Bunt bemalte Urnen füllen die Regale im Geschäft von Norbert und Ute Trogemann. Immer mehr Olfener wählen eine Feuerbestattung. © Bastian Becker
Bestattungen

Trend zur Urnenbestattung schwappt aus den Städten nach Olfen

Im klassischen Sarg werden auch in Olfen bei weitem nicht mehr alle beigesetzt. Feuerbestattungen nehmen zu. Zwei langjährige Bestatter wissen: Auch die Blumen am Grab haben sich verändert.

Wenn man den Besprechungsraum bei Bestattungen Trogemann an der Kirchstraße betritt, wird ein Trend schnell augenfällig: Mehrere Regale sind bis oben hin mit Urnen gefüllt, die sehr unterschiedlich und oft kunstvoll bemalt sind. Eine zeigt zum Beispiel in bunten Farben die Dreibogenbrücke. „Die Zahl der Feuerbestattungen nimmt immer mehr zu. In diesem Jahr werden Urnenbestattungen die Hälfte der Bestattungen ausmachen, vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei einem Viertel“, berichtet Inhaber Norbert Trogemann. Der Trend schwappe aus den städtischen Gebieten, wo die Quote noch wesentlich höher liege, nach Olfen. „Viele Neubürger ziehen aus der Großstadt hierher und kennen die Urnenbestattung“, stellt er fest.

Seebestattung als besonderes Event

Dabei biete gerade die Urnenbestattung viele verschiedene Möglichkeiten: Die Stadt Olfen habe auf dem Friedhof neue Gemeinschaftsgrabanlagen geschaffen, dazu kommen die Rasenreihengräber, Baumreihengräber und die teureren Wahlgräber. Die Stadt bietet zudem an verschiedenen Stellen pflegefreie Gräber an. Diese werden von der Stadt mit Bodendeckern bepflanzt und entsprechend in Stand gehalten.

Einige Verstorbene wollen ihre Überreste an besonderer Stelle verstreuen. So arbeitet Trogemann mit dem Ruheforst Cappenberg zusammen, wo die Urnen in Ruhe-Biotopen im Wald beigesetzt werden. In seltenen Fällen wünschen Angehörige auch eine Seebestattung. „Das machen wir zwei- bis dreimal im Jahr. Die Menschen wollen beispielsweise da beigesetzt werden, wo sie gerne Urlaub gemacht haben“, erklärt Norbert Trogemann.

Auf den Rasenreihengräbern auf dem Friedhof sind viele Urnen nebeneinander bestattet worden.
Auf den Rasenreihengräbern auf dem Friedhof sind viele Urnen nebeneinander bestattet worden. © Bastian Becker © Bastian Becker

Der Trend hin zur Urne habe sicherlich auch finanzielle Gründe. So kostet auf dem Olfener Friedhof ein Wahlgrab bei einer Erdbestattung mindestens 936 Euro, dazu kommen viele weitere Kosten rund um die Bestattung. Ein Urnenreihengrab gibt es für 426 Euro, ein Urnenwahlgrab für 653 Euro. „Wir rechnen damit, dass die Zahl der Urnenbestattungen weiter steigen wird“, prognostiziert der Bestatter.

Blumensträuße am Grab werden bunter

Norbert und Ute Trogemann verkaufen in ihrem Geschäft auch Blumen, dort haben sich in den letzten Jahren einige Dinge verändert. „Blume Nummer eins bleibt nach wie vor die rote Rose. Aber andere Pflanzen wie die Nelke, die lange eine klassische Blume bei Beerdigungen war, findet man heute auch in Brautsträußen“, weiß Ute Trogemann. Während Blumengestecke bei Bestattungen früher überwiegend weiß und rot gehalten waren, sind heute vermehrt bunte oder regionale Blumen wie etwa Sonnenblumen mit dabei. In den letzten Jahren würden bei einer Bestattung immer häufiger auch Fotos des Verstorbenen aufgestellt.

Tod wird weniger tabuisiert

Eine Entwicklung fällt Norbert Trogemann nicht nur vor dem Tag des Friedhofs am Sonntag, sondern in den Gesprächen über die Jahre hinweg auf: „Wir merken, dass in den Familien über den Tod mehr gesprochen wird als früher, das ist nicht mehr so ein Tabuthema. Schließlich sind wir alle mal dran.“ So kümmern sich mittlerweile viele frühzeitig darum, für den Todesfall alles vorzubereiten. Über Vorsorgeverträge und ein Treuhandkonto kümmern sich einige Menschen darum, ihre eigene Bestattung schon zu Lebzeiten zu bezahlen, um die Nachkommen finanziell zu entlasten.

Eines ist für Norbert und Ute Trogemann nach 21 Jahren als Bestatter klar: „Für diesen Beruf muss man wirklich berufen sein.“ Schließlich sei jeder Fall in der Beratung sehr individuell zu betrachten. Gerade Gespräche nach einem plötzlichen Tod, etwa durch einen Verkehrsunfall, seien nicht immer einfach. „Für uns ist es wichtig, dass wir Familien neutral helfen können. Das Schöne an unserem Beruf ist, wenn sich eine Familie gut beraten fühlt und wir nach der Trauerfeier in Kontakt bleiben.“

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Bastian Becker