Naturbad Olfen: Dieses Virus machte Besucher krank

Labor-Ergebnisse sind da

Über 250 Menschen haben sich nach einem Besuch im Naturbad Olfen krank gemeldet - Magen-Darm. Am Dienstag kündigte der Leiter des Gesundheitsamtes schon an, dass es am Mittwoch Ergebnisse aus dem Labor gebe. Nun steht mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit fest, was die Ursache der Erkrankungen war.

OLFEN

, 31.08.2016, 15:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir gehen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es sich um Infektionen mit dem Norovirus handelt“, teilte Dr. Heinrich Völker-Feldmann, Leiter des Gesundheitsamtes im Kreis Coesfeld, am Mittwochmittag mit. Labornachweise aus Stuhlproben von erkrankten Kindern sowie die Krankheitsverläufe wiesen laut Kreis-Gesundheitsamt darauf hin.

Wie hat sich das Virus verbreitet?

Im Badewasser des Naturbades, aus dem Wasserproben im Labor ACB untersucht wurden, ließ sich das Norovirus bisher nicht nachweisen. Das habe aber vor allem messtechnische Gründe. Verbreitet haben könnte es sich nach Angaben der Stadtverwaltung, Betreiberin des beliebten Freibades, auch über die Toiletten oder die Duschen.

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Viele Kinder, die das Bad besucht hatten, klagten seit Sonntag über starke Bauchschmerzen. Wiederholtes Erbrechen, Schwäche, hohes Fieber waren die Symptome, die sich bei mehreren 100 Olfenern, aber auch Gästen aus benachbarten Orten, abzeichneten. Auch Durchfall trat bei vielen Badegästen auf – aber auch nicht alle Badegäste klagten über Probleme.

Schwerer, aber kurzer Krankheitsverlauf

Allein bei der Stadtverwaltung gingen mehr als 250 Meldungen von Betroffenen ein. Um Meldungen hatte die Stadt aber auch offensiv geworben und zwei Telefonnummern und Mailadressen dafür ausgegeben.

Das Norovirus ist als hoch ansteckend bekannt. Es breitet sich auch innerhalb von Familien oftmals schnell aus. Der Krankheitsverlauf ist schwer, aber kurz. Demnach teilte die Stadt Olfen am Mittwochmittag mit, dass die Zahl der Meldungen rapide abgenommen habe: Am Mittwoch meldeten sich „nur noch“ zehn Personen, Montag und Dienstag kamen über 240 Meldungen zusammen.

Saison im Naturbad ist wohl beendet

Fest stehe, so das Kreis-Gesundheitsamt in einer Mitteilung, dass mit dem Norovirus bereits infizierte Personen im Naturbad waren. Darum bleibt das Freibad am Stadtrand von Olfen bis auf weiteres geschlossen – vermutlich sogar bis zum nächsten Frühjahr. „Wir gehen auf Nummer sicher“, sagte Daniela Damm, kaufmännische Betriebsleiterin.

Das bedeutet: Das Wasser wird komplett ausgetauscht. Dieser Vorgang nehme 14 Tage in Anspruch. „Schade angesichts des schönen Spätsommerwetters zurzeit“, so Daniela Damm. „Aber die Gesundheit der Badegäste geht uns allen vor.“ Die Badesaison endet – je nach Wetterlage – erfahrungsgemäß Anfang bis Mitte September.

Strengere Kontrolle als bei Freibädern

Das Olfener Naturbad ist anders als viele Freibäder als Badeteich klassifiziert und kommt durch seine biologische und bewusst naturnahe Konstruktionsweise ohne chemische Zusatzstoffe wie Chlor im Badewasser aus. Zur Reinigung wird das Wasser in Rieselsümpfe am Rand der Liegeflächen geleitet. Dort wird es biologisch gereinigt und dann mit selbst gewonnenem Solarstrom ins Becken zurückgepumpt.

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„Für das Betreiben von Badeteichen hat der Gesetzgeber keine verbindlichen Anforderungen definiert“, teilte Dr. Heinrich Völker-Feldmann, selbst Mediziner, am Mittwoch mit. Daher seien schon bei der Planung des Bades, das 2010 eröffnete, eigene Anforderungen und Verfahren festgelegt worden. Stadt Olfen und Kreis Coesfeld haben diese Dinge untereinander definiert. Dazu gehört unter anderem die Entnahme von Proben und Überprüfung im Labor alle 14 Tage – häufiger als bei gechlorten Bädern üblich. Außerdem weist der Betreiber mit Schildern am Becken auf die biologische Reinigung und die damit verbundenen Risiken hin.

 

Obergrenze für Besucher eingeführt

Erfahrungen zeigten, dass die Bakterien-Belastung des Wassers immer dann steigt, wenn die Zahl der Besucher hoch ist, so die Stadt in einer Mitteilung. Auch hohe Außentemperaturen mehrere Tage hintereinander und damit eine steigende Wassertemperatur gelten als Gunstfaktoren für die Ausbreitung von Keimen.

An manchen Tagen kann es vorkommen, dass der Badbetreiber einen Einlassstopp verfügt. Es gebe keine komplett festgelegte Kapazität, sagte Daniela Damm gegenüber unserer Redaktion. Aber es gibt eine Richtschnur: Die lag bisher bei rund 1500 Gästen pro Tag.

Schwimmmeister Kühn erklärt die Filteranlage

Hinweis: Dieses Video stammt aus dem Sommer 2015. Der Schwimmmeister wollte nicht vor die Kamera. Deshalb ist nur seine Stimme zu hören.

Hier sollten sich Betroffene melden:
Daniela Damm, Tel.: 02595 – 389-111, E-Mail: 
Markus Freck, Tel.: 02595 – 389-165, E-Mail: 

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