Polizei im Kreis Coesfeld muss fast täglich Haftbefehle vollstrecken

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Der Fall eines Olfeners, der nach einem Hafturlaub nicht in die Justizvollzugsanstalt zurückgekehrt ist, wirft in der Steverstadt Fragen zum Thema „Haftbefehle“ auf.

Olfen, Nordkirchen

, 18.01.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt im Kreis Coesfeld mehr Haftbefehlsvorgänge als Tage im Jahr“, sagt Polizei-Pressesprecher Rolf Werenbeck-Ueding. Für das Jahr 2019 nennt er „rund 600 Haftbefehlvorgänge im Kreis.“ Eine Zahl, die es aus Sicht der Kreispolizeibehörde einzuordnen gilt. Denn in jedem Einzelfall „handelt es sich um eine freiheitsentziehende Maßnahme.“

Damit ist in jedem Fall auch ein Richter beteiligt, der den Haftbefehl verfügen muss. Das gilt auch für den sogenannten „Vorführbefehl“. Dieser wird nach Aussage von Rolf Werenbeck-Ueding erlassen, wenn eine geladene Person nicht vor Gericht erscheint.

Bei Haftbefehlen geht es zumeist um überschaubare Geldbeträge

Damit der oder die Beschuldigte dem Richter vorgeführt werden kann, suchen im Kreis Coesfeld Bezirksbeamte die Person auf - und bringen sie zum Gericht. Laut Werenbeck-Ueding komme es auch immer wieder vor, dass die Personen bereits am Abend zuvor abgeholt werden und die Nacht auf der Wache verbringen.

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In der überwiegenden Zahl der Haftbefehle geht es nach nach Aussage der Kreispolizei Coesfeld um „überschaubare Geldbeträge“. Beispielsweise die Folge von Fehlverhalten im Straßenverkehr. Wer erwischt wird, muss nicht selten ein Bußbeld bezahlen. Verkehrssünder müssen dabei eine Frist einhalten.

Meist sind das zwei Wochen. Wer nicht zahlt, wird zunächst schriftlich erinnert. Nach mehreren Mahnungen droht schlimmstenfalls eine Erzwingungshaft.

Bezirksbeamte übernehmen die kleineren Fälle im Kreis

Aber auch für leichte Straftaten wie Ladendiebstahl oder Schwarzfahren verhängen Richter häufig Geldstrafen. Wenn die Verurteilten aber nicht zahlen können (oder wollen), droht den Menschen eine Ersatzfreiheitsstrafe. In beiden Fällen bekommen selbst Nachbarn oft nichts mit.

„Kleinere Fälle übernehmen bei uns im Kreis Coesfeld die Bezirksbeamten“, sagt Polizei-Pressesprecher Rolf Werenbeck-Ueding. Wer die ausgesprochene Geldstrafe bezahlt, muss nichts Schlimmes befürchten. Wer nicht zahlen kann oder will, muss eine Haftstrafe antreten.

Das sagt das Justizministerium zum Thema Freihheitsstrafe

„Wo Personen, die zur Vollstreckung einer Ersatzfreiheitsstrafe inhaftiert werden sollen, untergebracht werden, richtet sich nach dem Vollstreckungsplan. Er regelt die sachliche und örtliche Zuständigkeit der Justizvollzugsanstalten“, erklärt auf Anfrage Dr. Marcus Strunk, Referatsleiter Justizvollzugskommunikation.

„Für die Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen sind grundsätzlich die Justizvollzugsanstalten des offenen Vollzuges zuständig. Wenn keine Eignung für den offenen Vollzug vorliegt (bei Flucht- oder Missbrauchsgefahr), erfolgt die Vollstreckung der Ersatzfreiheitsstrafe im geschlossenen Vollzug.“

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