die Neunjährige fast perfektes Deutsch spricht, möchte sie noch mehr lernen. „Ich finde Deutsch wichtig und es ist schade, wenn man das nicht kann“, sagt Layan, die bald in die dritte Klasse kommt.

Die Kinder zeigen Olfener Bürgermeister Wilhelm Sendermann und Michaela Nietmann von der Schulverwaltung, wie sie am Computer Deutsch lernen.

Die Kinder zeigen Olfener Bürgermeister Wilhelm Sendermann und Michaela Nietmann von der Schulverwaltung, wie sie am Computer Deutsch lernen. © Viktoria Michelt

Große Herausforderung

Genau dieser Meinung sind auch Egbert und Maria Steins. Michaela Nietmann von der Schulverwaltung sprach die beiden erst kürzlich pensionierten Lehrer auf die Aktion an – und die waren von Anfang an begeistert. „Natürlich ist es eine große und spannende Herausforderung“, erzählt Maria Steins. Die Kinder im Sprachkurs sind zwischen 6 und 15 Jahre alt. Das sei natürlich eine große Altersspanne, die Nationalitäten und Muttersprachen sind ganz verschieden, die Sprachniveaus dementsprechend sehr unterschiedlich. „Wir haben hier Kinder, die noch nicht einmal das Alphabet können, andere lesen schon ganze Bücher auf Deutsch“, so Maria Steins.

Doch all die Mühen sei es wert, wenn man sehe, was man schaffen könne: „Kinder, die anfangs sehr schüchtern waren und nichts gesagt haben, verstehen jetzt fast alles, sprechen in ganzen Sätzen, stellen uns Fragen und reden auch untereinander Deutsch.“ Eins sei klar: Alle Kinder haben viel Spaß und sind motiviert dabei.

FIT in Deutsch – das steht für FerienIntensivTraining und ist ein Landesprogramm. „Da war es ganz klar, dass wir so etwas hier in Olfen machen wollen, die Sprache ist schließlich die Basis für eine gute Integration“, so der Olfener Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Bis jetzt findet das Projekt nur in wenigen Kommunen statt. Aber in der Schule komme die individuelle Sprachförderung für Kinder im Regelunterricht einfach zu kurz, da sind sich Sendermann, Nietmann, Stefanie Benting (Leiterin des Fachbereichs Arbeit, Soziales und Integration bei der Stadt Olfen) und Heiner Dieckmann (Arbeitskreis Asyl) einig. Umso besser, dass sich mit den Eheleuten Steins eine kompetente Betreuung für den Kurs gefunden habe.

Viele Ideen

Zwei Tage lang waren sie dafür auf einer Schulung in Gelsenkirchen und nahmen dort viele Ideen für den Sprachkurs mit. Was bei den Kindern immer gut ankomme: Deutsche Kinderlieder oder die WDR-Reihe „Deutsch mit Socke“. Wesentlicher Bestandteil ist dennoch das Computerprogramm, mit dem die Kinder lernen. Je nach Sprachniveau gibt es unterschiedliche Übungen zu vielen verschiedenen Bereichen. Nachdem die Technik in der ersten Woche gestreikt hatte, lief das Programm in dieser Woche dann auch reibungslos.

Lernen in der Freizeit

Doch noch eine Sache ist an dem Sprachkurs in Olfen besonders: „Wir wollen nicht eine Schulatmosphäre erzeugen“, erklärt Egbert Steins. Die Balance zwischen Unterricht und Freizeit sei den beiden besonder wichtig. Deshalb stehen neben den regelmäßigen Spielpausen auch noch ganz vielfältige Nachmittagsangebote auf dem Programm.

Schon in der letzten Woche war die Sprachgruppe Eisessen, im Supermarkt oder im Naturbad Olfen. Auch Frühstück und Mittagessen gibt es für die Kinder beim Sprachkurs. Dabei sowie auch bei den Spielpausen sei die Kooperation mit der Sommerferienfreizeit an der Gesamtschule sehr hilfreich, da einfach mehr Spielsachen zur Verfügung stehen. Für Layan war der bisherige Höhepunkt aber das gemeinsame Minigolfspielen, das die Minigolfanlage in Olfen gesponsert hat. „Ich war noch nie Minigolf spielen und war total aufgeregt, das auszuprobieren“, erzählt sie begeistert.

Das Highlight

Dabei kam das große Highlight erst am Abschlusstag: eine Fahrt nach Gelsenkirchen in den Zoo. Auch das geht nur durch eine Finanzspende, unter anderem vom Arbeitskreis Asyl, der die Fahrtkosten übernimmt. Schließlich ist das ganze Programm für alle Kinder kostenlos. Kostenlos ist dann auch der einwöchige Sprachkurs in den Herbstferien.

Wie den meisten anderen Kindern auch macht Layan wirklich alles an dem Sprachkurs Spaß. In den Ferien noch was lernen, das stört sie gar nicht. „Wenn die Ferien vorbei sind, kann ich dann auch ganz viel in der Schule sagen“, erzählt die Neunjährige. Ein klares Ziel hat sie auch schon vor Augen: Wenn sie groß ist, möchte sie Kinderärztin werden. „Ich finde es wichtig, wenn man anderen Kindern hilft.“

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