Kathrin Middelmann beherrscht die Fleischerkunst und tritt in die Fußstapfen des Vaters. © Laura Schulz-Gahmen
50 Jahre Fleischerei

Metzgerei-Erfolg: Vater und Tochter entwickelten Innovation für Schwangere

Franz Middelmann und Tochter Kathrin blicken auf 50 Jahre Wurst und Fleisch zurück. In der Zeit hat sich vieles verändert. Die zwei haben zusammen eine Innovation für Schwangere entwickelt.

Der Apfel fällt nicht weit vom Baum, ist ein Sprichwort, das auf Familie Middelmann aus Olfen nicht so ganz zutrifft. Hier müsste es heißen: Der Braten fällt nicht weit vom Rind, oder so. Denn Tochter Kathrin Middelmann ist, wie ihr Vater es war, jüngste Metzgermeisterin. Gemeinsam tüfteln Vater und Tochter an immer neuen Innovationen.

Im Jahr 1964 hat Franz Middelmann (71) die Lehre zum Fleischer in Emsdetten gemacht. Nach zwei Jahren war er bereits Filialleiter. Er hat sich in mehreren großen Unternehmen schnell hochgearbeitet, wie er im Gespräch mit der Redaktion erzählt.

Vater und Tochter jüngste Meister

1970 machte Franz Middelmann seinen Meister, nach nur drei Jahren. Damals brauchte man noch fünf Gesellenjahre. Deshalb meldete er seinen Wohnsitz in Bayern an, so klappte es schneller mit dem Meister und er war mit 20 Jahren der jüngste Metzgermeister.

Die gesamte Familie Middelmann lebt für gute Fleischwaren.
Die gesamte Familie Middelmann lebt für gute Fleischwaren. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Tochter Kathrin Middelmann (38) tat es ihm im Jahr 2004 gleich, auch wenn sie nach neueren Regeln nur noch ein Gesellenjahr für den Meister brauchte. Sie war

ebenfalls mit 20 Jahren jüngste Metzgermeistern.

Drei Filialen in Olfen

„Ich hab jeden Laden hochgebracht und dachte dann ‚wenn ich das für andere kann, dann kann ich das auch für mich selbst‘“, so der Metzgermeister. Also hat er sich am 21. Oktober 1971 in Olfen am Milchpfad selbstständig gemacht. Damals gab es noch fünf weitere Metzger in Olfen, heute gibt es nur noch ihn.

Der Trend geht immer mehr in Richtung Fertigprodukte. Hier macht Kathrin Middelmann gerade Eintopf.
Der Trend geht immer mehr in Richtung Fertigprodukte. Hier macht Kathrin Middelmann gerade Eintopf. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Aber nicht nur, dass er als einziger Metzger überlebt hat, er hat sich vergrößert. Aus einer Filiale sind mittlerweile drei geworden, außerdem steht der Marktstand der Firma Middelmann fünfmal pro Woche auf Märkten in Lüdinghausen, Ottmarsbocholt und Senden. Und das Wachstum des Unternehmens geht weiter. Der Schlachtbereich in der Robert-Bosch-Straße soll um 200 Quadratmeter vergrößert werden.

Mehr Fertigprodukte

Aber nicht nur größer wird das Unternehmen, sondern auch innovativer. Eine Tötungsanlage, die jede einzelne Schlachtung per Video aufnimmt gehöre ja schon zum Standard. „Damit man auch sehen kann, ob alles ordnungsgemäß abläuft“, so der 71-Jährige. Franz Middelmann nimmt nur die besten Tiere. Dafür zahlt er dann auch gerne mehr. Die Bauern, von denen er die Tiere bekommt, kennt er schon seit 30 Jahren.

In der Kühlung hängen unzählige Schinken von der Decke.
In der Kühlung hängen unzählige Knochenschinken von der Decke. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Wenn man zurückblickt, hat sich das Kaufverhalten der Kunden in den vergangenen 50 Jahren verändert. Kathrin Middelmann sagt: „Heute werden mehr Fertigprodukte gekauft, wie Suppen und Eintöpfe. Zu Weihnachten gibt es Sauerbraten und Rollbraten aus dem Schlauch mit Sauce, das ist weniger Arbeit und die Frauen können bei ihren Familien sein, statt in der Küche zu stehen.“ Außerdem wird heute fettarmer gegessen. Viele Frauen sind zudem heute berufstätig, „da muss es dann schnell gehen“, so Kathrin Middelmann.

Salami für Schwangere

Aber nicht nur das Kaufverhalten hat sich verändert, auch die Ausbildung selbst. In der Prüfung mussten früher alle Tierarten geschlachtet werden: „Rind, Schwein und Schaf“, sagt Franz Middelmann. Heute ist eine Schlachtung nicht mehr jedes Mal Bestandteil der Prüfung. „Da geht es mehr um die Feinkostherstellung“, so Kathrin Middelmann.

Tochter Kathrin Middelmann mit Vater Franz Middelmann vor dem Regal mit den selbst hergestellten Eintöpfen im Schlauch.
Tochter Kathrin Middelmann mit Vater Franz Middelmann vor dem Regal mit den selbst hergestellten Eintöpfen im Schlauch. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Als Feinkost könnte man auch die Innovation des Familienbetriebes nennen. In einem hochmodernen Räucherschrank bekommt eine „Kochsalami“ den Geschmack, den die rohe Salami eigentlich hätte. Aber warum die ganze Arbeit? „Die Salami ist für Schwangere“, sagt Kathrin Middelmann. Die 38-Jährige ist selbst vor Kurzem Mutter geworden und konnte ebenfalls auf die „Kochsalami“ zurückgreifen. Rohe Wurst dürfen Schwangere nicht essen.

Eine der Innovationen von Vater und Tochter: Die Salami für Schwangere.
Eine Innovation von Vater und Tochter: die Salami für Schwangere. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

„Deshalb haben wir eine Salami für Schwangere hergestellt, mittlerweile verkaufen wir etwa 60 Kilogramm davon pro Woche davon“, sagt Franz Middelmann im Gespräch mit der Redaktion. „Die schmeckt auch den schwangeren Männern“, scherzt Tochter Kathrin.

„Die lernen bei uns alles“

Die gesamte Familie Middelmann hilft im Betrieb mit. Mutter Erika (69) steht immer dort hinter der Theke, wo es gerade an Arbeitskräften fehlt. Derzeit werden noch Auszubildende gesucht. Die Metzgerei Middelmann bildet seit Ewigkeiten aus und hat nach eigenen Angaben oft die Innungsbesten ausgebildet. „Die lernen bei uns alles, sowohl im Verkauf als auch hinten in der Fleischerei“, sagt Franz Middelmann.

Dabei sei es egal, ob sie die Ausbildung zum/zur Fleischereifachverkäufer*in oder zum/zur Fleischer*in machen. Derzeit sind noch fünf Ausbildungsplätze bei der Fleischerei Middelmann frei. „Wir suchen noch drei für den Verkauf und zwei für die Fleischerei“, sagt Franz Middelmann.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen