Olfener legten Kränze im Stadtpark nieder

Zum Volkstrauertag

Viele Vertreter der Olfener Vereine und Organisationen sowie der Stadt Olfen legten zum Volkstrauertag Kränze am Ehrenmal im Stadtpark nieder. Pfarrer Thorsten Melchert von der evangelischen Christuskirchengemeinde erinnerte in seiner Rede nicht nur an Flucht und Terror, sondern betonte auch die Wichtigkeit der Demokratie.

OLFEN

, 13.11.2016, 15:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Der Kriegstoten und der Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen gilt es, am heutigen Volkstrauertag zu gedenken“, sagte Pfarrer Thorsten Melchert von der evangelischen Christuskirchengemeinde bei seiner Rede zum Volkstrauertag in Olfen. Nach Angaben des Volksbunds deutscher Kriegsgräberfürsorge sind weltweit 65 Millionen Menschen auf der Flucht, um Schutz und menschenwürdige Lebensperspektiven zu suchen. Die Bilder in den Medien würden dabei an die Trecks der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern. „Viele haben dabei den Wunsch nach Freiheit mit dem Tod bezahlen müssen“.

Die Flucht als Weg zum Leben

Diesen Menschen auf der Flucht Obdach und Hilfe zu geben, sei eine wichtige Forderung der Bibel. Der Grund dafür sei das schlichte Gebot der Nächstenliebe. Es sei immer das bekannte Leid: Die Gräueltaten Mächtiger an den Schwächsten und die Angst davor drängt Menschen zur Flucht in ein anderes Land. Am Ort des Terrors zu bleiben, brächte den Tod. Die Flucht ist der Weg zum Leben.

Melchert forderte in der jetzigen Situation Eindeutigkeit und Klarheit: „Gerade denen, die auf die eine oder andere Weise Hass schüren und Hetzparolen verbreiten, sei gesagt: Als Christen sind wir zum Schutz der Schwachen aufgerufen: der Kinder, der Alten und eben auch jener, die auf der Flucht vor Gewalt und Elend sind.“ Melchert zitierte den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer und bezog seine Aussage auf die Gegenwart: „Nur wer sich für Flüchtlinge einsetzt, darf Lobe den Herrn oder Großer Gott wir loben dich singen“.

Frust ist kein politisches Programm

Melchert mahnte, dass sich jeder für sein Tun und Lassen zu verantworten habe. Wenn nicht vor einem weltlichen Gericht, dann spätestens dann, wenn Kinder und Enkelkinder fragen: „Was hast du denn damals gemacht?“ In seiner täglichen Arbeit habe er erlebt, dass gestandene Männer Tränen in den Augen hatten, weil sich ihre Taten in das eigene Gewissen eingegraben hatten. Die eigene Grausamkeit wendete sich Jahrzehnte später gegen sie selber als ihre Täter.

Für Melchert war es wichtig, sich jedes Mal bewusst zu machen, wohin nationalistisches und demokratiefeindliches Denken führen werde. „Demokratie kann ihre Akzeptanz verlieren, wenn sich nicht Menschen für sie einsetzten und für sie streiten“. Stimmungen seien auf ihre Hintergründe hin zu durchleuchten. Frust sei kein politisches Programm, sondern „eine Pflegestation für Vorurteile“. Demokratie sei eben harte, beständige Arbeit.

Dank an engagierte Bürger

Für die Olfener Bevölkerung sei es daher wichtig, sich in die Gestaltung der Stadt und des Landes mit einzubringen. Es sei wichtig, miteinander im Gespräch zu sein und dabei alle Aspekte zu beleuchten. Es sei wichtig, Stammtische und Kaffeekränzchen nicht den Gegnern der Demokratie und den Feinden der Freiheit zu überlassen. Ein Dankeschön an all diejenigen richtete Melchert, die sich für das Wohl der Menschen in Olfen einsetzen.

Mit Norbert Lammerts Worten „Wir leben in Verhältnissen, um die uns fast die ganze Welt beneidet. Und wir stehen vor Herausforderungen, die wir bewältigen müssen und können, wenn wir es wollen“ schloss Melchert seine Ansprache. Der Spielmannszug Olfen, das Musikcorps 76, das Jagdhornbläsercorps und die Chorgemeinschaft 82 sorgten für den musikalischen Rahmen am Ehrenmal. 

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