Restaurant-Check im Herzen von Olfen: Die Ratsschänke versteht sich eher als Kneipe. Die Küche muss sich trotzdem nicht verstecken und trotzt auch einem Vielfraß.

Olfen

, 11.05.2019, 05:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Herzen von Olfen, gegenüber vom Rathaus, liegt sie: die Ratsschänke. Nachdem ein erster Versuch eines Kollegen dort essen zu gehen fehlgeschlagen war, führte mich mein Weg an diesem Donnerstagabend in die Gaststätte. Warum der Versuch fehlgeschlagen war? Aus gesundheitlichen Gründen war der Küchenbetrieb beschränkt und der Kollege war wohl am ungünstigen Tag da. Doch jetzt funktionierte es.

Wir, ich und ein Dortmunder Kollege, kommen herein und fragen vorsichtig, ob man den heute essen könnte. „Ja, das geht“, sagt die Dame hinter dem Tresen. Wir setzen uns an einen großen Tisch, nicht ganz sicher, ob wir nicht lieber einen kleineren hätten nehmen sollen. „Kein Problem“, sagt die Kellnerin, die direkt beim „Du“ ist. Der erste Eindruck: eine, etwas wie eine Schützenlaube anmutende Kneipe. Die Speisekarte gibt keine Riesenauswahl her. Als Empfehlung ist der Flammkuchen in verschiedenen Ausführungen aufgeführt - den versuche ich.

Ratsschänke: Einkehr bei Bier und Wein und einem Flammkuchen zum Verlieben

Gertrud und Peter Hübscher betreiben die Ratsschänke in Olfen. © Wilco Ruhland

Das Essen in der Ratsschänke:

Vorweg sei eins zu sagen: Der Kollege David Reininghaus, ist einfach nicht satt zu kriegen. In einem früheren Check bezeichnete ich ihn mal als „naturgemäß sportlichen Esser“ - ich schwenke darauf um, ihn als Leistungssportler des Essens zu bezeichnen. Die Suppe, der Flammkuchen und das Schnitzel verschwinden in ihm, während ich mit meinem Flammkuchen schon gut bedient bin.

Ratsschänke: Einkehr bei Bier und Wein und einem Flammkuchen zum Verlieben

Die Zwiebelsuppe mit Käse überbacken. „Stimmig“, befindet der Kollege. © David Reininghaus

Die erste Bestellung: eine Zwiebelsuppe, mit Käse überbacken. „Stimmig“, sagt das menschliche Fass ohne Boden zu meiner Rechten. „So kann es weiter gehen.“

In der Karte steht „Flammkuchen – unsere Spezialität“. Das will überprüft werden. Ich bestelle einen „Flammkuchen Ratsschänke“ mit Hähnchenbrustfilet, Lauchzwiebeln und Chili. In so einer Ausführung habe ich noch nie Flammkuchen gegessen.

Ratsschänke: Einkehr bei Bier und Wein und einem Flammkuchen zum Verlieben

Der Flammkuchen mit Hähnchen und Chili. Exotisch und lecker. © Wilco Ruhland

Mein Urteil: Super. Der Flammkuchen auf dem großen Holzbrettchen ist schön knusprig und der Belag passt erstaunlich gut. Auch der Flammkuchen des Kollegen, eine Ausführung mit Pulled Pork und Gemüse schmeckt sehr gut. Wir tauschen untereinander die Stücke aus. Flammkuchen in fünf weiteren Ausführungen bietet die Ratsschänke an. Wenn ich nicht wie ein Normal-Essender nach dem einen Flammkuchen schon gut gesättigt gewesen wäre, hätte es mich durchaus gereizt, noch mehr Ausführungen zu probieren.

Und der Kollege mit dem Magen eines 16-Jährigen? Der bestellt noch ein Schnitzel hinterher, während die Kellnerin - und auch ich - fast vom Glauben abfällt. Das Schnitzel mit den Pommes befindet er als guten Nachtisch, das Wort „Spezialität“, steht jedoch zurecht über die Seite mit den Flammkuchen in der Karte. An diesem Maiabend finden sich übrigens mehrere Spargelspeisen, allesamt mit Spargel von Hof Kökelsum.

Ratsschänke: Einkehr bei Bier und Wein und einem Flammkuchen zum Verlieben

Der Flammkuchen mit Pulled Pork und Gemüse. © David Reininghaus

Die Getränke

Eine Getränkekarte bekamen wir nicht. Das Pils (0,2) liegt bei 1,50 Euro, das Pils alkoholfrei (0,33) bei 2,30. Hier gibt es nichts zu meckern. Winzerkeller und Wanddekoration lassen erahnen, wie stolz Wirt Peter Hübscher auf sein Weinangebot ist. Die Weinkarte fasst rund 40 Weine.

Die Preise

Der Flammkuchen liegt bei 9,50 Euro, das Schnitzel bei 11,50 Euro. Die Zwiebelsuppe kostet 4,50 Euro. Das ist noch ok, zumal der Flammkuchen wirklich gut ist.

Die Atmosphäre

Aufgrund des großen Hungers meines Begleiters vergeht naturgemäß einige Zeit, in der wir die Atmosphäre in der Ratsschänke aufsaugen. Sie ist gut besucht und füllt sich auch im Laufe der Zeit immer weiter. Verschiedenste Altersklassen sitzen hier. Auch ein Schwung deutlich junger Gäste kommt herein und fragt, ob auf dem großen Fernseher denn gleich Fußball laufen würde – aber klar.

Der Service

Der Service funktioniert. Wir bekommen zwar keine Getränkekarte, fühlen uns aber trotzdem nie im Stich gelassen. Die familiäre Atmosphäre, die vom Chef bis zur Kellnerin ausgestrahlt wird, überträgt sich auch auf die Gäste. Späße sind immer möglich und hier muss man sich keine Sorgen machen, auf dem Trockenen sitzen zu bleiben.

Des Wirts ganzer Stolz: der „Dampfmichel“. Eine drehbare Bank um einen runden Tisch mit eigenem Zapfhahn. Die Biermenge wird über einen eigenen Zähler abgerechnet, „wie bei einer Tankstelle“, sagt Peter Hübscher. Die Ecke ist besonders bei Stammtischen sehr beliebt.

Auch größere Feiern sind möglich: 70 bis 80 Gäste passen in die Räume, sagt Hübscher. Im Sommer kommt noch der Biergarten dazu.

Kinderfreundlichkeit

Klar ist: Die Ratsschänke ist eher eine Kneipe. Extra für Kinder ausgewiesene Gerichte finden sich nicht in der Karte.

Barrierefreiheit

Eine kleine Stufe ist vor dem Eingang zu überwinden. Sowohl zu den Toiletten im Keller, als auch den Tagungsräumen sind Treppen zu bewältigen. Der Biergarten ist barrierefrei.

Mein Fazit

Auf dem Schild der Ratsschänke steht Wein- und Bierstube. Das Lokal folgt seinem Namen. Es als Restaurant zu bezeichnen, würde dem Lokal nicht gerecht. Dennoch muss sich die Küche nicht verstecken. Besonders lecker: der Flammkuchen in seinen verschiedenen Ausführungen. Was auffällt: obwohl es sich mehr nach Kneipenatmosphäre – mit nicht unbedingt den gemütlichsten Lichtverhältnissen – anfühlt, sind wir bei weitem nicht die einzigen Gäste, die etwas essen. Die Küche scheint nicht nur bei uns gut anzukommen. Hier lässt es sich gut bei einem gerstenhaltigen Kaltgetränk, einem leckeren Flammkuchen und Fußball auf dem Fernseher aufhalten.

Anfahrt/Parken

Die Ratsschänke liegt genau auf der Kirchstraße, gegenüber des Rathauses. Ob auf der Kirchstraße selbst oder in direkter Nähe ist immer ein Parkplatz zu finden.

Das sagt das Netz

Bei Google erhält die Ratsschänke 4,1 von 5 Sternen bei 66 Rezensionen. Die Kommentatoren loben zumeist das nette Personal und auch die Küche. Der Biergarten mitten in der Stadt findet auch einige Freunde. Große Kritikpunkte finden sich hier nicht.

Restaurant-Infos

Ratsschänke, Kirchstraße 4, 59399 Olfen, Tel. (02595) 98393.

Die geänderten Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch ist Ruhetag. Donnerstag und Freitag geht der Betrieb von 16 bis 0 Uhr. Samstag und Sonntag macht die Ratsschänke von 11 bis 14 und ab 17 Uhr auf. Bei Bundesligaspielen von Schwarzgelb oder Blauweiß ab 15 Uhr.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Restaurant-Check: So wars in der Ratsschänke

11.05.2019
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Schön schummrig: der Winzerkeller.© Wilco Ruhland
So ist es in der Ratsschänke.© Wilco Ruhland
So ist es in der Ratsschänke.© Wilco Ruhland
Darauf ist Wirt Peter Hübscher besonders Stolz: der "Dampfmichel". Drehbare Bank und eigener Zapfhahn. Die Biermenge wird über einen eigenen Zähler abgerechnet, "wie bei einer Tankstelle", sagt er.© Wilco Ruhland
So ist es in der Ratsschänke.© Wilco Ruhland
Auch für Fußballfans ein Anlaufpunkt: die Gaststätte gegenüber des Rathauses.© Wilco Ruhland
So ist es in der Ratsschänke.© Wilco Ruhland
Krankheitsbedingt hat die Ratsschänke neue, reduzierte Öffnungszeiten.© Wilco Ruhland
Im SOmemr lässt es sich gut draußen sitzen.© Wilco Ruhland
Schick und nigelnagelneu: die Toiletten.© Wilco Ruhland

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freuden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.
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