Nach ARD-Bericht: Irritationen um Olfener Ziegel

Angst vor krebserregenden Stoffen

Sind im Olfener Stadtgebiet krebserregende Ziegel verbaut worden? Ein ARD-Bericht wirft diese Frage auf. Knapp drei Jahre ist es her, seit die letzte Ladung des Ziegelzusatzstoffes Woolit vom Gelände der ehemaligen Ziegelei Hüning in Vinnum abtransportiert worden ist.

Olfen

, 28.07.2015 / Lesedauer: 3 min
Nach ARD-Bericht: Irritationen um Olfener Ziegel

Das Gelände der Ziegelei Hüning in Olfen.

Reporter des hessischen Rundfunks haben jedenfalls laut dem am Montagabend in der ARD ausgestrahlten Bericht herausgefunden, dass in ganz Deutschland mit Woolit versetzte Ziegel in Häusern verwendet worden sind.

Woolit, ein Materialmix aus künstlichen Mineralfaserprodukten (Glaswolle, Steinwolle), Ton, Gelatine, Wasser und Melasse (als Bindemittel) zur Stabilisierung der Ziegel, enthält laut ARD-Bericht nicht nur krebserzeugende Stoffe, sondern auch hochgradig mit Schwermetallen belastetes Material.

Im Bericht erklärt der Leiter der Gefahrstofflaboratorien an der Universität Gießen, Dirk Walter, die Stoffe könnten freigesetzt werden, falls die Hausbewohner Löcher in die Ziegel bohren oder gar Schlitze für Elektroinstallationen unter Putz gemacht werden.

Für den Bericht hatten die Reporter unter anderem in Olfen recherchiert. Anwohner von potenziell betroffenen Neubaugebieten in der Steverstadt hatten sie aber nicht vor die Kamera bekommen.

In Olfen hatte die ehemalige Ziegelei Hüning von der mittelhessischen Firma Woolrec Woolit geliefert bekommen. Nach Informationen unserer Redaktion lag der Lieferzeitraum zwischen 2008 und 2012.

Schwer nachzuvollziehen

Ob in diesem Zeitraum mit Woolit verarbeitete Ziegel aus dem Werk Hüning auch in Häusern der Region verarbeitet worden sind, ist schwer nachzuvollziehen. „Ich gehe davon aus, dass das so ist“, sagt Olfens Bürgermeister Josef Himmelmann auf Anfrage unserer Redaktion.

Zwischen 2008 und 2012 sei zum Beispiel das Neubaugebiet Appelstiege III/IV entstanden. Ob Hüning-Ziegel verbaut worden seien? „Das weiß ich nicht“, sagt Himmelmann. Aber: „Nachdem das auf dem Gelände der Ziegelei Hüning gelagerte und abgedeckte Woolit im Dezember 2012 abtransportiert und entsorgt worden ist, sind die schon fertig produzierten Ziegel nach einer Untersuchung des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz freigegeben worden.“

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Himmelmann verweist auf eine Antwort der NRW-Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des FDP-Abgeordneten Henning Höne. Der Abgeordnete weist darin darauf hin, dass künstliche Mineralfasern im Woolit, die als krebserzeugend eingestuft worden seien, trotz des Ziegelbrennvorgangs erhalten bleiben.

Mit Schreiben vom 17. Januar 2014 erklärt die Landesregierung unter anderem: „Im Rahmen der Bauproduktüberwachung wurden die unter Verwendung von Woolit hergestellten Ziegel einer Risikobewertung unterzogen. Diese ergab, dass eine Freisetzung der in Woolit enthaltenen Fasern auch bei intensiver Bearbeitung der Ziegelsteine äußerst gering ist.“

Was stimmt aber letztendlich? Die Aussagen des ARD-Berichts? Oder die der Landesregierung? Himmelmann: „Ich kann die Leute verstehen, wenn sie durch den ARD-Bericht verunsichert sind. Deshalb werde ich mit der Produktaufsicht, der Bezirksregierung Münster, sprechen und fragen, was richtig ist. Ich will das aufgeklärt haben.“

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