„Mit Herz und Seele dabei“: Marcus Dorweiler erzählt aus der Geschichte von Theater Pur

rnTheater Pur

Marcus Dorweiler ist künstlerischer Leiter beim Amateurtheater Theater Pur. Er erzählt, wie es zur Gründung des Theaters kam - und wie ein Stück entsteht. Vom ersten Lesen bis zum Auftritt.

Olfen

, 18.03.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marcus Dorweiler hat gerade nicht viel Zeit für andere Dinge. Bald ist Premiere des Stücks „Schau nicht unters Rosenbeet“. Und damit steigt das Lampenfieber stetig an. Geprobt wird bis zum letzten Tag, damit am 29. März alles perfekt wird.

Dorweiler ist künstlerischer Leiter des Amateurtheaters „Theater Pur Olfen“ und hält die Fäden in der Hand. Von der Auswahl des ersten Stücks bis hin zur Applausordnung macht er alles selbst. Dabei wirkt er in den meisten Stücken auch selbst mit. Unterstützung erhält er dabei von seinen Schauspielkollegen, die Ton, Musik oder die Werbung und Vermarktung erledigen. Aber am Ende hat er das Sagen. „Ich kann gut räumlich sehen und habe einen Blick für die Wirkung auf das Publikum“, beschreibt er.

Seit Kurzem ein eingetragener Verein

Seit über 35 Jahren steht Dorweiler auf der Bühne. Seine Erfahrungen hat er beim Amateurtheater St. Antonius Datteln erworben. Dort übernahm er mit 15 Jahren seine erste Rolle. „Ich wäre vor Lampenfieber fast gestorben“, gab er zu. Doch als die Scheinwerfer angingen, sei er wie ausgewechselt gewesen: „Da wusste ich, das ist es.“ Es folgten bis zu drei Rollen im Jahr und die ersten Regiearbeiten. Und die Begeisterung für das Theaterspielen hält weiter an. „Man sagte schon im Kindergarten, ich hätte ein Talent fürs Theater“, sagt er lachend.

Als Anfragen von interessierten Familien aus Olfen kamen, die auch Theater machen wollten, gründete sich im Jahr 2006 das Theater Pur Olfen. Mit dem Stück „Sei im Pool mein Krokodil“ im Sommer 2007 stellte es sich der Öffentlichkeit vor. Das Theater Pur Olfen ist Mitglied im Bund Deutscher Amateurtheater und – ganz frisch - seit zwei Wochen ein eingetragener Verein mit 12 festen Ensemblemitgliedern. Doch wirken auch immer Gastspieler mit.

„Mit Herz und Seele dabei“: Marcus Dorweiler erzählt aus der Geschichte von Theater Pur

Markus Dorweiler, Tobias Restel, Daniela Schulz, Birgit Klemp und Birgitt Godejohann in einer Szene aus dem Stück "Ein Schlüssel für zwei". © Antje Pflips

„Das Theaterspielen ist ein anstrengendes Hobby, bei dem jeder mit Herz und Seele dabei sein muss“, erklärt Dorweiler. Vor allem müsse auch der Ehepartner mitziehen – und das tut Ehefrau Rabea mit Begeisterung. Seit Jahren spielt sie an der Seite ihres Ehemanns die unterschiedlichsten Rollen und übernimmt auch schon mal die Spielleitung. Gleichzeitig wirkt Marcus Dorweiler auch in den Stücken mit. „Wenn ich in eine Rolle schlüpfe, dann blende ich den Alltag total aus“, beschreibt er.

Wer die eine oder andere Rolle spielt, das entscheidet Dorweiler. Schon beim Lesen des neuen Stücks ordnet er die Charaktere zu. „Manchmal stellt sich bei der Leseprobe heraus, dass doch jemand anderes eine bestimmte Rolle spielen sollte.“ Doch das ist selten. Im September liegt das neue Stück vor und damit beginnen die Proben. Alle Akteure erhalten neben dem Skript einen Probenplan und eine Zeichnung vom Bühnenbild. Auch das erstellt Dorweiler selber. Dabei richtet er sich nach den Vorgaben des Autors. Ab Dezember sind die Akteure schon sicherer und wissen mittlerweile durch Regieanweisungen, wo sie auf der Bühne zu stehen haben.

Anspruch auf gute Unterhaltung

Ab Januar geht es ohne Rollenbuch weiter. Hilfe gibt es dann noch von der Souffleuse. Aus kleinen Sequenzen werden immer größere Blöcke, bis das Stück durchgespielt werden kann. Vor der Karnevalspause gibt es eine Probe mit Videomitschnitt. Beim anschließenden Videoabend werden Fehler bei der Aussprache, der Mimik, der Position oder bei den Requisiten analysiert und behoben. „Am Ende muss jeder seine Leistung bringen“, sagt Dorweiler. Denn der Anspruch ist hoch: „Wir versuchen, gute Amateure zu sein.“ Und er betont, dass Theater Pur keine Laienbühne sei, sondern eine Amateurbühne mit Anspruch auf gute Unterhaltung, die regelmäßige Aufführungen anbietet.

Das Ensemble macht bei seinen Aufführungen alles selber: Vom Bühnenbild bis hin zum Auf- und Abbau der Kulissen sind alle Hände gefragt. Das gilt auch für kleine Umbauten zwischen den Szenen. Das muss allerdings auch geprobt werden. Im neuen Stück gibt es eine Szene, bei der viele Stühle benötigt werden. „Das haben wir lange geprobt, damit alles in 20 Sekunden erledigt ist“, erklärt Dorweiler.

Nerven behalten

Wenn dann das Wort „Stuhlgang-Probe“ fiel, wussten alle sofort, was gemeint war. Doch die Anweisung: „Jeder, der tot ist, darf nach Hause“ gilt nur noch bis Sonntag. Dann wird die Applausordnung geübt. Bevor am Ende der letzte Vorhang fällt, kommen alle Mitspieler in Gruppen auf die Bühne. Auch die „Toten“. Je näher der Auftritt rückt, um so mehr steigt das Lampenfieber, weiß Rabea Dorweiler. „Zum Schluss werden alle nervös.“ Dann heißt es: Nerven behalten. Die hat Marcus Dorweiler. Noch. Er freut sich darauf, dass es bald losgeht. „Unser Ziel ist es, zufriedene Gäste zu haben, die auch beim nächsten Mal wiederkommen.“ Außerhalb der Proben treffen sich die Mitglieder regelmäßig zum Stammtisch in der Ratsschänke. Wer sich auch fürs Theaterspielen interessiert, kann dazukommen und sich über die Arbeit informieren.

Vorstellungen in Olfen und Lüdinghausen: „Schau nicht unters Rosenbeet“ wird am Freitag, 29. März, und am Samstag, 30. März, um 20 Uhr in der Stadthalle Olfen aufgeführt. Am 5. und 6. April finden die Aufführungen um 20 Uhr im Ricordo in Lüdinghausen statt. Kartenpreis: 13,50 Euro bei den Vorverkaufsstellen Friseursalon Godejohann, BBS Schreibwaren und Ricordo Lüdinghausen.
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