Leicht gestiegen ist die Wahlbeteiligung in Olfen im Vergleich zur Bundestagswahl 2017. Mit 81,8 Prozent gehört Olfen aber zu den Orten im Kreis mit den schwächsten Wahlbeteiligungen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
„Spitzenplatz“

Rätselraten um den Erfolg der AfD in Olfen bei der Bundestagswahl

Der Schock sitzt tief bei vielen Menschen: In keinem anderen Ort im Kreis Coesfeld hat die Afd prozentual mehr Stimmen bekommen als in Olfen. Aber es gibt eine spannende Entwicklung.

Mit voraussichtlich 83 Frauen und Männer zieht die Afd in den nächsten Bundestag ein. Die Konsequenz aus einem bundesweiten Zweitstimmenanteil von 10,3 Prozent. Ein Wert, der insbesondere auch darauf zurückzuführen ist, dass in den neuen Bundesländern rund jede fünfte abgegebene Stimme an die Afd ging. In NRW kam die Partei – mit der die anderen Parteien im Bundestag eine Zusammenarbeit kategorisch ablehnen – auf 7,3 Prozent. Ein Minus von 2,2 Prozent im Vergleich zur Bundestagswahl vor vier Jahren.

Genau auf dieser Linie bewegt sich die Afd in Olfen. Hier kam sie am Sonntag (26.) auf 7,4 Prozent der Stimmen – ein Minus von 2,2 Prozent im Vergleich zu 2017. Alles erwartbar? Nicht wirklich. In keinem anderen Ort im Kreis Coesfeld kommt die Afd auf annähernd ähnlich gute Werte. In der Gemeinde Nordkirchen entschieden sich zwar auch viele Männer und Frauen für die Partei und bescherten ihr am Ende ein Wahlergebnis von 6,0 Prozent.

Mit welchen Forderungen und Positionen konnte die Afd überzeugen?

In allen anderen Städten und Gemeinden des Kreises Coesfeld hat die Afd deutlich schlechter abgeschnitten, den niedrigsten Wert erreichte sie dabei mit 3,5 Prozent der Zweitstimmen in Rosendahl und Havixbeck – Heimat des CDU-Bundestagsabgeordneten Marc Henrichmann. Nur unwesentlich stärker war die Partei, die ihrem eigenen Direktkandidaten Dr. Leonhard Martin mitten im Wahlkampf empfohlen hatte, Diskussionen fernzubleiben, in Billerbeck (3,7 Prozent Zweitstimmen).

Keine Antwort gibt es bislang auf die Frage, was die Menschen insbesondere in Nordkirchen und Olfen dazu bewegt, in so großer Zahl die Afd zu wählen. Beide Orte verfügen über eine gute Infrastruktur, über Arbeitsplätze – und haben sich dazu in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Bleibt die Frage, welche der Afd-Kernforderungen Menschen überzeugt haben. Hier einige Kernforderungen im Afd-Programm:

  • „Wir halten einen Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union und die Gründung einer neuen europäischen Wirtschafts- und Interessengemeinschaft für notwendig.“
  • Die AfD sprach sich in ihrem Programm für „Abschiebeoffensive“ aus. Zudem solle die Zahl der „sicheren Herkunftsstaaten“ ausgeweitet werden. Schließlich lehnt sie „jeglichen Familiennachzug für Flüchtlinge ab“.
  • Deutlich hat sich die Afd von anderen Parteien beim Thema Pandemie abgegrenzt: Die AfD fordert in ihrem Wahl-Programm „das sofortige Ende der Lockdown-Maßnahmen.“ Zudem lehnt sie die Pflicht zum Tragen von Masken“ generell ab.

Es stellt sich die Frage, mit welchen dieser drei Forderungen die Afd in Olfen bei der Bundestagswahl die Menschen überzeugen und am Ende auch punkten konnte. Bei der Podiumsdiskussion der Gesamtschule fand der Afd-Vertreter nicht gerade großen Zuspruch bei den Schülerinnen und Schülern.

„Keine Maskenverweigerer, keine Vorkommnisse in Wahllokalen“

Groß war die Freude hingegen bei den Grünen, die seit der Kommunalwahl nach längerer Pause wieder dem Olfener Stadtrat angehören. Sie konnten jetzt auch bei der Bundestagswahl ordentlich zulegen. Kamen die Grünen vor vier Jahren noch auf 5,6 Prozent der Zweitstimmen, konnten sie am Sonntag diesen Wert mehr als verdoppeln. Am Ende erreichte die Partei in der Steverstadt 11,9 Prozent.

Ein positives Fazit nach der Bundestagswahl zog am Montag auch Thorsten Cornels von der Stadtverwaltung. Der Fachbereichsleiter sagte, dass „bei der Wahl alles wunderbar funktioniert hat“. Bei den Wahlhelfern habe es nicht einen einzigen Ausfall gegeben. „Es gab in den Wahllokalen keine Maskenverweigerer und auch keine anderen Vorkommnisse“, so Cornels. Dass die Auszählung am Ende doch erst nach 20 Uhr beendet war, begründet der Fachbereichsleiter mit sehr vielen (1200) Stimmen in einem Briefwahlbezirk.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer