Das Hochwasser der Stever kann auch schon mal bis an die Wohnbereiche herankommen. Deshalb ergreift die Stadt Olfen Maßnahmen, um sich und die Bürger zu wappnen. © Stadt Olfen
Starkregen

Olfen ergreift konkrete Maßnahmen gegen Starkregen und seine Folgen

Olfen hat sich an einem wissenschaftlichen Projekt beteiligt, das Wege aufzeigen soll, wie sich die Stadt gegen Starkregen wappnen kann. Nun sollen Erkenntnisse in greifbare Maßnahmen münden.

Das Projekt, bei dem die Stadt Olfen unter anderem mit dem Technischen Universität (TU) Dortmund kooperiert, hat den etwas sperrigen Titel „Resilienzbildung nach Extremereignissen: Lessons Learned und neue Strategien für Städte im Umgang mit räumlich ubiquitär auftretenden Extremereignissen“. Inhalt von „Resi-extrem“ – so lautet die Kurzform des Projekttitels – ist die Auseinandersetzung mit der Problematik, wie allerorts auftretende und scheinbar unvorhersehbare Extremereignisse (Starkregen) in der Stadtentwicklung zukünftig in Vorsorge- oder Schutzkonzepten berücksichtigt werden können. Ziel ist es, Städte wie Olfen resilienter – also widerstandsfähiger – gegenüber zukünftigen Extremereignissen zu machen.

Einiges ist bereits abgearbeitet. Ergebnisse einer Haushaltsbefragung liegen vor. So erlitten 16 Prozent der befragten Haushalte in den Jahren 2013 und 2014 Schäden durch Starkregenereignisse. Das Wasser fand dabei hauptsächlich durch Kellerfenster bzw. Kellerzugänge und durch den Kanalrückstau den Weg ins Haus. Dadurch wurden größtenteils Fußböden, Türen und Möbel beschädigt.

Mehr als 76 Prozent der befragten Haushalte gaben an, Vorsorgeeinrichtungen an dem Gebäude oder Grundstück zu besitzen. Jedoch gaben 60 Prozent der Befragten auch die Rückmeldung, lediglich geringe Kenntnisse über bauliche Maßnahmen zu besitzen.

Starkregengefahrenkarten erstellt

Außerdem wurden Starkregengefahrenkarten erstellt, anhand derer man potenziell gefährdete Bereiche in Olfen erkennen kann.

Und nun? Geplant war ja auch, Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen umzusetzen, die Olfen und seine Bürger widerstandsfähiger gegen Starkregen machen sollen. Wie geht es weiter? Sind Katastrophen wie die jüngste Hochwasserkatastrophe an der Ahr auch in und rund um Olfen denkbar? Wir haben dazu mit Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann und Christopher Schmalenbeck vom Fachbereich Bauen – Planen – Umwelt gesprochen.

„Ich habe in meiner Zeit in Olfen mehrere sogenannte Jahrhundertereignisse erlebt“, sagt Wilhelm Sendermann. Und zwar so extrem, dass unter anderem Keller bis zu 1,60 Metern unter Wasser gestanden haben. Es habe nicht die Auswirkungen gehabt wie einst in Münster oder eben wie jetzt an der Ahr. Aber auch der Starkregen, der im Juli unter anderem Selm und Lünen erreicht habe, hätte unter ungünstigen Umständen durchaus auch Olfen erreichen können, erklärt der Bürgermeister. „Mit Projekten wie Lippeauen, Steverauen und Neuer Stever haben wir eine Verantwortung für unsere Gegend.“ Diese Projekte haben laut Sendermann auch etwas mit Hochwasserschutz zu tun. „Wir versuchen, die Auen größer zu machen.“ Um Überschwemmungsgebiete zu schaffen. Um – auch im Fall der Neuen Stever – Wasser abfließen lassen zu können, wo es keine Schäden anrichten kann.

Was die Zukunft Olfens betrifft, sei es gut, auf die Gefahrenkarten zurückzugreifen, sagt Christopher Schmalenbeck. „Man sieht da zum Beispiel, dass in den neueren Baugebieten, wo wir häufig auch Entwässerungsgräben oder Regenrückhaltebecken haben, die Problematik geringer ist als in den älteren Wohngebieten aus den 60er/70er Jahren.“

Oberirdisches Grabensystem

Nun gehe es darum, Erkenntnisse in Stadtentwicklung einzuarbeiten. Und zwar im Sinne der Vorsorge. Wobei Schmalenbeck ganz klar einschränkt: „Es wird nie einen hundertprozentigen Schutz geben.“ Es gebe zwei Ebenen, in denen Vorsorge geschehen soll: In Bestandsgebieten und in Neubaugebieten. So habe die Stadt für den Bereich Grüner Weg eine Art städtebauliches Konzept erarbeitet. „Es soll ein Not-Wasserweg entstehen vom Grünen Weg aus am Schul- und Sportzentrum entlang Richtung Stever.“ Es handelt sich dabei um ein oberirdisches Grabensystem. „Stadtgraben 2.0“ heißt das innerhalb der Verwaltung.

Die Frage sei aber auch, wie die Stadt in den Neubaugebieten verfahren kann. So sei in den Planungen für das Neubaugebiet Olfener Heide I im Olfener Westen entlang der Sammelstraße, die dort entstehen soll, „ein sehr breiter Grünbereich vorgesehen ist, der in seiner fast kompletten Ausdehnung als Retentionsfläche für Regenwasser dienen kann“, sagt Schmalenbeck. Also als Überflutungsfläche. Eigentlich sei dieser Überflutungsbereich für das Baugebiet selber „völlig überdimensioniert“. Aber in Olfen blicken die Verantwortlichen quasi aus der Hubschrauberperspektive auf das Ganze. Nämlich, dass an das Baugebiet Olfener Heide I auch noch ein weiteres Baugebiet angedockt werden könnte. Deshalb die größere Dimension des Überflutungsbereiches.

System von Grünzügen zur Aufnahme von Regenwasser

Ziel sei dann perspektivisch, im Olfener Westen ein System von Grünzügen herzustellen, die auch dazu dienen, Regenwasser aufzunehmen und abzuleiten in Richtung Stever oder Neuer Stever, ergänzt Christopher Schmalenbeck.

Und damit befindet sich Olfen nach Resi-extrem I mit Analyse und Erstellung der Gefahrenkarten bereits in Resi-extrem II, also in der Umsetzungsphase des Projektes. Dazu hatte die Stadt Olfen einen weiteren Förderantrag gestellt. Der Antrag sei bewilligt worden. „Wir bekommen für zwei Jahre eine Stelle finanziert zu 70 Prozent“, berichtet Schmalenbeck. Zudem gebe es Mittelbewilligung für die Beauftragung von Planungsbüros. Es gehe um eine Machbarkeitsstudie in Sachen Stadtgraben 2.0. Unter welchen Rahmenbedingungen kann das funktionieren? Das ist die entscheidende Fragenstellung dabei. Denkbar sei innerhalb der zweijährigen Förderdauer auch eine erste Entwurfsplanung, wie Stadtgraben 2.0 konkret umgesetzt werden kann.

In den ganzen Prozess sollen auch die Olfener Bürger eingebunden werden, versichert Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Denn, sich für Starkregen vorzubereiten und zukunftsorientierte Vorkehrungen zu treffen, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

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Redaktion Selm
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Arndt Brede