Mehr Arbeit für das Jugendamt in Olfen und Nordkirchen

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In Olfen und Nordkirchen erhält das Jugendamt mehr Meldungen zu möglicher Gefährdung des Kindeswohls. Besonders in einem Ort musste die Behörde nun deutlich aktiver werden.

Olfen, Nordkirchen

, 10.09.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) teilt mit, dass die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in NRW im vergangen Jahr um über zehn Prozent gestiegen ist. Nun gab der Kreis Coesfeld die Zahlen für Olfen und Nordkirchen bekannt. Die zeigen: Es gibt mehr Arbeit für das Jugendamt.

Zahl der Hinweise gestiegen

Für die Stadt Olfen erhielt das Jugendamt im letzten Jahr 21 Meldungen von potenzieller Kindeswohlgefährdung. In Nordkirchen lagen 25 Hinweise vor. Damit stieg die Zahl der Verdachtsfälle in Nordkirchen deutlich an. 2018 gab es für die Gemeinde lediglich sechs Hinweise.

In keinem der gemeldeten Fälle im Jahr 2019 lag nach einer Überprüfung des Jugendamtes eine tatsächliche Kindeswohlgefährdung vor – weder in Olfen noch in Nordkirchen.

Dennoch sah die Behörde oft Handlungsbedarf. Für Olfen vermeldet der Kreis 6 solcher Fälle, für Nordkirchen sogar 16. Wird ein Hilfe- und Unterstützungsbedarf festgestellt, entscheiden die Mitarbeiter des Jugendamtes gemeinsam mit den Eltern über mögliche Maßnahmen.

Inobhutnahme in Olfen zuletzt 2018

„Wird im Rahmen der Risikoeinschätzung eine akute Gefährdung für ein Kind festgestellt, werden sofort Schutzmaßnahmen ergriffen, um das Wohl des Kindes zu sichern“, erklärt Detlef Schütt, Jugenddezernent des Kreises Coesfeld.

„Im akuten Gefährdungsfall wird das Kind in Obhut genommen, das heißt, es erfolgt eine Herausnahme aus dem elterlichen Haushalt.“

In Olfen gab es solch einen Fall zuletzt 2018. Dann werde möglichst gemeinsam mit Eltern und Kind überlegt, ob es geeignete Personen für eine vorübergehende Unterbringung des Kindes gibt. „Stehen diese nicht zur Verfügung, wird das Kind in einer Jugendhilfeeinrichtung oder einer Bereitschaftspflegefamilie untergebracht“, so Schütt.

Arbeit an einer Perspektive

Problematisch wird es, wenn die Eltern einer Inobhutnahme widersprechen: „Dann muss unverzüglich das Familiengericht informiert werden, um eine rechtliche Klärung herbeizuführen“, klärt der Jugenddezernent auf.

Die Maßnahmen des Jugendamtes sind immer auf Nachhaltigkeit ausgerichtet: „Ziel der Inobhutnahme ist neben dem sofortigen Schutz vor weiterer Gefährdung auch die Arbeit an einer Perspektive“, stellt Detlef Schütt klar.

„So muss geklärt werden, ob die Eltern gewillt und in der Lage sind, Maßnahmen zu ergreifen, die eine Rückführung des Kindes in ihren Haushalt ermöglichen oder ob eine dauerhafte Fremdunterbringung notwendig ist.“

So weit musste es im vergangenen Jahr in Olfen und Nordkirchen nicht kommen. Ein Teil der Prüffälle ist dem Jugendamt dabei nicht einmal unbekannt: In fast jedem dritten Fall beziehen die betroffenen Familien bereits Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe.

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