Nach Streit um Maskenpflicht: Verkäuferin fühlt sich missverstanden

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Nachdem ein Olfener seine Maske in einer Bäckerei nicht über der Nase trug, kam es angeblich zum Streit zwischen ihm und der Verkäuferin. Die hat die Situation jedoch anders wahrgenommen, als er.

Olfen

, 05.09.2020, 09:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Maskenpflicht sorgt derzeit oft für Konflikte oder Missverständnisse. So auch in der vergangenen Woche in der Bäckerei Hosselmann im Rewe in Olfen. Dort war Georg Schmidt mit seiner Frau einkaufen, zog sich die Maske aus gesundheitlichen Gründen allerdings nur über den Mund und nicht über die Nase - dafür besitzt er ein Attest. Dennoch kam es laut seiner Aussage zu „einem lautstarken Streit“ mit der Bäckereiverkäuferin. Die hat die Situation allerdings deutlich anders wahrgenommen.

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So sei Schmidt mit seiner Frau in den Laden gekommen - sie trug die Maske vollständig über Mund und Nase, er nur über dem Mund. Die Verkäuferin, die hier anonym bleiben möche, habe ihn dann darauf hingewiesen, dass er im Laden auch seine Nase bedecken muss. Daraufhin habe er jedoch nur gesagt: „Nein, muss ich nicht, ich habe ein Attest“ - dieses jedoch nicht vorgezeigt, wie er selbst gegenüber dieser Redaktion behauptet hatte. Das hätte er auch nicht gemusst, wie die Bäckereiverkäuferin erklärt. Denn eine Vorzeigepflicht für das Attest gilt nur gegenüber Polizei und Ordnungsamt, die solche Atteste jederzeit kontrollieren können.

Diskussion über gekaufte Atteste

Nachdem Schmidt sein Attest ansprach, habe die Verkäuferin dann laut eigener Aussage in den Raum geworfen, dass man solche Atteste ja auch kaufen könne, ohne dass ein Gesundheitsrisiko durch die Maske besteht. Erst daraufhin sei Schmidt verärgert gewesen und es sei zu einer kleinen Diskussion mit ihm und seiner Frau gekommen. Einen lautstarken Streit, wie Schmidt die Situation beschrieb, habe es laut der Bäckereiverkäuferin nicht gegeben. Außerdem habe sie sich entgegen Schmidts Aussage bei ihm entschuldigt, falls sie ihm zu nahe getreten sein sollte. Das könne auch ihre Kollegin bezeugen, die sich zur gleichen Zeit im hinteren Teil der Bäckerei aufgehalten habe.

„Ich wollte dem Kunden mit meiner Äußerung auf keinen Fall zu nahe treten“, so die Verkäuferin. Deshalb habe sie ihn nach seinem Hinweis auf sein Attest auch nicht erneut auf das „richtige“ Tragen der Maske hingewiesen. Generell werde sie das bei Kunden nach dieser negativen Erfahrung nicht mehr tun, wie sie erklärt: „Ich werde meine Kunden weiterhin auf Abstand bedienen, aber ich werde niemanden mehr auf das Tragen einer Maske hinweisen.“

Atteste gegen Maskenpflicht sind keine Kassenleistung

Aber ist das Betreten eines Ladenlokals ohne Maske überhaupt zulässig - auch wenn man ein Attest hat? Die Pflicht zum Tragen einer Maske resultiere aus einer Rechtsverordnung des jeweiligen Landes - deshalb könne der Arzt eigentlich keine Befreiung von dieser Pflicht aussprechen, so das Gesundheitsamt des Kreises Coesfeld auf Anfrage. „Er kann dem Patienten aber attestieren, dass das Tragen einer Maske aus medizinischen Gründen für ihn nicht zumutbar ist. Ein formloses Attest genügt. Es ist jedoch keine Kassenleistung. Darauf sollten Ärzte ihre Patienten hinweisen“, heißt es in der Antwort weiter.

Gerüchte über gekaufte oder gefälschte Atteste für „Maskenmuffel“ kursieren in den sozialen Medien in den letzten Wochen immer wieder. Dass es sich bei dem Attest von Georg Schmidt allerdings um ein solches Exemplar handelt, ist zu bezweifeln: Es trägt die Unterschrift eines Olfener Arztes.

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