Neue Flüchtlingsunterkunft in Olfen ist eröffnet

Besonderes Konzept

Bis Ende des Jahres erwartet die Stadt Olfen 90 Menschen aus verschiedenen Ländern, die Schutz vor Krieg und Gewalt suchen. Am Dienstag stellte die Stadt die Unterkunft am Vinnumer Landweg vor und erläuterte das Konzept – und das unterscheidet sich deutlich von den Ideen anderer Städte.

OLFEN

, 08.08.2017, 19:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Neue Flüchtlingsunterkunft in Olfen ist eröffnet

Noch sind die Handwerker nicht ganz fertig, doch die neue Flüchtlingsunterkunft in Olfen kann bereits ohne Einschränkungen genutzt werden.

Wohl sollen sich die Menschen in Olfen von Anfang an fühlen. Selbstständig sollen sie zumindest ein Stück weit sein. Und die Stadt will helfen, dass sie zumindest über das Fernsehen Kontakt zu ihrer Heimat halten. Um diese und andere Ziele zu erreichen, hat die Verwaltung mit Unterstützung des Arbeitskreises Asyl einen Olfener Weg entwickelt. Was sind die Eckpunkte?

Während viele Kommunen auf Containerlösungen setzen, hat sich die Stadt Olfen ganz bewusst für Wohnungen entschieden. Sie sind so ausgestattet, dass die Menschen hier individuell ihr Essen zubereiten können. Dass dazu neben Herden Kühlschränke gehören, versteht sich von selbst. „Wir wollen die Eigenverantwortlichkeit stärken und den Menschen helfen, ihr Leben selbst zu organisieren“, sagte Bürgermeister Wilhelm Sendermann am Dienstag bei der offiziellen Eröffnung der Unterkunft.

Leistungen sind nicht zum "Nulltarif" zu haben

Mit Kabelfernsehen und Internetanschluss will die Stadt den Menschen ermöglichen, Kontakt mit der Heimat zu halten und Möglichkeiten bieten, sich über die Entwicklung der Heimatländer zu informieren. Allerdings sollen die Menschen lernen, dass Leistungen nicht zum „Nulltarif“ zu haben sind. Für die Internetnutzung werden pro Person 2 Euro je Monat fällig.

Lernen sollen die Menschen auch, dass es in Deutschland vielfältigste Regeln wie die Nachtruhe gibt. „Die Einhaltung werden wir zum Schutz der Kinder kontrollieren“, kündigte Bürgermeister Sendermann an. Erklärtes Ziel der Stadt ist es, dass die Menschen mit großer Bleibeperspektive schnell in Wohnungen ziehen können. Stefanie Benting, Leiterin des neuen Fachbereichs Arbeit, Soziales und Integration, und ihre Mitarbeiter suchen deshalb dringend Wohnungen. „Wenn es gewünscht ist, tritt die Stadt als Mieter auf“, sagt sie. Wer eine Wohnung anbieten kann, meldet sich bei der Stadt unter Tel. (02595) 389154.

Um die Kontakte zwischen den Neubürgern und den schon länger in der Stadt lebenden Menschen zu fördern, organisiert der Arbeitskreis Asyl jeden Freitag von 17 bis 19 Uhr im Haus Katharina, Kirchstraße 19, ein Café International. „Hier herrscht eine entspannte Atmosphäre“, betont Rita Watermann. Obwohl sich bereits rund 30 Personen engagieren, würde sich der Arbeitskreis über weitere engagierte Menschen sehr freuen. Die Aufgaben sind vielfältig. Es geht um Sprachvermittlung, Hilfe beim Umzug in die eigene Wohnung und viele Dinge mehr. Alle Engagierten im Arbeitskreis entscheiden selbst, wie viele Stunden sie sich im Monat einbringen.

Stadt geht von zehn Jahren aus

Wie die Stadt sich in Zukunft aufstellt, um die Menschen möglichst gut zu integrieren, berät nach Auskunft von Bürgermeister Sendermann die Politik ab September. Dabei geht es auch um die künftige Unterbringung und einen neuen Standort der Kleiderkammer.

„Perspektivisch wollen wir das alte Krankenhaus aufgeben, um Platz zu schaffen für eine Erweiterung des Vitus-Stiftes.“ Die neue Unterkunft hingegen wird deutlich länger erhalten bleiben, die Stadt geht erst einmal von zehn Jahren aus.

Platz für 118 Menschen
– 1,2 Millionen Euro hat die Stadt Olfen in den Bau der neuen Unterkunft am Vinnumer Landweg investiert.
– Entstanden sind zwei rund 25 mal 10 Meter große Hallen, die später auch als Gewerbehallen genutzt werden können.
– Aktuell leben in der neuen Unterkunft 13 Personen, darunter vier Kinder. Sie haben bislang vor allem an der Nordstraße gewohnt. Insgesamt können hier maximal 118 Menschen leben.
– Ab Mitte September kommen voraussichtlich bis Jahresende 90 weitere Personen nach Olfen. Ein Großteil, rund 80 Menschen, haben nach Auskunft der Stadt ein Bleibeperspektive in Deutschland.

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