Unkraut kann man ohne Glyphosat und andere Gifte beseitigen

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Löwenzahn ist eine schöne Pflanze - nur in der eigenen Einfahrt mag ihn niemand haben. Unkraut bekämpfen, ohne dabei die Giftspritze zu zücken: Der Raiffeisenmarkt hat das ultimative Mittel.

Olfen

, 03.06.2019, 11:06 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Unkrautvernichtungsmittel im Olfener Raiffeisenmarkt sind in einem Schrank eingeschlossen. „Keine Selbstbedienung“, steht auf einem Schild. Wer hier etwas kaufen möchte, muss sich schon an die Verkäufer wenden. Die Bestimmungen sind streng.

Hinter den Türen stehen sie, die grün-gelben Flaschen. Sie heißen „Roundup“ oder „Permaclean“ oder „Gierschfrei“. Sie sind effektiv in der Unkrautbekämpfung. Und keiner will sie mehr so wirklich haben.

Wo man Glyphosat einsetzt, wächst kein Gras mehr.

Denn diese Total-Herbizide enthalten Glyphosat - ein Wirkstoff auf Salzbasis - der alle grünen Pflanzen abtötet. Setzt man das Mittel ein, wächst an dieser Stelle buchstäblich kein Gras mehr.

Wolfgang Spöde steht gerade vor dem Glaskasten. Der stellvertretende Marktleiter berät eine Kundin, die gemeinsam mit ihrer Tochter in den Markt gekommen ist. Die Seniorin braucht ein Mittel gegen Läuse in ihrer Blume. „Ich möchte aber etwas, das keine Bienen kaputtmacht“, sagt sie bestimmt. Spöde erklärt ihr, welche Mittel für sie in Frage kommen. „Hier ist ein Wirkstoff drin, der ist nicht gefährlich für Bienen. Den können Sie ruhigen Gewissens benutzen.“ Die Dame freut sich, und kauft gleich zwei große Flaschen. Vorsichtshalber.

„Das Umweltbewusstsein der Käufer ist gestiegen.“

Wie die ältere Dame verlangen immer mehr Kunden bei der Schädlings- und Unkrautbekämpfung Mittel, die keine Insekten töten. „Glyphosat kaufen nur noch ganz wenige. Man merkt das von Jahr zu Jahr“, erklärt der 42-Jährige. „Das sind dann allerdings oft Leute der älteren Generation, die sagen: Das haben wir schließlich immer so gemacht. Und die wollen das dann auch unbedingt haben.“

Unkraut kann man ohne Glyphosat und andere Gifte beseitigen

Wo man den Wirkstoff Glyphosat verwendet, wächst kein Gras mehr. Und auch nichts anderes. © Martina Niehaus

Heute sei das Umweltbewusstsein der Käufer sehr gestiegen - und wie die Kundin beweist, ist das nicht nur bei jungen Leuten so. „Ich finde das auch richtig“, sagt Wolfgang Spöde. Marktleiter Matthias Czapracki gibt ihm recht. „Solche Mittel können wir zur Unkrautbeseitigung einfach nicht mehr empfehlen. Sie sind im Verkauf rückläufig, und das ist gut so.“

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Auf versiegelten Flächen wie Garageneinfahrten oder Bürgersteigen ist das Aufbringen von Herbiziden ohnehin verboten - Spuren davon könnten sonst ins Grundwasser gelangen. Das Gleiche gilt für Essig, Streusalz oder andere „Hausmittelchen“. „Streusalz darf man im Winter zwar benutzen, im Sommer zur Unkrautvernichtung ist es allerdings verboten“, erklärt Wolfgang Spöde.

Abflämmen funktioniert - nur funktioniert es eben oft zu gut

Doch was tut man dann? Wolfgang Spöde zeigt zunächst die verschiedenen Flämmgeräte, die mit Gas oder Strom betrieben werden und das Unkraut abflämmen. „Die Zellstruktur der Pflanze geht dann wegen der Hitze kaputt. Die Wurzeln stecken zwar noch im Boden, können später aber leichter entfernt werden“, sagt er. „Das geht innerhalb von Tagen.“

Doch auch das Abflämmen hat seine Tücken, wie mehrere Feuerwehreinsätze in Selm und Umgebung zuletzt gezeigt haben. Dabei waren beim Abflämmen von Einfahrten und Bürgersteigen Hecken in Brand geraten. „Man muss schon sehr aufpassen, dass die Umgebung nicht zu trocken ist. Sonst kann es auch gefährlich werden“, warnt Spöde.

Ein möglicher Filmtitel? „Der Dickmaulrüssler und die Nematoden“

Was Schädlingsbekämpfung angeht, berät der Raiffeisenmarkt ebenfalls in Richtung der biologisch wertvollen Variante. Zum Beispiel beim Kampf gegen den Zünsler, der die Buchsbaumhecken gefährdet - oder den Dickmaulrüssler.

Der Käfer mit dem unattraktiven Namen richtet in vielen Gärten Schäden an: „Die Larven befallen die Wurzeln vieler Pflanzen, die Käfer fressen die Blätter“, erklärt Wolfgang Spöde. Da empfiehlt sich das Verteilen von sogenannten „Nematoden“, die ebenfalls im Regal des Marktes stehen.

Unkraut kann man ohne Glyphosat und andere Gifte beseitigen

Gegen Engerlinge kann man Nematoden-Parasiten einsetzen. © picture alliance/dpa

„Man gießt oder sprüht sie mit Wasser auf den Boden.“ Die Parasiten dringen dann in die Käferlarven ein, töten sie ab und vermehren sich gleichzeitig dabei. Im naturnahen Garten helfen übrigens auch Igel, Maulwürfe und Eidechsen bei der Vernichtung der Engerlinge.

Die beste Waffe gegen ungewolltes Grün ist besonders effektiv

Das ultimative Mittel gegen Unkraut - und das, das Wolfgang Spöde unbedingt vor allen anderen Mitteln bevorzugt - ist übrigens ein richtiger Klassiker. Wolfgang Spöde geht um eine Ecke und zeigt auf die Geheimwaffe: „Wir haben hier ganz herrliche Fugenbürsten“, sagt der stellvertretende Marktleiter und lächelt.

Unkraut kann man ohne Glyphosat und andere Gifte beseitigen

Wer die Umwelt schonen möchte, sollte bei der Handarbeit bleiben. © Martina Niehaus

Ein Fugenkratzer. Na toll. In Gedanken an die eigene Einfahrt drängt sich in diesem Moment dann doch eine Frage auf: Da bekommt man vom stundenlangen Kratzen doch einen krummen Rücken? Doch das Argument lässt der 42-Jährige nicht gelten.

Unkraut kann man ohne Glyphosat und andere Gifte beseitigen

Kratzen gegen das Kraut - das ultimative Mittel. © Martina Niehaus

Denn von Bequemlichkeit bei der Unkrautbekämpfung sollte man sich im Sinne der Artenvielfalt grundsätzlich verabschieden. Und tief bücken muss man sich beim Kratzen der Fugen längst nicht mehr. „Den Fugenkratzer kann man auf größeren Flächen auf einen langen Stiel schrauben, oder eben einen kleinen Handkratzer für die Rillen benutzen. Die Methode ist effektiv - und man bleibt fit.“

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