Trotz Corona: Friseursalons weiter geöffnet - „Unsinn“, sagt eine Olfener Friseurmeisterin

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Lebensmittelgeschäfte und Drogerien haben weiterhin geöffnet. Das gilt auch für Friseursalons, obwohl sie besonders nah dran am Kunden sind. Eine Olfener Friseurmeisterin sieht das kritisch.

Olfen

, 17.03.2020, 14:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eva Stevanello von Eva‘s Lockenbude verfolgt die Nachrichten und Informationen zum Thema Coronavirus ganz genau. Als am Montag Bundeskanzlerin Angela Merkel bekannt gab, welche Einrichtungen geschlossen werden und welche ausdrücklich weiterhin geöffnet sein werden, war sie überrascht.

Friseursalons dürften auf jeden Fall geöffnet bleiben, zählte Angela Merkel auf. Eva Stevanello könnte sich nun darüber freuen, tut sie aber nicht. „Das passt für mich einfach nicht zusammen“, sagt die Inhaberin von Eva‘s Lockenbude. „Auf der einen Seite sollen die Leute nur zum Einkaufen raus, aber zum Haareschneiden dürfen sie. Das ist doch Unsinn“, sagt Eva Stevanello.

„Wir arbeiten nah dran am Kunden“

Schließlich arbeite auch sie nah dran am Kunden. Eva Stevanello und ihre Mitarbeiter setzen aktuell auf viel Desinfektionsmittel und versuchen, ihre Kunden in möglichst großem Abstand auseinanderzusetzen. Das sei kein Problem, aktuell kämen ohnehin weniger Kunden.

Aber: „Am liebsten würde ich zumachen, um niemanden zu gefährden“, sagt Stevanello. Sie denkt dabei sowohl an ihre Kunden, als auch an ihre Mitarbeiter. „Wir arbeiten ja nah dran am Kunden“, erklärt die Inhaberin des Salons. Dienstleistungen, wo sie besonders nah am Kunden arbeitet, wie Augenbrauenzupfen und Wimpernfärben bietet sie daher aktuell nicht an.

Zwiespalt bei den Friseurbetrieben

Aber so gerne Eva Stevanello eigentlich ihren Betrieb schließen würde: Würde sie zumachen, ohne dass es eine Anweisung dazu gibt, dann müsste Stevanello weiterhin zum Beispiel die Umsatzsteuerzahlungen leisten. Dann müssten viele Salons wahrscheinlich bald Insolvenz anmelden, sagt sie. Erst im vergangenen Jahr ist Stevanello mit ihrem Geschäft von der Straße Zur Geest zum Marktplatz umgezogen und hat investiert. Ihre Mitarbeiter könnte sie ja auch nicht ohne Weiteres auf unbestimmte Zeit in den Urlaub schicken. Man wisse ja nicht, wie lange die Situation anhalten würde. Immerhin, zwei Mitarbeiterinnen könnte sie aktuell dank der Regel für Kurzarbeit nach Hause schicken.

Eva Stevanello misst zu Demonstrationszwecken mit dem Maßband nach. Die Kunden sitzen im Moment weiter von einander entfern.

Eva Stevanello misst zu Demonstrationszwecken mit dem Maßband nach. Die Kunden sitzen im Moment weiter von einander entfern. © Marie Rademacher

Auch Marc Ringel, Geschäftsführer des Friseur- und Kosmetikverbandes NRW, sieht den Zwiespalt, in dem sich gerade viele Friseurbetriebe befinden. „Auf der einen Seite sind Friseurbetriebe froh, dass sie die Kunden, die es noch gibt, aktuell noch bedienen können. Auf der anderen Seite wollen sie ja auch ihrer Fürsorgepflicht nachkommen“, sagt Ringel. „Schließlich wissen sie ja selber nicht, ob sie das Virus vielleicht schon in sich tragen. Warum gerade Friseurbetriebe noch geöffnet haben, kann sich Ringel auch nicht so recht erklären. „Vielleicht weil sie im weitesten Sinne auch etwas mit Gesundheit zu tun haben“, vermutet er.

„Nicht so ruhig angehen lassen“

Und was rät Ringel den Betrieben? „Wenn die Auslastung einigermaßen vernünftig ist, kann man den Betrieben nur mit auf den Weg geben, einen Abstand von 1,50 bis 2 Metern zwischen den Kunden einzuhalten.“ Außerdem würde er Dienstleistungen wie Augenbrauenzupfen und Wimpernfärben, die besonders nah dran sind am Kunden, aktuell ganz von der Liste streichen.

Eva Stevanello denkt bei all den Überlegungen zum Coronavirus nicht nur an sich. „Das Coronavirus ist eine Katastrophe für die Wirtschaft. Das betrifft nicht nur Deutschland, sondern die Wirtschaft weltweit.“ Die Maßnahmen, die nun getroffen wurden, hätte sie sich auch schon früher gewünscht. „Wir hätten es nicht so ruhig angehen lassen sollen“, findet Eva Stevanello.

Anmerkung: In einer vorherigen Fassung dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass Eva Stevanello zwei 450-Arbeitskräfte in die Kurzarbeit schicken kann. Das ist nicht richtig. Es handelt sich dabei um Voll- und Teilzeitkräfte. 450-Euro-Kräfte sind von der Regelung ausgenommen. Wir haben das korrigiert. Außerdem haben wir die Aussage zum Thema Insolvenz verändert. Eva Stevanello meinte, dass Friseursalons im Allgemeinen durch Schließung bedroht seien - nicht ihr Salon im Speziellen.

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