Stand der Dinge: Alles zur Kanalbaustelle in Vinnum

Fragen und Antworten

Technische Probleme, ein Schaden oder einfach nur Zufall – wie kann es sein, dass kurz nach Eröffnung des zweiten Kanaltroges über die Lippe der erste Trog leer ist? Wir waren deshalb vor Ort. Wie sieht es auf der Großbaustelle aus? Viele Fragen und Antworten.

VINNUM

, 19.08.2016, 04:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stand der Dinge: Alles zur Kanalbaustelle in Vinnum

Seit zehn Jahren ist die erste Rinne in Betrieb, jetzt stehen Revisionsarbeiten an.

Kommt für das Wasserstraße-Neubauamt in Datteln die Leerung des Troges überraschend? „Nein“, sagt Diplom-Ingenieur Jörg Mähder. Das war so geplant und ist notwendig.

Warum ist das Wasser abgelassen worden? „Der Trog ist im Herbst 2006 für die Schifffahrt freigegeben worden und seitdem unentwegt in Betrieb“, erklärt Mähder. Das sei ungewöhnlich lange. Eigentlich sei alle sechs Jahre eine umfassende Inspektion eines derartigen Bauwerkes vorgenommen.

Dann ist die Aktion überfällig. Warum haben die Verantwortlichen so lange gewartet? Die Entscheidung sei mit Rücksicht auf die Schifffahrt so getroffen worden, sagt der Fachmann. Hätte man sich an den normalen Zeitplan gehalten, wäre diese Stelle für mindestens vier Wochen komplett gesperrt gewesen.

Was passiert eigentlich bei der Inspektion eines XXL-Bauwerkes? Zunächst einmal muss die komplette technische Anlage überprüft werden. Besonderheiten einer so großen Kanalbrücke sind die Dichtungsübergänge und der Korrosionsschutz. Wie Jörg Mähder berichtet, wird das beim Vinnumer Trog jetzt besonders gründlich gemacht. Zudem werde die Inspektion für einige Restarbeiten an genutzt. Probleme und Schäden sind bislang bei der Inspektion nicht aufgetreten. „Es sieht erfreulich aus“, so Mähder.

Wo bleibt das Wasser des Kanaltroges – und um welche Menge handelt es sich? Um mit dem zweiten Punkt anzufangen: Es geht um insgesamt rund 20 Millionen Liter Wasser. Und dieses Wasser wird nicht etwa mit riesigem Aufwand und verbunden mit einigen Kosten in den Kanal gepumpt. Vielmehr läuft das Wasser durch neu verlegte Rohre in ein neues, naturnahes Tosbecken. Das ist ein bremsendes Auffangbecken. Von dort fließt das Wasser in die Lippe.

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Stand der Dinge an der Lippeüberführung

Die Lippeüberführung in Vinnum ist eine spektakuläre Dauerbaustelle: Zehn Jahre nach der Freigabe stehen jetzt größere Inspektionsarbeiten an.
18.08.2016
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Höher und deutlich stabiler ist das Brückengeländer der Kanalbrücke. Die besonders gestalteten Streben sollen verhindern, dass Wind die bis zu 185 Meter langen Schubverbände aus der Spur bringt.© Foto: Thomas Aschwer
Seit Ende Juli ist der zweite Trog in Betrieb, allerdings ist der erste Trog jetzt trocken gelegt.© Foto: Thomas Aschwer
Bis der Betriebsweg komplett fertig ist, wird es noch einige Zeit dauern.© Foto: Thomas Aschwer
Die Spundwände sind weg, das Ufer der Lippe ist neu gestaltet.© Foto: Thomas Aschwer
Unterhalb der Kanalrinnen verlegen Arbeiter derzeit viele Rasengittersteine. Anschließend wird das so befestigte Ufer eingesät. Bei Hochwasser in der Lippe steht der Bereich aber unter Wasser.© Foto: Thomas Aschwer
Seit zehn Jahren ist die erste Rinne in Betrieb, jetzt stehen Revisionsarbeiten an.© Foto: Thomas Aschwer
Seit zehn Jahren ist die erste Rinne in Betrieb, jetzt stehen Revisionsarbeiten an.© Foto: Thomas Aschwer
Die absolute Idylle, kein Wunder warum der Kanal die Menschen in Scharen anzieht.© Foto: Thomas Aschwer
Blick vom gerade in Betrieb genommenen Trog - hinten rechts das Tostbecken. Hier fließt das Wasser rein, wenn ein Trog trocken gelegt werden muss.© Foto: Thomas Aschwer
Unterhalb der Kanalrinnen verlegen Arbeiter derzeit viele Rasengittersteine. Anschließend wird das so befestigte Ufer eingesät. Bei Hochwasser in der Lippe steht der Bereich aber unter Wasser.© Foto: Thomas Aschwer
Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen, der Weg noch nicht freigegeben, die Wände aber bereits beschmiert.© Foto: Thomas Aschwer
Unterhalb der Kanalrinnen verlegen Arbeiter derzeit viele Rasengittersteine. Anschließend wird das so befestigte Ufer eingesät. Bei Hochwasser in der Lippe steht der Bereich aber unter Wasser.© Foto: Thomas Aschwer
Unterhalb der Kanalrinnen verlegen Arbeiter derzeit viele Rasengittersteine. Anschließend wird das so befestigte Ufer eingesät. Bei Hochwasser in der Lippe steht der Bereich aber unter Wasser.© Foto: Thomas Aschwer
Wenn eine Rinne trocken gelegt werden muss, fließt das Wasser durch neu verlegte Rohre in dieses sogenannte Tosbecken und dann in die Lippe. In dem Becken wird die Fließgeschwindigkeit deutlich reduziert, so dass es zu keinen Ausspülungen in der Lippe kommt.© Foto: Thomas Aschwer
Etliche Spundwände müssen noch in den Boden gerammt werden und damit das Ufer sichern.© Foto: Thomas Aschwer
Alte Bauwerke aus Beton wie hier im Vordergrund werden nicht mehr benötigt und werden in den nächsten Wochen abgerissen.© Foto: Thomas Aschwer
Die zweite Rinne über die Lippe steht seit dem 26. Juli dem Schiffsverkehr zur Verfügung.© Foto: Thomas Aschwer
Wenn eine Rinne trocken gelegt werden muss, fließt das Wasser durch neu verlegte Rohre in dieses sogenannte Tosbecken und dann in die Lippe. In dem Becken wird die Fließgeschwindigkeit deutlich reduziert, so dass es zu keinen Ausspülungen in der Lippe kommt.© Foto: Thomas Aschwer
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Warum kann das Wasser nicht einfach so in die Lippe geleitet werden? Die sehr hohe Fließgeschwindigkeit hätte zur Folge, dass Uferbereiche der Lippe ausgespült werden. Und das soll ebenso wie anschließende Sanierungsmaßnahmen unbedingt verhindert werden.

Was machen die Fachleute, wenn die Arbeiten beendet sind? Das Befüllen eines Troges ist eine noch einfachere Angelegenheit. Die Fachleute lassen den Trog einfach mit Kanalwasser zulaufen. Einen konkreten Termin für den Vinnumer Trog gibt es derzeit noch nicht.

Sind mit der Inspektion eigentlich die Arbeiten an Olfens größter Baustelle abgeschlossen? Nein. Derzeit sind beispielsweise Arbeiter dabei, Rasengittersteine in den Uferbereichen der Lippe unterhalb der Tröge zu verlegen. Danach wird Erde eingefüllt und Rasen gesät. Bei Hochwasser in der Lippe werden diese Bereiche übrigens komplett überflutet. Noch nicht begonnen wurde mit dem Abbruch einer alten Entlastungsanlage.

Stehen weitere Arbeiten und Aufgaben an? Auf der Westseite des neuen Troges wird noch ein neuer Betriebsweg angelegt. Erste Vorarbeiten sind bereits erledigt. Bei diesen Betriebswegen handelt es sich übrigens um die bei Fußgängern und Radfahrern beliebten Wege entlang der Kanalseite. Jörg Mähder geht davon aus, dass der Weg auf der Westseite in der Fahrradsaison 2017 genutzt werden kann. Fertig ist der Weg sicherlich früher. Weil aber noch Abrissarbeiten stattfinden, bleibt er für die Öffentlichkeit gesperrt.

Insgesamt ist auf der Baustelle deutlich zu erkennen, dass viele Arbeiten erledigt und damit ein Ende zu erkennen ist. Wie sieht das vorläufige Fazit von Jörg Mähder aus? „Es ist keine Frage, dass es eine besondere Baustelle ist.“ Mähder erinnert sich an die Havarie vor elf Jahren, „die Zeit und Nerven gekostet hat“. In den vergangenen Jahren meldeten zwei der beauftragen Firmen Insolvenz an. Aus Sicht des Diplom-Ingenieurs war und ist es zudem eine Baustelle mit besonderer technischer Vielfalt. „Sie bietet alles, was das Bauwesen bietet.“

Gibt es auf der Baustelle eine Besonderheit, die dem Laien leicht zu erklären ist? Höher und deutlich stabiler ist das Brückengeländer der Kanalbrücke. Die besonders gestalteten Streben sollen verhindern, dass Wind die bis zu 185 Meter langen Schubverbände aus der Spur bringt. Das ist nach Aussage des Ingenieurs deshalb so wichtig, weil die Schubverbände bis zu 11,50 Meter breit sind. Der Trog ist „nur“ 26 Meter breit. So besteht die Gefahr einer Kollision. 

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