Neue Wege in den Olfener Bauerschaften, aber eine Herausforderung bleibt

rnWirtschaftswege

Die neuen landwirtschaftlichen Vorrangstrecken in Olfen genießen bei Landwirten und anderen Verkehrsteilnehmern eine hohe Akzeptanz. Doch jetzt muss eine schwierige Frage geklärt werden.

Olfen

, 27.08.2020, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahlen sind gewaltig und machen die außergewöhnliche Herausforderung deutlich: 3120 Hektar in Olfen - also die Fläche von fast 4400 Fußballfelder - sollen und müssen in Teilen neu organisiert und neuen Eigentümern zugeordnet werden. Und das möglichst einvernehmlich.

Projektleiter Franz-Josef Grothues von der Bezirksregierung Münster spricht angesichts der 450 Grundstückseigentümer von einem „sehr komplexen Verfahren“, das noch mehrere Jahre dauern wird. Bei einer so großen Flächen, es handelt sich um eines der größten Flurbereinigungsverfahren in Nordrhein-Westfalen, „sollten wir uns nicht zu sportliche Ziele setzen.“

Vor allem die Corona-Pandemie macht Grothues und seinen Kollegen zu schaffen. Statt einer geplanten Infoveranstaltung gibt es jetzt im Internet Informationen für die Betroffenen. Fakt ist, dass in den vergangenen Jahren bereits zentrale Fakten geschaffen worden sind. Bereits im Spätsommer 2015 haben Bauarbeiter mit dem Wegeausbau begonnen.

Arbeitsgeräte der Landwirte sind deutlich breiter geworden

Mittlerweile sind im Zuge des Flurbereinigungsverfahrens rund sieben Kilometer landwirtschaftliche Vorrangwege vorwiegend in alter Trasse neu gebaut worden. Zudem wurden rund zwölf Kilometer öffentliche Wege umgewandelt in landschaftsgestaltende Anlagen - also in Rückzugsraum für Flora und Fauna - (6,5 Kilometer) oder landwirtschaftliche Nutzfläche (drei Kilometer). Rund 2,7 Kilometer werden, so die Bezirksregierung, aus der öffentlichen Unterhaltung entfallen und zu Privatwegen umgewandelt.

Wie notwendig der Ausbau der Wege war, zeigen einige Zahlen.

„Eine Schlepperbreite von 2,55 Meter ist normal“, sagt Bernhard Brüse, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft und landwirtschaftlicher Lohnunternehmer. Einige Schlepper seien bis zu 2,70 Meter breit. „Die Arbeitsgeräte dürfen aktuell bis zu drei Meter breit sein, Mähdrescher sogar bis 3,49 Meter.“ Mit den ausgebauten Wegen und den zusätzlich befestigten Banketten sei ein Begegnungsverkehr gefahrlos möglich.

Aber nicht nur die Landwirtschaft profitiert von den neuen Straßen - entstanden ist im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens eine schnelle Verbindung zwischen Rauschenburg und Vinnum.

Beim Flächentausch ist der Ertragswert entscheidend

Möglich wurden die neuen Straßen inklusive eines neuen Kanal-Damms erst dadurch, dass das Land NRW Fördermittel in einer Gesamthöhe von 2,1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Den fälligen Eigenanteil der Teilnehmergemeinschaft des Verfahrens hat die Stadt Olfen übernommen.

Doch jetzt sind Fingerspitzengefühl und Verhandlungsgeschick gefragt. Bei der Neuordnung des Grundbesitzes ist die Flächengröße nicht das entscheidende Maß. „Der Ertragswert ist entscheidend“, sagt Franz-Josef Grothues. Dazu kommen Kriterien wie Leitungen in der Flächen oder Verschattungen durch Wälder. Nicht unwichtig ist auch die Lage - aus Sicht der Landwirte natürlich möglich nahe an den schon eigenen Äckern.

Projektleiter sieht in Olfen „hohe Akzeptanz“

Am Ende muss es nach Aussage von Franz-Josef Grothues eine einvernehmliche Lösung geben, welcher Landwirt an welcher Stelle Flächen abgeben muss und wer an welcher Stelle Flächen bekommt. „Jeder Teilnehmer hat dabei Anspruch auf einen wertgleichen Ausgleich.“ Trotz der großen Fläche und der vielen Eigentümer ist Grothues vorsichtig optimistisch. „In Olfen gibt es eine hohe Akzeptanz für das Flurbereinigungsverfahren. Deshalb sind wir auf einem guten Weg.“

Was aber passiert, wenn es am Ende doch keine einvernehmliche Lösung gibt? Dann müssten die Dinge gerichtlich geklärt werden, sagt Grothues. Doch daran will er nicht denken. Zwei bis drei Jahre hat er einkalkuliert für die vielen anstehenden Gespräche. Danach steht auf jeden Fall noch Grundbucheintragungen und Katasteraktualisierungen an.

Lesen Sie jetzt