Olfener Spargelbauern genervt vom Papierkram

Preis wird steigen

Die Spargelbauern stöhnen. Der Mindestlohn hat den Landwirten ein "Bürokratie-Monster" aufgelastet, wie Lars Hittscher, Betriebsleiter am Schloss Sandfort, die Dokumentationspflicht für die Saisonarbeiter nennt. Auch der Verbraucher wird den Mindestlohn zu spüren bekommen: Der Spargelpreis wird steigen.

OLFEN

, 20.04.2015, 12:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Spargelsaison hat begonnen und viele freuen sich schon auf den ersten frischen Spargel. Aber von Kilopreisen zwischen fünf und sechs Euro werden sich Spargelesser wohl verabschieden müssen. „Wir werden die Preise anpassen müssen. Wie hoch der Preis sein wird, kalkulieren wir noch“, erklärt Lars Hittscher.

Der Grund ist einfach: Spargelanbau ist arbeitsintensiv. „Die Hauptkosten sind der Arbeitslohn“, so Hittscher. Steige dieser, wird auch der Spargel teurer. Am Schloss Sandfort sind jedes Jahr 21 Saisonarbeiter beschäftigt. Zwölf kommen aus Polen, neun aus Deutschland. Früher hätten sie 6,40 Euro bekommen, seit 1. Januar 2015 7,40 Euro – pro Tag kostet das Personal so 150 Euro mehr. Die Staffelung sieht vor, dass der Mindestlohn für Saisonkräfte bis November 2017 auf 9,10 Euro steigen wird.

Nicht gegen den Tarif

Hittscher bekräftigt, dass man nicht gegen den Mindestlohn sei: „Ich persönlich finde, dass jeder mindestens mit den 8,50 Euro des gesetzlichen Mindestlohns nach Hause gehen soll.“ Dem schließt sich Heinrich-Ludger Rövekamp von der Landwirtschaftskammer NRW an. „Wir wehren uns nicht dagegen, einen tariflichen Lohn zu zahlen. Darüber haben wir als Berufsstand nie mit der Politik gestritten.“ Sehr wohl stört die Landwirte aber der Papierkram, der auf sie zukommt, auch auf Hittscher: „Das macht uns Bauchschmerzen.“

Die Dokumentationspflicht verlangt, dass Hittscher seit 1. Januar ausgefüllte Wochenstundenzettel seiner Beschäftigten sammeln muss. „Die Spargelzeit ist eine hektische Zeit“, erklärt er, jede Woche hinter den Stundenzetteln hinterherzulaufen, sei nervig. Coesfelds Kreislandwirt Anton Holz bezeichnet den bürokratischen Aufwand als unverhältnismäßig. „Wir gehen davon aus, dass wir vom Zoll kontrolliert werden. Richtig komplex wird es aber erst für große Betriebe“, meint Hittscher.

Brutto gleich netto

Doch noch eine Folge hat der Mindestlohn: Durch diesen sei ein Ungleichgewicht unter den Beschäftigten entstanden. Die osteuropäischen Saisonkräfte kommen sozialversicherungsfrei nach Deutschland. Wer maximal drei Monate hier arbeitet, muss keine Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung bezahlen. Der Bruttolohn entspricht bei ihnen dem Nettolohn, anders als etwa bei festen Angestellten aus Deutschland. „Wir haben jetzt ein Ungleichgewicht in der Firma“, so Hittscher. Und deutsche Arbeitskräfte kommen für die Arbeit nicht infrage: „Das ist Knochenarbeit und für das Geld wollen die Deutschen nicht arbeiten. Früher sollten 20 Prozent Deutsche sein. Und die ließen sich nie finden.“ 

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