E-Bikes werden bei vielen immer beliebter. In Olfen gab es deswegen erstmals eine Pedelec-Schulung. Dort wurde nicht nur die Theorie erklärt sondern auch wertvolle Tipps gegeben.

Olfen

, 06.09.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Dadurch hat man einfach richtig Lust zu fahren“, schwärmt Petra Dageroth. Die 61-Jährige wohnt seit einem Jahr in Olfen und ist begeisterte E-Bike-Fahrerin. Seit drei Jahre hat die Olfenerin ihr E-Bike schon. „Das will ich auch nie wieder abgeben“, sagt sie lachend. Denn sie mag es, dadurch noch mehr an der frischen Luft zu sein und auch mal weitere Strecken ganz einfach zu fahren - zum Beispiel nach Haltern.

Am Samstag hat sie zusammen mit vier weiteren (angehenden) E-Bike-Fahrern bei eine sogenannte Pedelec-Schulung mitgemacht. Das Motto: „Fit mit dem Pedelec – Pedelec-Training für eine gute und sichere Fahrt“. Zusammen mit der Verkehrswacht Münster hat die Stadt Olfen diese für die Teilnehmer kostenlos organisiert.

E-Bike ist nicht gleich Pedelec

Ganz am Anfang stellt Klaus Bohlmann von der Verkehrswacht Münster erst einmal die Begrifflichkeiten klar. Denn was die meisten als „E-Bike“ bezeichnen, sei streng genommen nicht das typische Fahrrad mit Elektromotor, sondern ein Fahrrad bei dem man nicht treten müsse, so Bohlmann. Doch da sich der Name „Pedelec“ für ein Elektro-Fahrrad mit mit Pedalen nicht wirklich durchgesetzt hat, werden die beiden Begriffe in der Alltagssprache synonym genutzt.

Der ehemalige Polizist ist selbst überzeugter E-Bike Fahrer - und will den Teilnehmern seiner Schule vor allem beibringen, sicher mit dem Fahrrad umzugehen. „Schnell fahren kann jeder, aber langsam fahren nicht“, sagt Bohlmann. Deswegen hat er für die Teilnehmer nach der Einführung zur Technik und der Straßenverkehrsordnung auch einen Parkour mitgebracht.

Kurven fahren, Bremsen üben

Dort müssen die Pedelec-Fahrer unter anderem eine gerade Linie fahren. Einhändiges Fahren für das Handzeichen beim Abbiegen, Slalom und Kurven werden geübt, genau so wie das Fahren über einen Bordstein und nicht zu vergessen das Bremsen an einem bestimmten Punkt.

Beim Linksabbiegen einhändig fahren und den Schulterblick machen - all das muss besonders auf einem E-Bike geübt werden. Friedrich Eul (links) macht es vor.

Beim Linksabbiegen einhändig fahren und den Schulterblick machen - all das muss besonders auf einem E-Bike geübt werden. Friedrich Eul (links) macht es vor. © Viktoria Michelt

Dies sei alles eine Frage der Übung, weiß Klaus Bohlmann: „Man muss sich auf dem Fahrrad wohlfühlen.“ Denn je mehr man übe, desto sicherer werde man zum Beispiel beim Absteigen oder Anhalten, wo manche Fahrer vielleicht Probleme hätten. Denn E-Bike-Fahren sei auch Gewöhnungssache, wie alle Teilnehmer einstimmig bestätigen.

„Aber ich habe echt gestaunt, als ich das erste Mal gefahren bin“, erzählt Petra Dageroth. Jetzt komme sie jeden Berg hoch und auch Gegenwind macht den E-Bike-Fahrern nichts mehr aus. Außerdem finden alle Kursteilnehme: Ein E-Bike zu fahren, das hat nicht unbedingt etwas mit Fitness zu tun. „Es geht darum, seinen eigenen Radius und seine Mobilität zu erweitern“, ergänzt Bohlmann. Vom E-Bike überzeugen will sich auch Brigitte Ziegler.

E-Bikes kennenlernen

Sie selbst hat noch kein eigenes E-Bike und dementsprechend keine Erfahrungen. Sie möchte in der Olfener Sicherheitsschulung die E-Bikes aber kennenlernen und schauen, wie man damit umgeht. Die 69-Jährige aus Datteln möchte sich bald eines anschaffen. Denn E-Bikes sind immer mehr im Kommen.

Dabei sind Pedelecs noch nicht lange auf den Straßen, wie Bohlmann berichtet. Deswegen gebe es auch regelmäßig Unfälle damit, die schlimmstenfalls in gefährlichen Kopfverletzungen enden. „Einerseits liegt das daran, dass sich viele Pedelec-Fahrer selbst überschätzen und die Geschwindigkeit des Fahrrads unterschätzen“, so Bohlmann.

Autos sind E-Bikes nicht gewohnt

Doch auch die Autos oder anderen Verkehrsteilnehmer sind E-Bikes oft immer noch nicht gewohnt. „Die Pedelecs fahren schließlich fast doppelt so schnell wie normale Fahrräder, das muss man auch als Autofahrer richtig einschätzen können.“ Denn vom weiten kann man E-Bikes von normalen Rädern nicht unterscheiden.

"Schnell fahren ist einfach, langsam fahren umso schwieriger", erklärt Klaus Bohlmann (links) und macht deswegen spezielle Übungen im langsamen Fahren.

"Schnell fahren ist einfach, langsam fahren umso schwieriger", erklärt Klaus Bohlmann (links) und macht deswegen spezielle Übungen im langsamen Fahren. © Viktoria Michelt

Deswegen gehe die Sicherheit - zum Beispiel das Tragen von einem Helm - immer vor. Denn obwohl E-Bikes 25 km/h schnell fahren gibt es keine großen Unterschiede zu normalen Fahrrädern. „Eigentlich gilt: Was für Radfahrer erlaubt und verboten ist, gilt genau so für Pedelec-Fahrer“, sagt Bohlmann. Anders ist das bei S-Pedelecs. Die unterstützen bis 40 km/h und dabei gelten andere Regeln. So brauchen S-Pedelecs Spiegel und Kennzeichen und die Fahrer müssen einen Helm tragen sowie einen Führerschein haben.

Pedelcs in Olfen ausleihen

Einen weiteren Vorteil der E-Bikes: Wenn im Freundeskreis Radtouren gemacht werden, kann mit einem Pedelec auch jeder mit der Gruppe mithalten. Unter anderem deswegen bietet das Bürgerbüro der Stadt Olfen auch Pedelecs zum Ausleihen an. „Wir haben da immer eine hohe Nachfrage“, erzählt Daniela Becker von der Stadt Olfen, die für den Bereich Mobilität zuständig ist. Auch deswegen plant die Stadt, diese Pedelec-Schulungen in Zukunft regelmäßig anzubieten.

„Wir machen hier in Olfen viel für die Radfahrer und wollen die Olfener natürlich ermutigen, noch mehr mit ihrem Fahrrad oder E-Bike zu fahren“, erzählt Becker weiter. Besonders im Hinblick auf das Stadtradeln, das seit dem 1. September läuft, sei das natürlich noch einmal wichtiger.

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