Damit Olfen ein modernes Rathaus bekommen kann, muss das frühere Geschäftshaus an der Ecke Marktstraße/Kirchstraße abgerissen werden. Im nächsten Jahr sollen die Bagger anrollen. © Thomas Aschwer
Zeitplan steht

Millionen-Investition – Olfener Innenstadt wird zur Großbaustelle

Die Olfener Innenstadt bekommt in den nächsten Jahren ein komplett neues Gesicht. Größter Investor ist dabei die Stadt selbst. Sie hat jetzt den Zeitplan für ein Großprojekt vorgestellt.

Wer das Olfener Rathaus besucht und zudem Herbert Grönemeyer mag, muss irgendwie an sein Bochum-Lied denken: „Du bist keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau. Du liebst dich ohne Schminke. Leider total verbaut.“ Ganz so krass ist die Situation im Verwaltungsgebäude vielleicht nicht, doch der Veränderungs- und vor allem Modernisierungsbedarf ist unübersehbar.

Eine Mammutaufgabe, die nicht in wenigen Monaten erledigt werden kann. Vor allem dann nicht, wenn das Gebäude nicht komplett leer gezogen werden soll. Muss es im ersten Schritt auch nicht, denn 2022 lässt die Stadt erst einmal das vor etlichen Jahren gekaufte Nachbargebäude abreißen. An der Ecke Marktstraße/Kirchstraße ergibt so eine riesige Freifläche, die direkt wieder bebaut werden soll. „Der Zeitplan sieht eine Inbetriebnahme des Neubaus im Jahr 2023 vor“, sagt Bürgermeister Wilhelm Sendermann ohne den Zeitplan enger einzugrenzen.

Das Gelbe Haus am Marktplatz ist eine weitere Nebenstelle der Olfener Stadtverwaltung. Auch dieses Gebäude wird in Zukunft zumindest in dieser Funktion nicht mehr benötigt. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Fest steht, dass auch bei den überarbeiteten Plänen der Balkon ein wichtiger Bestandteil bleibt. Natürlich hofft die Stadt, dass es künftig mehr Anlässe als die jährliche Schlüsselübergabe an die Karnevalisten für eine besondere Nutzung gibt. Ebenfalls final geklärt ist, dass sich der Neubau später von dem umgebauten Altbau optisch absetzt. „Von innen ist es aber architektonisch ein Gebäude“, sagt Sendermann. Allerdings wird im Neubau nicht nur getagt, beraten und gearbeitet: Hier entsteht auch ein neuer Raum für kleinere Kulturveranstaltungen. Ein wichtiger Ansatz übrigens bei der Beantragung von Fördergeldern.

Fünf Millionen Euro Fördergelder fließen in den An- und Umbau

Für „normale Ratsum- und anbauten“ gibt es im Regelfall keine finanzielle Unterstützung. Beim Olfener Projekt sieht das anders aus. Von den veranschlagten Gesamtkosten von 8,3 Millionen Euro muss die Stadt 3,3 Millionen Euro selbst tragen, die restliche Summe werden durch Fördergelder abgedeckt. „Der Förderbescheid für den ersten Bauabschnitt ist da“, sagt Sendermann.

Mit dem zweiten Förderbescheid – er soll in 2022 kommen – werden Investitionen in den Altbau mit abgedeckt. Der vorläufige Zeitplan sieht vor, dass 2024 die Baumaßnahme komplett abgedeckt ist und Olfen über ein multifunktionales, modernes und vor allem auch umweltfreundlichen Rathaus verfügt.

Dazu beitragen werden verschiedene Maßnahmen. Eingeplant ist beispielsweise ein Blockheizkraftwerk. Dazu soll aber kein normales sondern Biogas genutzt werden. Auch bei der Klimatisierung setzt die Stadt auf eine umweltfreundlichere Methode, sie lässt wassergeführte Decken einbauen. Diese Technik ermögliche eine „maßvolle Beheizung beziehungsweise Kühlung. Ein weiteres Thema ist Photovoltaik auf dem Dach.

Das Bürgerhaus in Olfen auf der Kirchstraße ist aktuell Ort für Ausschuss-Sitzungen und zugleich Standesamt. Das Haus benötigt die Stadt nach dem Rathausan- und -umbau nicht mehr.
Das Bürgerhaus in Olfen auf der Kirchstraße ist aktuell Ort für Ausschuss-Sitzungen und zugleich Standesamt. Das Haus benötigt die Stadt nach dem Rathausan- und -umbau nicht mehr. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Alle Mitarbeiter der Stadt arbeiten künftig unter einem Dach

Mit der Fertigstellung des Rathauses werden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung unter einem Dach arbeiten. Das hat zur Folge, dass das Bürgerhaus (Kirchstraße 22) mit seinem Sitzungsraum und dem Standesamt nicht mehr in dieser Form benötigt wird. Gleiches gilt für das „Gelbe Haus“, Marktplatz 5. Was aus diesen beiden Immobilien werden soll, hat die Stadt bislang nicht festgelegt. Geklärt ist hingegen die Struktur der Veranstaltungsräume in Olfen. Nach mehreren Gesprächen mit dem Kunst- und Kulturverein ist festgezurrt, dass das Erdgeschoss im Rathaus Platz für kleinere Kulturveranstaltung gibt. „50 Plätze sind die Obergrenze, sagt Bürgermeister Wilhelm Sendermann.“

Er hofft darauf, dass dieser neue Raum eine Ausstrahlung auch in die Region hat. Veranstaltungen, die bislang in anderen Orten stattfinden, könnten dann nach Olfen kommen. Auf diese Weise könnten mehr Menschen in die Stadt kommen und damit die örtliche Gastronomie stärken. Für mittelgroße Veranstaltungen ist aus Sicht der Verwaltung das Leohaus der perfekte Rahmen, für große hingegen die Stadthalle.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer