Neue Zahlen

Verkehrswende kommt im Kreis nicht voran – Zahl der Autos steigt rasant

Der Schutz des Klimas ist eines der Top-Themen im Bundestags-Wahlkampf. Aber wie sieht die Realität im Kreis Coesfeld aus? Neueste Zahlen der Kreisverwaltung sprechen eine andere Sprache.
Im Zuge des Umbaus der Bilholtstraße hat die Stadt Olfen auch neue Radspuren angelegt. © Thomas Aschwer

Der Name der Partei spielt schon fast keine Rolle in der Endphase des Bundestagswahlkampfes, in einem Punkt sind sich fast alle Kandidatinnen und Kandidaten sowie fast alle Parteien einig. Der Klimawandel erfordert ein rasches Handeln. Als einen Schwerpunkt haben sich dabei fast alle den Verkehr vorgenommen. Entsprechend vorbildlich sind Kandidatinnen und Kandidaten im Wahlkampf immer wieder mit dem Rad unterwegs.

Doch der echte Umstieg in unserer Region kommt offensichtlich nicht richtig voran. Obwohl der Verkauf von E-Fahrrädern einen absoluten Boom erlebt, gibt es im Kreis Coesfeld immer mehr Autos. Überraschend ist dabei der enorme Anstieg in der Pandemie: Waren nach Auskunft des Kreises Coesfeld am 31. Dezember 2019 zwischen Vinnum und Rosendahl insgesamt 210.301 Fahrzeuge zugelassen, waren es ein Jahr später 217.595 – ein Anstieg allein im Kreis Coesfeld um fast 7300 Fahrzeuge.

Umstieg in der Pandemie von Bus und Bahn auf das Auto

Belegbare Zahlen und Fakten über die Gründe gibt es nicht wirklich, dafür aber klare Vermutungen. In der Pandemie sind viele Berufspendler vom Öffentlichen Personennahverkehr wieder auf das eigene Auto umgestiegen. Ein weiterer Grund könnte sein, dass auch Azubis in der Region häufig auf ein Auto angewiesen sind, um ihre Ausbildungsstelle oder die Berufsschule zu erreichen. Wer sich intensiver mit den Zahlen beschäftigt, ist gleichwohl von der Dynamik des Anstiegs überrascht – nicht nur im Jahr 2020.

Auch von 2018 zu 2019 hat sich der KFZ-Bestand enorm erhöht, von 200.491 auf 210.301. Das macht einen Anstieg um mehr als 9800 Fahrzeuge aus. Wer die Anstiege aus diesen beiden Jahren addiert, kommt auf einen Anstieg von mehr als 17.100 Fahrzeugen. Die Folgen sind längst jeden Tag auf den Straßen des Kreises Coesfeld deutlich spürbar. Die Autos „schleichen“ gerade am Morgen kurz vor Schulbeginn und am frühen Nachmittag nur noch über die örtlichen Straßen. Jeder Fahrradfahrer ist in diesen Zeiten auf den Radwegen deutlich schneller unterwegs als Autofahrer.

In vier Jahren kaum zusätzliche Radwegkilometer

Doch der Umstieg auf das Fahrrad wird auf Kreisebene eher überschaubar gefördert. Für das Jahr 2916 weist der Kreis Coesfeld von ihm zu verwaltende Radwege insgesamt 170 Kilometer aus. Bis einschließlich 2019 hat sich diese Zahl auf 175 erhöht – also eine Zunahme in vier Jahren von gerade einmal fünf Kilometern.

Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Länge der zu verwaltenden Kreisstraßen in diesem Zeitraum praktisch konstant (414 Kilometer) geblieben ist. Allerdings machen diese Zahlen auch deutlich, dass es viele Kreisstraßen ohne Radweg gibt. Da überrascht es schon, dass die Werbung für neue Radwege im Kreis im Bundestagswahlkampf recht überschaubar ist.