Preiskampf: Was ist uns ein richtiges Bio-Ei wert?

Auf dem Hof Mehring

Ostern: Für viele nicht nur ein christliches Fest, sondern auch ein Fest des Hühner-Eis. Zu Ostern boomt das Geschäft mit den Eiern. Für 26 Cent gibt es im Discounter ein Bio-Ei zu kaufen. Geht das überhaupt? Auf Hof Mehring in Olfen nicht. Da zahlt man 40 Cent im Direktverkauf. Warum? Wir haben uns vor Ort umgeschaut.

OLFEN

von Von Tobias Kaim

, 24.03.2016 / Lesedauer: 3 min

„Es gibt zwei Ebenen in der Bio-Eiererzeugung“, erklärt Heike Mehring, die den Biohof zusammen mit ihrem Mann Tobias führt.

  • „Zum einen die Verbandsebene. Da gibt es Verbände wie Bioland, die sehr strenge Richtlinien setzen, nach denen sich angeschlossene Höfe dann richten müssen. Das wird auch mindestens einmal jährlich kontrolliert.“
  • Die zweite Ebene seien Höfe mit dem EU-Bio-Siegel: „Deren Eier findet man oft im Discounter.“

Strenge Regeln

Vom Futter bis zum Endprodukt, zum Beispiel dem Ei, ist bei Mitgliedern des Bioland e.V. alles strengstens geregelt. „Die Richtlinien besagen zum Beispiel, dass jedes Tier mindestens vier Quadratmeter Platz im Auslauf haben muss. Wir bieten sechs“, erzählt Heike Mehring.

Doch das allein reicht nicht, um die Auflagen zu erfüllen. Der Hof der Mehrings muss ein in sich schlüssiger Biokreislauf sein. Das ist mit viel Arbeit verbunden, erzählt Heike Mehring: „Die Tiere müssen nach Bioland-Kriterien aufgezogen werden. Auch das Futter unterliegt strengen Richtlinien. Wir erzeugen es selbst. Die Pflanzen, die dafür angebaut werden, dürfen nicht mit Pestiziden behandelt werden. Das bedeutet einen geringeren Ertrag.“

Konsument ist gefragt

Das sorgt für einen höheren Eierpreis. „Bei uns kostet ein Ei im Moment 40 Cent“, erzählt Heike Mehring. Im Vergleich zu den Discounter-Eiern natürlich viel, aber sie sagt: „Viele Bauern sind bereit, ökologischer zu arbeiten. Aber es liegt vor allem am Konsumenten, der bereit sein muss, mehr zu bezahlen.“

Für den Verbraucher schwer zu durchblicken, der Dschungel aus Bio-Siegeln im Discounter: Meistens handelt es sich um EU-Ware, dabei dürfen aber auch Teile eines Betriebes bio und andere konventionell sein.

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Irrtum: Schreddern

Was viele Leute heutzutage von konventioneller Hühnerhaltung kennen, ist das sogenannte Schreddern: Hier werden männliche Küken mit Messern zerstückelt, da sie für den Eierbetrieb nicht von Belang sind. Ein großer Irrglaube, sagt Biolandwirtin Heike Mehring: „Die Küken werden nicht zerstückelt. In Deutschland ist Schreddern zwar nicht verboten, aber es wird in der Landwirtschaft nicht angewandt. Weder in der Bio- noch in der konventionellen Landwirtschaft. Sie werden eingeschläfert und dann in Zoos oder anderen Falkner-Betrieben zur Verfütterung eingesetzt.“

Eine um einiges tierfreundlichere und auch natürlichere Lösung. „In den Medien wird zu diesem Thema oft falsch berichtet“, erklärt Mehring.

Bio-Ostereier von glücklichen Hühnern

Bioland versucht, Legehühner so zu halten, dass sie länger legen – was zur Aufzucht weniger männlicher Küken führe. Der Bruderhahn, also das ausgewachsene männliche Huhn, kann auch verkauft werden: als Suppenhuhn zum Beispiel. Allerdings mit weniger Fleisch. „Wer Eier essen möchte, muss sich dessen bewusst sein und auch mal ein magereres Brudertier zu einem höheren Preis kaufen oder entsprechend das Ei teurer bezahlen“, sagt Heike Mehring.

Ob sie auch Ostereier verkauft? „Wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal gefärbte Eier verkauft. Die sind natürlich mit pflanzlichen Farben gefärbt.“ Viele seien es nicht gewesen. Frische, farblose Bio-Eier von glücklichen Freilandhühnern aber – die gibt es immer noch zuhauf. 

 

Quiz zu Ostern

Nicht nur Hühner legen Eier. Können Sie mit bloßem Auge erkennen, woher ein Ei stammt? Testen Sie's im Quiz:

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