Schlechte Maisernte: Droht jetzt ein Preisanstieg für Fleisch und Milch?

rnSchwierige Ernte

Die Brotpreise bleiben stabil, Milch und Fleisch werden teurer: Wer das sagt, ist ein Hellseher oder hat genau beobachtet, wie die Ernte in diesem Jahr abläuft. Wir machen den Faktencheck.

Olfen

, 18.08.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bernhard Brüse aus Olfen kennt die Landwirtschaft durch und durch. Und er hält sich gerne an die Fakten. „Man kann nicht alles schlecht reden“, sagt er. Deshalb spricht er auch von einer insgesamt guten Getreideernte. Kein Zwischenstand, ein Fazit für dieses Jahr. Denn vor einer Woche haben Brüse und seine Mitarbeiter das letzte Getreidefeld abgeerntet. Ein „Kinderspiel“. „Gut“ seien die Erntebedingungen in diesem Jahr gewesen, sagt Brüse.

Für die landwirtschaftlichen Lohnunternehmen - aber auch für die Landwirte. „Sie hatten keine Trocknungskosten“, sagt Brüse. Mehr noch: „Das Stroh musste nicht gewendet werden.“ Die Trockenheit hat also auch ihre Vorteile. Und für das Getreide nur wenige Nachteile. „Gering“ seien die Einbußen gewesen, die Qualität hingegen gut. Das freut die Landwirte - und auch die Bäcker. Vielleicht auch die Menschen, die frisches Brot oder frische Brötchen kaufen.

Schlechte Maisernte: Droht jetzt ein Preisanstieg für Fleisch und Milch?

Die Getreideernte ist für dieses Jahr abgeschlossen. Die Fachleute sprechen von einer guten Ernte. © dpa

Maisernte hat viel früher als eigentlich üblich begonnen

Alles in Butter also? „Auf gar keinen Fall.“ So gut das Getreide, so problematisch ist es die Situation beim Mais. Das zweite Jahr in Folge. Zwangsweise hätten die ersten Landwirte ihre Maisfelder bereits ernten lassen - einige Wochen früher als üblich. „Sie ernten höchsten 20 Prozent von dem erwarteten Ertrag“, sagt Bernhard Brüse. Bei annähernd gleich hohen Erntekosten. Ein Fall für einen Experten von der Landwirtschaftskammer.

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Bastian Lenert von der Kreisstelle Coesfeld, muss genau ins Detail gehen, um die besondere Problematik von Mais zu erklären. „Mais hat zwei Blüten, eine männliche und eine weibliche Blüte.“ Die männlichen Blüten entwickeln sich zuerst und bilden Pollen aus. Wenn es danach trocken bleibt, kann sich die weibliche Blüte nicht bilden. Und damit kommt es auch nicht zu der notwendigen Befruchtung. Mit fatalen Folgen für den Landwirt.

Maispflanzen ohne Kolben fehlt eindeutig die Energie

Wer ein wenig aufmerksam durch die Bauerschaften fährt, entdeckt viele Maispflanzen ohne Kolben. Bastian Lenert spricht in diesem Fall von einem Bestand „ohne Qualität“. Bernhard Brüse sagt, dass die Pflanze ohne Kolben viel weniger Energie hat. Damit nicht genug. Nicht nur die Qualität ist deutlich schlechter, auch die Gesamtmenge ist deutlich geringer.

In normalen Jahren würden 45 bis 50 Tonnen Silomais pro Hektar geerntet, diesem Jahren nur 15 bis 18 Tonnen, berichtet Brüse von den Erfahrungen der ersten Maisernten 2019. Einig ist er sich mit Bastian Lenert, dass die betroffenen Landwirte dann ein echtes Problem haben. „Die Erntekosten bleiben gleich.“ Zudem müssten dann in vielen Fällen noch Futter dazu kaufen. Die Kosten für Rinder und Schweine steigen für die Landwirte - vielleicht auch für die Kunden.

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