Mit seinem Moparshop ist Oliver Zinn (49) schon längst auch außerhalb Deutschlands bekannt. Sogar mehrere Anfragen von verschiedenen Fernsehsendern bekam er bereits - abgelehnt hat er alle.

Olfen

, 09.10.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Oliver Zinn (49) hat seine Leidenschaft für amerikanische Wagen zum Beruf gemacht. Die Geschichte hinter seinem Unternehmen ist dabei mindestens genauso spektakulär wie die Wagen, die der Dattelner repariert und verkauft.

Bei Klimadebatten geraten Dieselfahrzeuge und ältere Autos aktuell immer häufiger in die Kritik. Doch gleichzeitig gibt es auch viele, die ein Faible für spektakuläre Wagen aus vergangenen Zeiten haben. In seinem Moparshop bietet Oliver Zinn Gleichgesinnten alles, was das Schrauber-Herz begehrt, und erklärt, warum er sich dennoch „maximal ökologisch“ verhält.

Alles fing mit einem Ford LTD aus den späten 70er-Jahren an, erinnert sich Oliver Zinn. Den hatte sich ein Freund von ihm gekauft. „Der war gefühlt sechs Meter lang“, erzählt er. Im Vergleich zu den üblichen Wagen auf der Straße, habe der „wie von einem anderen Stern“ ausgesehen.

Was bedeutet eigentlich „Mopar“?

Seine Leidenschaft für amerikanische Wagen war entfacht. Das war 1990. Fast dreißig Jahre später hat sich an Oliver Zinns Liebe zu den Fahrzeugen aus Nordamerika nichts geändert - auf seinem Unterarm hat er sich sogar „Mopar“ tätowieren lassen.

„Mopar“ bezeichnet dabei den Verbund dreier Automarken, die zueinander gehören: Dodge, Plymouth und Chrysler. Ursprünglich wurde nur eine Abteilung der Chrysler Corporation so abgekürzt, da die sich um die Motorteile, im Englischen „Motor Parts“, kümmerte.

Video
Laute Motoren und besondere Autos: So sieht es im Olfener Moparshop aus

Irgendwann sei dann umgangssprachlich gesagt worden, „du hast keinen Dodge, Plymouth oder Chrysler, du hast einen Mopar“, erzählt Zinn. Und so entstand dann auch der Name seines Unternehmens. Der ungewöhnliche Name passt zur ungewöhnlichen Geschichte des Moparshops.

In der Waschküche wurden die Pakete gepackt

„Angefangen habe ich im Hobbykeller meiner Eltern“, erzählt er. 1994 habe er sich dort eine Art Schaltzentrale für den Handel mit Fahrzeugteilen eingerichtet. Die Idee, einen solchen Laden zu eröffnen, sei „aus der Not“ entstanden. „Entweder es gab keine Teile oder keinen, der sich damit auskannte“, so Zinn. „Oder sie waren monströs teuer.“

Daher habe er angefangen, die Teile selbst aus den USA zu bestellen. Und um Frachtkosten zu sparen, habe er auch seine Freunde gefragt, ob sie ebenfalls etwas brauchen. „In der Waschküche wurden dann die Pakete gepackt.“ Jeden Tag habe er sie selbst zur Post gebracht. Und nebenbei habe er dann auch noch gemerkt, „dass ich schrauben kann“.

Vier Lagerhallen und eine externe Werkstatt

Doch der Platz wurde schnell zu klein. Zum Schluss habe es „parallel zum Hobbykeller eine externe Werkstatt und vier andere Lagerhallen“ gegeben. Irgendwann reichte aber auch das nicht mehr. Dann habe er „mehrere Monate wie ein Geisteskranker gesucht“, erinnert er sich.

Der 49-Jährige sei sogar einfach nur durch die Gegend gefahren, um eine geeignete Halle zu finden - und an der Otto-Hahn-Straße 10 wurde er dann endlich fündig. Dort hat er seitdem rund 1000 Quadratmeter Platz.

Auf drei Standbeine verteilt sich das Tagesgeschäft des Moparshops: der Verkauf von neuen und alten Teilen, der Verkauf von Autos sowie der Werkstattbetrieb. Dazu kommen dann noch einige Veranstaltungen im Jahr.

23 Mitarbeiter sind zurzeit im Moparshop beschäftigt

Die erste Veranstaltung fand kurz nach dem Einzug in die Halle im Herbst 2006 statt. Doch beim Tag der offenen Tür „lagen zehn Zentimeter Schnee und 20 Besucher kamen“. Daher probierte Oliver Zinn es im Frühjahr einfach noch mal.

Season Closer 2019

  • In diesem Jahr findet der Season Closer des Moparshops am Samstag, 12. Oktober, statt. Beginn ist um 14 Uhr.
  • Während er sonst nicht frei zugänglich ist, erhalten Interessierte am Samstag die Chance, auch den Showroom an der Schlosserstraße 10 zu betreten. Zwischen Showroom und Moparshop wird es einen Shuttle-Service geben.
  • Der Teileverkauf läuft bis 19 Uhr. Die Veranstaltung selbst endet aber erst um 2 Uhr.

Seitdem gibt es jährlich einen sogenannten „Season Opener“ im Frühling und einen „Season Closer“ im Herbst. „Zweimal im Jahr wird dann die Halle aufgeräumt“, sagt der Mopar-Fan. Ab und an müsse das ja auch mal gemacht werden, fügt er lachend hinzu.

Bei den Aufräumarbeiten kann er auch auf ausreichend Hilfe zurückgreifen. Denn momentan arbeiten 23 Mitarbeiter im Moparshop - „wobei wir immer neue Leute suchen“, sagt er augenzwinkernd.

Viele Kunden in Österreich sorgen für zusätzliche Arbeit

Ein Großteil seiner Kundschaft kommt derweil aus Deutschland, verrät der 49-Jährige. Doch einige würden auch aus der Schweiz, Schweden, Polen und Österreich kommen. Vor allem in letztgenanntem Land habe er viele Kunden, was einen deutlichen Mehraufwand zur Folge hat.

Spektakuläre Wagen beim Moparshop: Vom Hobbykeller zum Traum für US-Auto-Liebhaber

Den Moparshop gibt es bereits seit 1994. Aber erst vor 13 Jahren kam Oliver Zinn mit seinem Unternehmen nach Olfen. © Pascal Albert

„Wir haben so viele Kunden aus Österreich, dass wir 20 Prozent Mehrwertsteuer zahlen müssen“, erzählt er. Denn wenn eine gewisse Lieferschwelle in ein anderes Land überschritten wird, muss der Steuersatz des jeweiligen Landes bezahlt werden.

„Da brauchst du einen extra Steuerberater und einen extra Lieferschein.“ Zudem musste der Onlineshop so bearbeitet werden, dass er für Bestellungen aus Österreich alle Preise dem höheren Steuersatz anpasst.

Der erste Ölwechsel dauerte viel zu lange

Doch der Handel mit Teilen ist eben nur ein Standbein des Moparshops. Neben dem Teilelager wird ein Großteil der 1000 Quadratmeter großen Halle als Werkstatt genutzt - und die Reparaturen sind „maximal ökologisch“, erklärt Oliver Zinn.

Spektakuläre Wagen beim Moparshop: Vom Hobbykeller zum Traum für US-Auto-Liebhaber

Ungefähr 1000 Quadratmeter ist die Halle des Moparshops an der Otto-Hahn-Straße 10 groß. Reichlich Platz für viele verschiedene Ersatzteile. © Pascal Albert

Das liege vor allem daran, dass nichts weggeschmissen werde. „Es muss viel Energie aufgebracht werden, um etwas neu zu bauen.“ Daher sei es oft viel sinnvoller, alte Teile zu reparieren statt sie einfach durch neue zu ersetzen. Immer nur Neues zu kaufen, „ist Quatsch“, sagt der gebürtige Dattelner.

Am Anfang hat aber auch bei Oliver Zinn noch nicht jeder Handgriff am Auto perfekt gepasst. „Für meinen ersten Ölwechsel habe ich über vier Stunden gebraucht“, erinnert er sich. „Dabei waren es nur drei Schrauben“, sagt er mit einem Lachen. Der Wagen damals: ein VW T2, besser bekannt als VW Bulli.

Die Wagen bekommen durch längere Probefahrten den letzten Schliff

Auf sein erstes Auto folgten aber noch viele weitere. Früher sei er im Alltag günstige Wagen gefahren. Für Veranstaltungen wurde dann sein eigentliches Fahrzeug mit einem Kennzeichen für wenige Tage versehen.

Spektakuläre Wagen beim Moparshop: Vom Hobbykeller zum Traum für US-Auto-Liebhaber

Für Oliver Zinn sind US-amerikanische Wagen besonders toll, weil der Motor "blubbert und ordentlich Drehmoment" hat. © Pascal Albert

Heute „fahre ich, so lange es trocken ist, irgendwelche alten Karren“, so Zinn. „Das macht echt Spaß.“ Teilweise fahre er auch die Autos, die verkauft werden sollen. So würden sie „den letzten Schliff“ bekommen.

„Es soll ja immer schnell, schnell, schnell gehen, aber wenn ich nicht in Ruhe 200 Kilometer gefahren bin, gibt es oft später Probleme“, erklärt er. „Und dann ist ein Kunde 500 Kilometer weit weg und hat ein Problem.“ Daher wolle er immer jedes Auto vor dem Verkauf testen.

Oliver Zinns Lieblingsautos sind älter als er selbst

Doch er habe natürlich auch noch „seine eigenen Spielzeuge“, die er gerne fährt. Seine Favoriten: zwei Plymouths aus den Jahren 1962 und 1963. „Heute kann sich das keiner vorstellen, aber der 62er sieht ganz anders aus als der 63er“, erzählt der Mopar-Fan.

Spektakuläre Wagen beim Moparshop: Vom Hobbykeller zum Traum für US-Auto-Liebhaber

In Oliver Zinns Werkstatt dreht sich alles um die drei amerikanischen Automarken Dodge, Plymouth und Chrysler. © Pascal Albert

Optisch würden die beiden Wagen allerdings heute nicht mehr so vielen gefallen. Für Oliver Zinn hat das aber nur Vorteile. Denn „das macht die Autos für mich günstiger“. Einen alten amerikanischen Wagen zu kaufen, zu restaurieren und dann gewinnbringend zu verkaufen, sei allerdings nicht so einfach wie es oft im Fernsehen dargestellt wird.

„Die wollen nur unrealistische Dinge sehen“

„Auf gar keinen Fall kann man eine Vollrestaurierung machen und dann mit Gewinn verkaufen“, erklärt der 49-Jährige. Dabei suggerieren manche Fernsehsendungen genau das. Ein ähnliches Konzept verfolgte auch die amerikanische MTV-Serie „Pimp My Ride“, in der es um das Tuning von oft schrottreifen Wagen ging.

In Deutschland gab es nach dem Erfolg in den USA ebenfalls Überlegungen, ein ähnliches Format einzuführen. Auch Oliver Zinn bekam viele Anfragen von Fernsehsendern. „Aber die habe ich alle abgelehnt“, sagt er. Denn „die wollen alle nur unrealistische Dinge sehen“.

Lesen Sie jetzt