Mahnwache in Olfen: Das Grauen von Moria ist auf einmal ganz nah

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Mit einer Mahnwache, organisiert vom Arbeitskreis Asyl, haben am Freitag, 11. September, auch Olfener der Flüchtlinge im Lager Moria auf Lesbos gedacht. Für einige war es besonders intensiv.

Olfen

, 11.09.2020, 17:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Freitag, 11. September, 15 Uhr. Der Wochenmarkt auf dem Marktplatz in Olfen ist im vollen Gange. Mehr noch: Neben den Marktständen sind Vertreter politischer Parteien in Gespräche vertieft. Auf einer kleinen Fläche verstummen die Gespräche für einige Augenblicke. Das Schweigen hat einen Grund: Gedenken.

Die Gedanken derjenigen, die sich auf Einladung des Asylkreises Olfen an der Mahnwache beteiligen, sind bei Menschen, die nicht ganz 3000 Kilometer entfernt leben. Leben? Sie hausen. Anders kann man das Schicksal der Flüchtlinge im Camp Moria auf der Insel Lesbos nicht bezeichnen. Und dieses Camp ist fast vollständig abgebrannt.

Die Botschaft des Asylkreises ist unmissverständlich.

Die Botschaft des Asylkreises ist unmissverständlich. © Arndt Brede

Diese aktuelle Entwicklung hat der Asylkreis Olfen zum Anlass genommen, eine Mahnwache zu organisieren. „Die Bilder haben uns sehr betroffen gemacht“, sagt Gudrun Schlaphorst vom Asylkreis. Der Asylkreis begleitet in Olfen Menschen, die geflohen sind und nun in Olfen leben. „Wir kennen ja Menschen, die das alles schon durchgemacht haben. Jetzt ist der Zeitpunkt da, wo wir gedacht haben, dass man ganz spontan was machen muss.“

Symbole: 13 Stühle pro 1000 Menschen in Moria

So ist die Mahnwache entstanden. Als Symbole hat der Asylkreis 13 Stühle aufgestellt, auf denen jeweils die Zahlen 1000 bis 13.000 stehen. 13 Stühle pro 1000 Menschen. 13.000 Menschen, die in Moria hausen.

Was kann denn eine solche Aktion in Olfen bewegen? „Wir verstehen uns als Teil einer breit angelegten solidarischen Aktion“, sagt Gudrun Schlaphorst. An vielen verschiedene Orten hätten Menschen Politiker aufgefordert, sich für die Flüchtlinge in Moria einzusetzen und Leute aufzunehmen. „Wir alleine können nichts bewegen, aber wenn es viele von diesen Aktionen gibt, gibt es vielleicht weitere, die mitmachen. Es ist eine europäische Sache.“

Bürgermeister: Wir sind vorbereitet

Wie ist es denn in Olfen? Könnte Olfen Flüchtlinge aufnehmen? „Die aktuellen Entwicklungen sind schlimm und belasten sicherlich auch unsere Bürgerinnen und Bürger“, antwortet Bürgermeister Wilhelm Sendermann auf Anfrage der Redaktion. „Wir können im Bedarfsfall weitere Aufnahmen leisten. Darauf sind wir vorbereitet. Ich wäre dafür, für diese humanitären Notlagen schnell Hilfen vor Ort zu leisten.“

13 Stühle pro 1000 Menschen in Moria. Das ist das Symbol, das der Asylkreis zur Mahnwache gewählt hat.

13 Stühle pro 1000 Menschen in Moria. Das ist das Symbol, das der Asylkreis zur Mahnwache gewählt hat. © Arndt Brede

Es sind nicht viele Menschen, die zu Beginn an der Mahnwache teilnehmen. Eine Frau guckt interessiert. Was denkt sie über die Aktion, fragen wir. „Ich finde die Mahnwache gut. Man kann diese armen Menschen doch nicht allein lassen. Wenn ich nur an die Kinder dort denke...“.

Und noch jemand ist ergriffen. Eine junge Iranerin, die geflohen war und in Olfen lebt, sagt im Gespräch mit der Redaktion, die gefragt hatte, wie sie die Mahnwache empfindet: „ Ich möchte nicht darüber sprechen. Es bringt so viele Erinnerungen zurück.“

Moria ist knapp 3000 Kilometer von Olfen entfernt. Für einige Augenblicke ist es ganz nah.

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