Dieter Hogenkamp hatte zum 1. August die Kirchengemeinde Olfen verlassen - wortlos. Bis ein Nachfolger gefunden sei, könne es dauern, hatte das Bistum gesagt. Jetzt ging alles ganz schnell.

Olfen

, 11.09.2019, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ulrich Franke heißt der Neue: 61 Jahre alt, gebürtig aus Münster und in den zurückliegenden 25 Jahren tätig in Dorsten. Dass er seine bisherige Wirkungsstätte St. Agatha Dorsten nach einer so langen Zeit verlässt, geschieht auf seinen eigenen Wunsch hin - aber nicht aus Ärger oder Verdruss. Ganz im Gegenteil.

Er wolle „noch einmal neu durchstarten“, sagt Franke am Telefon: ein Neuanfang, der ihn zurück an seine Wurzeln als Seelsorger führe. Der unmittelbare Kontakt zu den Gemeindemitgliedern und ihren Sorgen und Fragen sei ihm wichtig. Den habe er in Dorsten zwar auch gehabt. Aber andere Aufgaben hätten sich immer wieder in den Vordergrund gedrängt: ein strukturelles Problem.

Franke hat vor zehn Jahren vier Gemeinden zusammengeführt

„Wir hatten hier vor zehn Jahren eine Fusion.“ Aus vier Gemeinden wurde eine mit ihm an der Spitze. Das war ein anstrengender, bisweilen schmerzhafter Prozess sagt er mit Blick auf eine Kirchenschließung. Zu Ende sei er längst noch nicht.

Schneller als gedacht: Katholische Kirchengemeinde Olfen bekommt einen neuen Pfarrer

Die katholische Kirche St. Vitus in Olfen ist ab dem 15. Dezember Ulrich Frankes neuer Arbeitsplatz. © Foto Thomas Aschwer

Der Zusammenschluss kleiner Gemeinden zu Großgemeinden bringe es mit sich, dass Pfarrer immer mehr Managementqualitäten zeigen müssten: organisieren, verwalten, vermitteln. Eine Kirche musste er auch schließen.

In Olfen gab es auch eine Gemeindefusion: 2006 schlossen sich Olfen und Vinnum zusammen. Das Ergebnis ist verglichen mit Dorsten aber immer noch eine kleine Gemeinde: genau das, was Franke gesucht hat.

Der Vorschlag der Bistumsleitung kam in den Sommerferien

Kurz vor Ostern hatte er dem Personalchef des Bistums seinen Wunsch mitgeteilt, als Pfarrer in eine kleinere Pfarrei zu wechseln. „In den Sommerferien schlug er mir im Namen des Bischofs vor, nach St. Vitus in Olfen zu gehen.“ Franke und die Bistumsleitung glauben, dass alle etwas davon haben: die Gemeinde in Olfen, die in Olfen und Franke selbst.

„Unser Bischof bittet uns in die Jahre gekommenen Pfarrer wegen des Priestermangels, möglichst lange Pfarrer zu sein - auch bis 70 Jahre oder länger“, sagt Franke. Er will das gerne tun - aber nicht in Dorsten. „Ich bin mir sicher, dass es nicht gut für die Pfarrei ist, wenn ich noch eine so lange Zeit bleibe, auch wenn - so Gott will - die Gesundheit stabil bleibt.“

Die Pfarrei brauche neue Impulse: vor allem geistlich, aber auch organisatorisch. Nach 25 Jahren habe er zwar immer noch Ideen, aber „ich weiß auch, dass man in so vielen Jahren an einem Ort in jedem Fall partiell betriebsblind wird.“

Olfen hat zwei Wechsel in knapp vier Jahren gehabt

Olfen dagegen hat in kurzer Zeit einige Wechsel gehabt: Dieter Hogenkamp war gerade einmal 22 Monate im Amt, bis er ohne Erklärung und ohne Abschiedsfeier ging. Sein Vorgänger Bernhard Lütkemöller war aber auch nur sechs Monate länger da, bis er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt schied. Die Beständigkeit eines Pfarrer Franke ist willkommen.

Dass es gut gehen kann mit ihm und der Gemeinde, hat Franke bereits am Montag erfahren: beim Gespräch mit den beiden Gemeindegremien Pfarreirat und Kirchenvorstand: ein nichtöffentliches Gespräch, das er als „sehr offen und interessiert“ empfunden habe, sagt der Pfarrer.

Auch Olfen selbst gefällt ihm: „die Kirche, der Ortskern und auch Vinnum, da war ich auch schon.“ Franke freut sich über die „landschaftlich schöne Umgebung und die gewachsenen Strukturen aber auch über die Neubaugebiete“: das Spiegelbild einer lebendigen Gemeinschaft mit neuen Aufbrüchen.

Franke will in der Gemeinde Brücken bauen

Der 61-jährige Franke freut sich auf die Arbeit mit den Gläubigen - aber nicht nur mit ihnen. Ob mit protestantischen Christen, mit Muslimen oder Nicht-Gläubigen: Er will Beziehungen zwischen Menschen pflegen und aufbauen.

Alte Freundschaften und Beziehungen lässt er indes zurück in Dorsten. „Aber das ist ja nicht aus der Welt“, sagt er. Am 24. November (Sonntag) wird Pfarrer Franke sich während einer Messe aus Dorsten verabschieden. Am 15. Dezember wird er in Olfen seine Arbeit aufnehmen.

Damit schließt sich die Lücke im Olfener Seelsorgeteam schneller als erwartet. Die Pressestelle des Bistums hatte noch vor wenigen Wochen auf einen möglicherweise längeren Prozess der Suche hingewiesen: eine Zeit, in der die Gemeinde aber nicht ohne Leitung gewesen wäre.

Pater Rajakumar Mathias hat die Leitung noch bis zum 15. Dezember

Pater Rajakumar Mathias (40) hatte die Kirchengemeinde Olfen nach dem überraschenden Weggang von Pfarrer Hogenkamp verantwortlich übernommen. Der 40-jährige Inder war 2011 nach Deutschland gekommen. Im Februar 2016 hatte er seine Arbeit in Olfen aufgenommen. Als die Gemeinde nach Pfarrer Hogenkamps plötzlichem Weggang erfuhr, dass Pater Rajakumar übergangsweise das Leitungsamt innehabe, applaudierten die Menschen in der Kirche.

Pater Rajakumar und seine drei Kollegen im Seelsorgeteam Olfen, Diakon Stephan Börger, Pastoralreferent Martin Reter und der emeritierte Diakon Karl Herbst, haben ihren neuen Chef bereits kennengelernt. Ihr alter Chef, Dieter Hogenkamp, hat dagegen am 15. September seinen ersten Arbeitstag als Pastor ohne Leitungsfunktion in seiner Heimatstadt Bocholt.

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