Reise storniert, Geld weg? Rückzahlungen lassen auf sich warten

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Für viele Olfener ist der lang ersehnte Urlaub aufgrund der Corona-Situation flach gefallen. Die Reiseveranstalter müssen das Geld für stornierte Reise zurückzahlen - lassen sich damit aber Zeit.

Olfen

, 16.08.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fast alle Reisen ins Ausland wurden aufgrund der Corona Pandemie storniert, entweder von der Fluggesellschaft, oder von den Reiseanbietern, weil die Flugzeuge während der Corona-Hochphase nicht starten durften. Auch viele Kreuzfahrten fielen buchstäblich ins Wasser. Die Reiseanbieter sind in der Pflicht, das Geld zurückzuzahlen - doch bis das Geld fließt, kann es eine ganze Weile dauern.

Diese Erfahrung mussten auch einige Olfener machen. Das Reisebüro Böhm ist bis heute hauptsächlich damit beschäftigt, Stornierungen abzuwickeln. Nur selten werden neue Reisen gebucht. Zu groß sei die Unsicherheit.

90 Tage Wartezeit aufgrund von überlasteten Mitarbeitern

Doch zurück zu denjenigen, deren Reise storniert werde. „Bei uns fragen Kunden an, was zu tun sei, aber meistens kann man nur abwarten“, erklärt Nicole Holz, Mitarbeiterin im Reisebüro Böhm. Die Reiseveranstalter hätten viel zu tun, daher würde es häufig bis zu 90 Tage dauern. Vor allem Kreuzfahrt-Anbieter ließen auf sich warten.

„Auf E-Mails wird auch nicht geantwortet, die Mitarbeiter dort sind einfach überlastet“, meint Holz. Klagen würden häufig nichts bringen, außerdem sei es teuer. „Die Oster-Reisen wurden in den meisten Fällen inzwischen zurückgezahlt, doch es warten noch immer Kunden auf ihr Geld“, sagt Holz. Um die Rückforderung des Geldes zu beantragen, gibt es ein Onlineformular auf der Seite der Verbraucherzentrale.

„Zu Recht verärgert“

„Die Kunden sind zu Recht verärgert und auch besorgt, denn eigentlich muss bei einer Pauschalreise die Erstattung innerhalb von 14 Tagen, bei Flügen innerhalb von 7 Tagen nach Stornierung erfolgen“, erklärt Susanne Terwey von der Verbraucherzentrale Dülmen, die auch für Olfen zuständig ist. Häufig wird die Frist aber deutlich überschritten, nicht immer ist das Geld nach 14 Tagen da.

„Wir empfehlen, erst einmal Kontakt mit dem Reiseveranstalter aufzunehmen“, sagt Terwey. Denn auch die Anbieter müssen das Geld erst einmal von den Hotels und Fluggesellschaften zurückbekommen, meint Terwey. Das kann manchmal etwas dauern, nicht immer könne der Anbieter sofort zahlen. Man solle dann erneut eine Frist von 14 Tagen setzen, in der der Anbieter das Geld zurückzahlen kann. Passiert immer noch nichts, gibt es mehrere Möglichkeiten.

Mahnverfahren einleiten

„Man kann ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten, indem man einen Mahnbescheid beantragt. Dieser kostet nur etwa 30 Euro, ist damit also deutlich günstiger als ein Anwalt“, erklärt Terwey. Den müsse man ausfüllen, dann wird er zum Reiseanbieter geschickt. Voraussetzung ist aber, dass vorher eine schriftliche Mahnung abgeschickt wurde. Darin werden der Reiseanbieter oder die Fluggesellschaft, noch einmal offiziell aufgefordert, das Geld zu zahlen.

Das sei der einfachste rechtliche Weg. Doch es gibt die Möglichkeit, dass die Veranstalter und Fluggesellschaften Einspruch einlegen. „Einige Fluggesellschaften und Anbieter haben damit angefangen, sofort Einspruch gegen diese Mahnverfahren einzulegen, um Zeit zu gewinnen, denn dann muss man klagen, das wird dann wieder teuer“, meint Terwey.

Reisegutscheine - Muss ich sie annehmen?

Viele Fluggesellschaften und Reiseveranstalter bieten Gutscheine an, mit denen die Kunden den Urlaub zu einem anderen Zeitpunkt nachholen können. „Die Reiseanbieter müssen darauf hinweisen, dass der Gutschein eine Wahlleistung ist. Man kann sich also entscheiden, ob man den Gutschein nimmt oder das Geld zurück haben möchte“, erklärt Terwey.

Man muss ihn also nicht annehmen. „Der Gutschein sollten dann mindestens bis zum 31.12.2021 gültig sein, kann man ihn bis dahin nicht einlösen, dann bekommt man das Geld danach trotzdem zurück“, so Terwey. Den Gutschein nähmen laut Nicole Holz jedoch die Wenigsten in Anspruch: „Viele wissen noch nicht, wann sie im kommenden Jahr verreisen wollen. Sie nehmen lieber das Geld - zum Teil auch, weil es in Zeiten der Kurzarbeit knapp wurde.“

Ist es eine gute Idee, jetzt zu Reisen?

Trotz der Pandemie sagt Nicole Holz vom Reisebüro Böhm, dass es in Europa relativ ungefährlich sei zu Reisen. „Die Flugzeuge sind sicher, in vielen Ländern in Europa gibt es genug Regeln. Dadurch, dass die Hotels nur eine Auslastung von etwa 60 Prozent haben, ist es dort mitunter sicherer als in Deutschland, wo alles überfüllt ist“, meint sie. „In den Sommerferien waren die Zustände an der Nord- und Ostsee entsetzlich. Die Strände waren proppevoll, sodass es dort sogar ein Ampelsystem gab.“

Ihr Tipp: Spanien, insbesondere die Kanaren. Denn dort sei es aktuell richtig ruhig und das Corona-Risiko gering. Zudem würden die Reisen nun etwas günstiger: Die Veranstalter versuchen, die Kunden mit niedrigen Preisen in die leeren Hotels zu locken. „Wer sicher gehen möchte, ob die Reise tatsächlich stattfinden kann, sollte aber Last-Minute buchen. Mit der Herbstferienplanung kann man in einem Monat anfangen“, rät Böhm.

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