Gesang mit Abstand: Olfener Chor trifft sich bald zur ersten Probe seit Corona

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Chöre singen voller Inbrunst - dabei kann die Luft auch mal feuchter werden. Ein Problem in Corona-Zeiten. In Olfen will nun der erste Chor wieder proben - und erzählt, wie das klappen soll.

von Maria Niermann

Olfen

, 01.08.2020, 10:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein halbes Jahr ist es her, dass der St. Vitus Chor proben konnte. Das war am 10. Februar. Dann kam der Olfener Karneval, gefolgt vom Urlaub des Chorleiters – ja und dann kam das Coroanvirus.

Und jetzt? „Wir finden und erfinden uns neu – uns bleibt nichts anderes übrig“ , sagt Thomas Hessel, Kirchenmusiker der Vitusgemeinde und Chorleiter des Vitus-Chores, in einem Telefonat.

Sicherlich – es gibt die unterschiedlichsten Auffassungen über die Gefahr durch den Ausstoß von Aerosolen beim Chorgesang. Dazu Thomas Hessel: „Da gibt’s überhaupt kein Vertun: Ich als Chorleiter muss mich an die gesetzlichen Bestimmungen des Landes NRW halten.“ Die aktuellste Fassung der Corona Hygiene- und Infektionsstandards, die am 15. Juli in Kraft getreten ist, sagt zum Chorgesang unter anderem: „Beim Singen ist ein Abstand von drei Metern zwischen Personen und von vier Metern in Ausstoßrichtung sicherzustellen, sowie eine Raumgröße von mindestens sieben Quadratmetern pro Person.“ Schwer durchführbar, mag da mancher denken.

Erste gemeinsame Probe seit Corona

Weil aber die Sängerinnen und Sänger das gemeinsame Singen vermissen, und weil die Verantwortlichen des Chores immer wieder darauf angesprochen werden, und weil sie selber natürlich auch wissen, wie gut der gemeinsame Gesang der Seele tut, haben sich die Verantwortlichen dazu entschlossen einen Versuch zu starten.

Unter Einhaltung sämtlicher Vorschriften werden sich die Chormitglieder Mitte August zur ersten gemeinsamen Probe nach einem halben Jahr in der Vitus-Kirche treffen. „Nur dort, oder draußen, können wir die Abstandsauflagen einhalten“, sagt Vorsitzende Sigrid Peters.

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„Ein Chor braucht immer ein Ziel“

Thomas Hessel: „Ich bin gespannt, wie sich der Gesang bekannter Stücke auf Abstand anhören wird. Vielleicht planen wir danach Proben mit den Einzelstimmen, vielleicht können sich dann später kleine Gruppen aus diesen Stimmen zu kleinen Gesamtchören treffen. Wir müssen einfach experimentieren“, so Thomas Hessel.

„Wir können uns vorstellen, dass diese kleinen Gesamtchöre dann vielleicht bei den unterschiedlichsten Gottesdiensten oder anderen Gelegenheiten singen werden. Ein Chor braucht ja auch immer ein Ziel, auf das er sich freuen kann.“

Thomas Hessel ist der Chorleiter des St. Vitus Chores.

Thomas Hessel ist der Chorleiter des St. Vitus Chores. © Christoph Reinkober

Gespannt sind die Verantwortlichen auch darauf, wie viele Chorsänger überhaupt zu dieser ersten Probe kommen werden, und aus welchen Gründen manch einer diesen Termin nicht wahrnehmen mag. In ihrem Anschreiben bittet Vorsitzende Sigrid Peters die Mitglieder um Rückmeldung bei Nichtteilnahme. „Wir wissen ja noch gar nicht, wie sich unser Chor nach einem halben Jahr Corona aufstellt.“

Singkreis Sankt Marien: Sondieren der Lage

Die gut zwanzig Chormitglieder des Singkreises St. Marien aus Vinnum haben in der Vergangenheit nicht nur die Bedeutung des gemeinsamen Gesangs hervorgehoben sondern immer auch die Freude an der Gemeinschaft betont. Um den Chormitgliedern auch diese Gemeinschaft wieder bieten zu können, werden sich die Mitglieder des Vinnumer Chores im August treffen um über die Gestaltung der Chor-Arbeit zu diskutieren. Mechthild Frerick vom Singkreis: „Unsere Mitglieder vermissen die regelmäßigen Treffen. Wir müssen überlegen wie es weitergehen kann.“

ChorKreis Lünen-Lüdinghausen e.V.: Schwieriges Jubiläumsjahr

Der ChorKreis Lünen-Lüdinghausen informierte in einer Presseerklärung über die gravierenden Konsequenzen der Coroana-Krise. Die Mitglieder leiden – vielleicht noch ein wenig mehr als andere Chöre – weil im Jahr 2020 das 100-jährige Jubiläum hätte gefeiert werden sollen. Alleine beim Adventskonzert Ende November 2020 hätten rund 800 Sängerinnen und Sänger teilnehmen sollen. Dieses Konzert wurde bereits abgesagt.

Auflösung in Selm - Neustart in Olfen

Der im Februar in Selm mit großem Erfolg gestartete Chor „Je älter je besser“ wurde bereits im April wieder aufgelöst. Christa Mischke, Initiatorin dieses Chores, konnte die Mitglieder nur noch schriftlich verabschieden, da ein Treffen aufgrund des plötzlichen Lock-Downs nicht mehr möglich war.

Sigrid Peters vom Olfener Vitus-Chor plant den Neustart: „Wir müssen gucken, dass wir wieder ans Singen kommen. Das braucht die Seele.“

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