Olfener Taufstein ist Zeichen der gelebten Ökumene

Lange Historie

Der Taufstein steht seit der Innenrenovierung der Kirche St. Vitus in der Mitte der Kirche. Auf Höhe des Taufsteins stehen im linken Seitenschiff nun die Taufbäume, im rechten ist das Totenbuch ausgelegt. Dass es den Taufstein noch gibt, ist den Bewohnern von Schloss Sandfort zu verdanken.

OLFEN

, 16.04.2017, 00:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Olfener Taufstein ist Zeichen der gelebten Ökumene

Als Ende des 19. Jahrhunderts die dritte Kirche St. Vitus abgerissen, die jetzige Kirche erbaut wurde, sollte der aus dem 14. Jahrhundert stammende Taufstein aus dem Baumberger Sandstein, das genaue Jahr der Fertigstellung ist nicht überliefert, eigentlich vergraben werden. Denn zu dieser Zeit war es üblich, nicht mehr benötigte heilige Gegenstände zu vergraben.

Der damalige Besitzer von Schloss Sandfort, Wilhelm Johann Ludwig Graf von Wedel – er war auch Landrat des Kreises Lüdinghausen – erwarb den Taufstein 1882 und gab ihm einen Ehrenplatz in der Schlosshalle von Sandfort. Der protestantische Graf wurde am 15. November 1837 in Oldenburg geboren, starb am 25. April 1912 auf dem Schloss Sandfort.

Taufstein kam in die Gemeinde zurück

Bewohner des Schlosses Sandfort wurden Adelbert Graf vom Hagen und seine Ehefrau Renata Erica Gräfin vom Hagen, geborene von Wedel. Sie ist besser bekannt als Gräfin Rena. Nach ihr ist das DRK-Heim Haus Rena benannt. Gräfin Rena starb am 26. März 1974 auf Schloss Sandfort. Geboren wurde sie am 20. Mai 1909. Ihr Ehemann Adelbert Graf vom Hagen verlor sein Leben bei einem Flugzeugabsturz im Jahr 1961.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So schön ist der Taufstein der St. Vitus Kirche

Der Taufstein in St. Vitus hat eine bewegte Vergangenheit. In unserer Fotostrecke können Sie die Verzierungen bewundern.
14.04.2017
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© Foto Theo Wolters
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Der Taufstein hat einige schöne Verzierungem. Hier sehen wir Kaspar.© Foto Theo Wolters
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Der Taufstein hat einige schöne Verzierungem. Hier sehen wir König Balthasar© Foto Theo Wolters
Der Taufstein hat einige schöne Verzierungem. Hier sehen wir einen Engel.© Foto Theo Wolters
Der Taufstein hat einige schöne Verzierungem. Hier sehen wir einen Engel.© Foto Theo Wolters
Der Taufstein hat einige schöne Verzierungem. Hier sehen wir die Heilige Katharina.© Foto Theo Wolters
Der Taufstein hat einige schöne Verzierungem. Hier sehen wir Margarete.© Foto Theo Wolters
Der Taufstein hat einige schöne Verzierungem. Hier sehen wir Melchior.© Foto Theo Wolters
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Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Wunsch der Gemeinde St. Vitus immer größer, den Taufstein wieder in der Kirche aufstellen zu können. Am 26. März 1952 erhielt die Vitus-Gemeinde den Taufstein zurück. In Berichten des Kirchenarchivs heißt es: „Um 15 Uhr war der mit Tannengrün bekränzte Wagen mit dem Taufstein vor dem Kirchenportal nach feierlicher Prozession vom Schloss zur Kirche angelangt." Dankbar nahm der damalige Pfarrer Gerhard Harrier den Taufstein in Empfang. Er sprach von einem besonderen Freudentag, den die Gemeinde begehe.

Gelebte Ökumene

Die Rückkehr war nur möglich, da sich Schloss Sandfort, die Gemeinde Olfen und die katholische Kirchengemeinde geeinigt hatten, der evangelischen Kirchengemeinde ein Grundstück zum Bau einer Kirche zu verhelfen. Denn die evangelische Kirchengemeinde war nach dem Krieg stark angewachsen.

Die Gottesdienste fanden im Wechsel 14-tägig im Ahnensaal des Schlosses Sandfort und im Leohaus statt. Gräfin Rena und Pfarrer Harrier hatten sich für die Rückkehr eingesetzt. Möglich wurde dies durch einen Tausch. Das Grundstück, auf dem die evangelische Christuskirche gebaut wurde, gehörte der katholischen Kirchengemeinde. So war die Rückkehr des Taufsteins in die katholische Kirche ein Beispiel für gelebte Ökumene Mitte des 20. Jahrhunderts.

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