Olfener Geschäftsmann lehnt in Steuerhinterziehungsprozess Kooperation mit Landgericht ab

Prozess um Steuerhinterziehung

Im Prozess um millionenschwere Steuerhinterziehung hat ein Geschäftsmann aus Olfen ein Angebot des Landgerichts Münster ausgeschlagen. Jetzt droht ihm eine lange Haftstrafe.

Olfen

, 21.01.2019, 15:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vorwürfe gehen auf die Jahre 2011 und 2012 zurück. Auch deshalb hatten die Richter am Landgericht Münster dem Angeklagten ein „Angebot“ gemacht. Bei einem Geständnis, so hieß es am Montag, würde eine Strafe von zweieinhalb bis dreieinhalb Jahren herauskommen. Doch der 67-Jährige lehnte ab. „Das ist für uns nicht annehmbar“, erklärte der Verteidiger. Um dann auch gleich klarzustellen, dass der Angeklagte von seinem Schweigerecht Gebrauch machen wird.

„Silber-Händler“ wollte Umsatzsteuer hinterziehen

Im Prozess geht es um Geschäfte mit Silbergranulat, das von Berlin nach Baden-Württemberg verkauft und geliefert worden sein soll. Allerdings nicht auf dem direkten Weg, sondern unter Zwischenschaltung diverser Firmen, bei denen es sich laut Staatsanwaltschaft auch um Scheinfirmen gehandelt haben soll. Eine dieser Firmen soll dem Olfener gehört haben. Obwohl er offiziell gar nicht aufgetaucht sein soll.

Laut Anklage hatten es die „Silber-Händler“ vor allem darauf abgesehen, die Umsatzsteuer zu hinterziehen. Und genau das soll auch geklappt haben. Im Prozess geht es um rund drei Millionen Euro, für die der 67-Jährige mitverantwortlich sein soll. Die Richter haben ihm am Montag bereits den Hinweis erteilt, dass es sich auch um einen besonders schweren Fall der Steuerhinterziehung handeln könnte. Höchststrafe: zehn Jahre.

Der Olfener weiß genau, was Gefängnis bedeutet

Was Gefängnis bedeutet, weiß der Olfener genau. Neun Mal ist er inzwischen schon verurteilt worden. Die mit vier Jahren höchste Strafe hat bislang das Essener Landgericht 1997 verhängt. Damals hatte der Angeklagte gestanden, als Betreiber eines Schrottplatzes geklaute Autos mit neuen Papieren ausgestattet und nach Griechenland verkauft zu haben. Die erforderlichen Unterlagen hatte er von einem bestechlichen Mitarbeiter eines Straßenverkehrsamtes bekommen.

Aber auch in Sachen Steuerhinterziehung kennt er sich aus. 2002 ist er - ebenfalls vom Landgericht Essen - zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Damals wurde in Holland Kupfer ohne Mehrwertsteuer eingekauft und später über Scheinfirmen mit Mehrwertsteuer weiterverkauft.

Mitangeklagt ist aktuell die ehemalige Geschäftsführerin einer Firma des 67-Jährigen. Die 58-jährige Frau aus Celle wurde von den Richtern aber bereits als „Randfigur“ bezeichnet. Ihr wurde bereits signalisiert, dass sie im Falle eines Geständnisses vielleicht sogar mit der Einstellung des Verfahrens rechnen könne. Doch auch sie schweigt erst einmal.

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