Vinnumer sammeln Unterschriften für Kanalzugang

Sommertour „Bei Anruf dort“

Ferienzeit ist Reisezeit – auch für uns. Und deshalb geht es mit unserer rollenden Redaktion dorthin, wo Sie uns hinrufen! So wie Wilfried Opalka. Er setzt sich in Vinnum für einen Weg zum Kanal ein. Denn den alten Weg gibt es seit einem halben Jahr nicht mehr - zum Ärger vieler Spaziergänger.

VINNUM

, 22.07.2017, 06:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir spazieren über einen breiten Schotterweg. Links schweift der Blick über ein Getreidefeld, die Hügel und Bäume bis nach Datteln. Rechts liegt ein Maisfeld, geradeaus schiebt sich schon der Kanal ins Blickfeld – und dann endet der Spaziergang auch schon an einem Zaun. Hier ist seit einem halben Jahr Endstation für die Vinnumer, die zum Kanal wollen. Sehr zum Ärger von Wilfried Opalka, der deshalb den RN-Bulli auf unserer Sommertour „Bei Anruf dort“ an diese Stelle bestellt hat.

Die Vinnumer nutzten den Weg gerne

„Einige schimpfen hier richtig“, erzählt Wilfried Opalka über den Unmut der Vinnumer, dass der Spazierweg zum Kanal nicht mehr begehbar ist. Der 85-Jährige hat sich mit vielen Nachbarn unterhalten. Denn er war in den vergangenen Tagen in der Nachbarschaft unterwegs und hat über 40 Unterschriften von Vinnumern gesammelt, die den Weg wiederhaben wollen.

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Seit bestimmt 100 Jahren gebe es den Weg zum Kanal, sagt Opalka. Spaziergänger nutzen ihn gerne, Vinnumer führen ihre Hunde dort Gassi, auch mit dem Rollator oder dem Rollstuhl konnte man dort gut zum Kanal gelangen, erzählt der Vinnumer. Nun sei das plötzlich vorbei. Zwar können die Vinnumer an der Kreuzung mit der Lippe noch an den Kanal gelangen, aber der Weg dort sei viel zu steil. Mit dem Fahrrad oder Rollator nicht zu machen. Und die schöne Aussicht gebe es dort auch nicht, sagt Opalka bei dem Spaziergang mit den Ruhr-Nachrichten-Redakteuren.

„Wir haben nie einen Einwand gehört“

Seit Jahresanfang versperrt ein Zaun die letzten Meter zum Kanal. Dahinter wachsen zwischen hohem Unkraut einige neu gepflanzte Sträucher. Die Bezirksregierung hat sie pflanzen lassen. Das Wegstück ist nun eine Ausgleichsfläche. Hier wurden Bäume gepflanzt als Ausgleich für Asphaltierungen an der Kanalbaustelle in Vinnum, erklärt Franz-Josef Grothues, Projektleiter von der Flurbereinigungsbehörde der Bezirksregierung Münster.

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Seit 2012 seien diese Flurbereinigungen bei mehreren Bürgerversammlungen in Vinnum besprochen worden. Widerstand gegen den Wegfall des Weges habe es damals nicht gegeben. „Wir haben nie einen Einwand gehört“, sagt Grothues. Ursprünglich sollte sogar der ganze Weg wegfallen, aber ein Stück wird für die Landwirte gebraucht, damit sie zu ihren Feldern gelangen. Dass diese Schotterstraße nun im Nichts endet, mutet für Wilfried Opalka wie ein Schildbürgerstreich an.

Ein neuer Weg wird geplant

Die Bezirksregierung will auf die neuen Beschwerden aus Vinnum eingehen. Es werde ein neuer Weg geplant, rechts an dem Zaun vorbei. „Wir wollen das so schnell wie möglich umsetzen“, sagt Grothues. Doch dafür müsse Planrecht geschaffen werden. Und das dauert. „In Monaten ist das nicht zu schaffen“, so Grothues. Eher in zwei Jahren – versprechen will der Projektleiter nichts. Die Kritik der Vinnumer kann Grothues nachvollziehen. Die Bürger müssten aber auch Verständnis aufbringen, dass die Flurbereinigungsbehörde nun nicht in drei Monaten einen neuen Weg planen könnten.

Wilfried Opalka hofft, mit den Unterschriften schnell etwas bewegen zu können. Die gesammelten Unterschriften will er am Mittwoch Bürgermeister Wilhelm Sendermann bei dessen Bürgersprechstunde (26. Juli, 17.30 Uhr, Rathaus) übergeben. Denn nun sei schon ein halbes Jahr vergangen. „Es tut sich nichts“, beschwert sich Opalka. Was die Stadt von dem Thema hält, war am Freitag nicht zu erfahren.

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