Sendermann vor Wiederwahl: „Stabile Strukturen sind nicht gottgegeben“

rnBürgermeister im Portrait

Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn Wilhelm Sendermann am 13. September nicht erneut zum Bürgermeister gewählt wird. Der Amtsinhaber und einzige Kandidat gibt sich selbstbewusst.

Olfen

, 26.07.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zugegeben, die Wahlbeteiligung am 14. September 2015 war nicht gerade hoch: Lediglich 41,7 Prozent der Stimmberechtigten gaben in Olfen ein Votum für den Bürgermeister ab. Wobei man nicht vergessen darf, dass diese Wahl mehr als ein Jahr nach der eigentlichen Kommunalwahl stattfand. Einziger Kandidat damals: Wilhelm Sendermann von der CDU. Das Ergebnis war eindeutig: 87,4 Prozent stimmten für den heute 54-Jährigen, der gerne Bürgermeister bleiben möchte.

Erneut tritt Wilhelm Sendermann als einziger Kandidat für das Amt an. Seine Bilanz in der ersten Legislaturperiode kann sich sehen lassen: Die Stadt ist weiterhin schuldenfrei, das Radwegenetz wird ausgebaut, die Stadthalle wird saniert, ein neues Gewerbegebiet ist zu einem großen Teil vermarktet. Es läuft in Olfen.

Schuldenfreiheit als Wahlkampfstrategie

Dem würde Sendermann erst einmal nicht widersprechen. „Wir haben 13.000 Einwohner, die Nachbarstädte um uns herum zwischen 27.000 und 36.000 - aber wir fühlen uns nicht als Underdog.“ Da er seit 37 Jahren im kommunalen Dienst ist, kennt er auch den Weg, den Olfen bis hierhin zurückgelegt hat: „Als wir Mitte der 1990er-Jahre die Gesamtschule gebaut haben, waren wir die am höchsten verschuldete Gemeinde im Kreis Coesfeld.“

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Mittlerweile gilt Olfen als Paradebeispiel für solide Haushaltspolitik, kann sich entsprechend auch mal was leisten. Aber: „Ich werde bis 2025 alles dafür tun, damit Olfen schuldenfrei bleibt“, sagt Sendermann. Mit dieser Strategie könne er eben auch Wähler erreichen, die sagen: „Eigentlich finde ich die CDU ja nicht so gut, aber da läuft das schon ganz ok.“

Solche Wähler könnte es viele in Olfen geben, glaubt der Bürgermeister. „Die Leute, die hierhin ziehen, kommen vor allem aus dem Ruhrgebiet. Da ist es nicht selbstverständlich, dass die CDU stärkste Kraft ist.“ Trotzdem: Bei der letzten Kommunalwahl brachten es die Christdemokraten auf 64,7 Prozent. Dennoch übe die Partei aufgrund dieser Position keinen erhöhten Druck auf die Arbeit „ihres“ Bürgermeisters aus: „Viele Entscheidungen sind völlig einstimmig. Olfen ist eben eine sehr dynamische Stadt.“

Entwicklung drosseln, um kleinstädtisch zu bleiben

Das führt natürlich zwangsläufig zu Problemen: Die Menschen, die hier wohnen, müssen schließlich auch hier ihr Geld verdienen und ausgeben können. Zumindest ersteres ist die Kommune bereits angegangen: „60 bis 70 Prozent unseres neuen Gewerbegebietes sind bereits vermarktet.“ Die Firma Kordel aus Coesfeld wird hierher ziehen, die ThyssenKrupp Schacht AG will sich erweitern, Mercedes konzentriert sich statt Datteln und Lüdinghausen künftig auf Olfen: „Die drei allein bringen schon mehr als 300 Arbeitsplätze.“ Insgesamt sei das Gebiet sicher für „bis zu 500 neue Arbeitsplätze“ gut.

Die Kehrseite der Medaille: „Wir bemerken schon einen deutlichen Anstieg der Grundstückspreise.“ Wo die Stadt laut Sendermann 170 Euro pro Quadratmeter nimmt, verlangen private Verkäufe gerne mal 300 Euro. „Das ist erstmal ein Kompliment, dass so viele fragen, aber es ist auch eine Aufgabe“, so der Bürgermeister. Deshalb würden 70 Prozent der Grundstücke erstmal an Olfener verkauft. „Dann kann es aber auch sein, dass wir nicht jeden von außen nehmen.“

Sendermanns Wunsch: „Die Entwicklung von Olfen zu drosseln, damit wir das alles kleinstädtisch halten können.“

Suche nach gastronomischen Angebot

Das käme auch der Innenstadt entgegen, wo es derzeit etwas hakt - vor allem bei der gewünschten Gastronomie am Marktplatz. „Ich bleibe optimistisch, dass wir das hinbekommen“, sagt Sendermann, räumt aber auch ein, dass es gerade in Corona-Zeiten schwierig ist, einen Betreiber zu finden. Dennoch muss die Belebung der Innenstadt das Ziel sein: „Wir müssen die Leute im Zentrum bündeln.“ Das Ziel sei es nicht, irgendeinem Gastronomen weh zu tun, sondern die Leute zu aktivieren. „Man muss mal vor die Tür gehen, damit man auch was von dem Ort sieht. Und es hat ja auch was mit dem Gemeinwesen zu tun.“

Und nicht zuletzt versammeln sich auf dem Marktplatz nicht nur Einheimische, sondern auch Touristen. Und zwar immer mehr: „Tourismus spielt eine große Rolle, wir investieren gerade 2,5 Millionen Euro in unser Naturpark-Haus.“ Dabei handelt es sich um einen 350 Quadratmeter großen Anlaufpunkt für Umweltbildung. „Außerdem arbeiten wir daran, dass wir ein kleines Hotel im Olfener Westen errichten.“

Hinzu kommt der Ausbau des Radwegenetzes. „Wenn man schon mit dem Auto zur Arbeit ins Ruhrgebiet fährt, sollen wenigsten die anderen Wege mit dem Rad zurückgelegt werden können.“ Und wenn Olfen schon keinen Bahnhof hat, verweist der Bürgermeister auf die Schnellbusverbindung nach Münster, die ab August im Halbstundentakt verkehren soll.

Welche Leitung gehört zu wem?

Also alles in Butter in Olfen? Nicht ganz, wie Wilhelm Sendermann sagt. Beim digitalen Ausbau könnte es besser laufen - wobei das nicht zwingend ein hausgemachtes Problem ist: „Wenn ich einen Wunsch hätte, dann den, dass es eine staatlich organisierte Grundstruktur gibt, auf der man aufbauen kann.“ Es könne nicht sein, dass da zwei Leitungen in der Straße liegen, „und man nicht mehr weiß, wem die gehören“.

Unterm Strich so geht Wilhelm Sendermann sehr zuversichtlich in die Wahl. „Der Bürger weiß, was er kriegt: Wir werden schuldenfrei sein, wir werden für die Bildung viel tun, und wir werden gucken, dass wir von der Innenstadtnutzung nicht platt gemacht werden.“

Ihre Fragen an den Bürgermeisterkandidaten

Am kommenden Mittwoch (29. Juli) treffen wir Olfens einzigen Bürgermeisterkandidaten Wilhelm Sendermann zum Videogespräch. Wenn Sie Fragen an den amtierenden Bürgermeister haben, schicken Sie sie uns gerne per E-Mail zu. Wir werden Sie dann Wilhelm Sendermann im Gespräch stellen.
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