Nach 26 Jahren in Olfen: Wilma Möllers hört auf

Lehrerin der Wieschhof-Grundschule

Nach 26 Jahren an der Wieschhof-Grundschule in Olfen ist für Wilma Möllers jetzt Schluss. Im Alter von 62 Jahren geht die Lehrerin aus Seppenrade erst in ein Sabbatjahr und dann in den Ruhestand. Vorher sprachen wir mir ihr darüber, wie das damals war: Als sie dafür sorgte, dass in dieser Grundschule Erst- und Drittklässler und Zweit- und Viertklässler zusammen im Unterricht sitzen.

OLFEN

, 08.07.2016, 05:34 Uhr / Lesedauer: 3 min
Nach 26 Jahren in Olfen: Wilma Möllers hört auf

Wilma Möllers war 26 Jahre an der Wieschhohschule als Lehrerin aktiv. Die Seppenraderin geht jetzt mit 62 Jahren in ein Sabbatjahr, danach in den Ruhestand. Sie wurde beim Picknick von den Schülern und dem Kollegium verabschiedet.

Für Sie ist das Picknick, das das Schülerparlament auf die Beine gestellt hat, mit das letzte Ereignis in Ihrer Schullaufbahn...

Richtig. Es folgt nur noch das Lehrergrillen, dann war es das für mich.

Gehen Sie, weil Sie die Schule nicht mögen?

Nein, die Schule mag ich sehr, das war mir die liebste in meiner Laufbahn.

Warum gehen Sie dann schon?

Mein Mann hat mich davon überzeugt, dass es gut wäre, wenn wir noch ein paar Jahre miteinander in gesundem Zustand verbringen und ich nicht mehr so viel arbeiten muss. 

Was verbinden Sie denn mit dieser Schule?

Vor etwa 15 Jahren bin ich mit Kollegin Gerhardt durch Deutschland gereist, um die besten jahrgangsübergreifenden Systeme ausfindig zu machen. Hängen geblieben sind wir dann bei 3-1 / 4-2, genau das, was wir hier jetzt seit zehn Jahren machen (Erstklässler sind mit Drittklässlern in einer Klasse, Zweit- mit Viertklässlern, die Redaktion). Frau Gerhardt und ich haben das hier ins Leben gerufen und ich bin sehr dankbar, dass die ganze Schule umgestellt und das hier zur Institution wurde. Das macht mich sehr glücklich.

 

Das komplette Interview zum Anhören

 

Warum haben Sie das damals eingeführt?

Schule hatte sich so ein bisschen totgelaufen und ich gehöre zu denen, die alle paar Jahre eine Herausforderung, etwas Neues brauchten. Es gab so viele Einzelkinder und wir beschlossen, man müsse ein System haben, wo Jung und Alt miteinander lernen. Und ich finde, es hat sich unheimlich bewährt, anders könnte ich gar nicht mehr unterrichten.

Was sind denn die Vorteile?

Es ist wunderbar anzusehen, wie die Großen sich um die Kleinen kümmern und die Kleinen die Großen anhimmeln, weil sie so sein wollen wie er oder sie. Wenn die Zweitklässler das zwei Jahre erlebt haben, freuen sie sich riesig darauf, Paten zu werden für kleinere Kinder. Sie haben zwei Jahre die Fürsorge genossen und geben sie jetzt weiter. 

Was ist dann ein Nachteil? Das klassische System ist ja immerhin immer noch das andere. Und das bestimmt nicht ohne Grunde.

Der einzige Nachteil, den ich wirklich sehe, ist, dass nur die Dreier oder die Einser höchstens zu dreizehnt sein können, damit die Klassengröße von 26 nicht überschritten wird. Das heißt, bei 13 haben die Kinder nicht so viel Auswahl an Freunden, wie sie es in einer ganzen Jahrgangsstufe hätten. Aber auch hier werden Kindergeburtstage mit Groß und Klein zusammen gefeiert - also ist es doch kein großes Problem.

Wie macht man denn da Unterricht? Man muss doch als Lehrer Stoff für Erst- und Drittklässler gleichzeitig haben. 

Ja, das muss man. Meistens arbeiten wir am gleichen Thema, brechen das, was die Großen auf einem anderen Niveau machen, für die Kleinen herunter. 

Die können ja noch nicht schreiben...

Oh, das können sie aber ganz schnell lernen. 

Würden Sie sagen, dass das an jeder Grundschule eingeführt werden müsste?

Ja. (lacht) 

Sie hatten den Einstieg als Projektbeauftragte durch das Herumreisen. Mussten Sie viel werben für die Idee, oder was das klar und einfach?

Das war überhaupt nicht klar und einfach. Wir hatten große Veranstaltungen in der Stadthalle mit sehr viel kritischen Eltern, die das nicht wollten. Es waren sehr wenige, die das wollten. Dann richteten wir nur zwei solcher Klassen ein, weil nur so viele Eltern sich zur Verfügung stellten. Das wurde dann sehr argwöhnisch beäugt und es hat viel böses Blut in der Stadt gegeben, dass man jetzt zwei Systeme nebeneinander hat. Manchmal haben sich die Kollegen, die in jahrgangsreinen Klassen unterrichtet haben, wie ein zweites Rad am Wagen gefühlt, weil das andere so ein bisschen gehypet wurde. 

Wie lange dauerte es, bis es akzeptiert war?

Fünf, sechs, sieben Jahre. 

Und heute? 

Tun es alle. Und alle stehen dahinter. Sonst hätten wir es nicht umstellen können. 

Ist das ein Alleinstellungsmerkmal in der Region?

Ich glaube, in der Region schon. In Ascheberg, Billerbeck und Coesfeld gibt es auch gemischte Systeme, glaube ich. 

Was werden Sie demnächst am meisten vermissen? Das frühe Aufstehen? Die Kinder, die um sie herumspringen?

Nein, die tolle Teamarbeit mit den Kollegen werde ich vermissen. Es hat mir auch Freude gemacht, Lehrmittel für die Schule zu entwerfen. 

Kommen Sie noch mal wieder?

Nein. 

Für Sie endet also die Beziehung zu Olfen?

Ja, ich finde, es gibt so viele junge tolle Kollegen, die nachkommen, dass wir den Platz frei machen müssen für sie. Macht den Weg frei, Kollegen! Meine Nachfolgerin ist so alt wie meine Tochter. Spätestens dann, wenn man Oma ist, ist es gut, den Weg frei zu machen.

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