Waldferiendorf in Corona-Zeiten: So ist der Alltag in Eversum

rnCoronavirus

Ändert sich das Leben im Waldferiendorf Eversum in Olfen durch die aktuelle Corona-Krise? Ist dort gerade überhaupt etwas los? Ja! Denn: Über 70 Prozent der Pächter haben dort ihren festen Wohnsitz.

Olfen

, 24.04.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn sie jetzt - wie früher - in einer Wohnung in der Essener Innenstadt im dritten Stock leben würde? „Dann würde ich ja einen Rappel kriegen“, sagt Margret Gehrmann und lächelt unter ihrem Mundschutz. Die 75-Jährige wohnt längst nicht mehr in der Essener City, sondern hat sich einen Lebensort als festen Wohnsitz ausgesucht, an dem andere Urlaub machen: das Waldferiendorf Eversum.

Dieses kleine Feriendorf liegt etwa zwei Kilometer außerhalb von Olfen. Auf einer Fläche von insgesamt 45 Hektar stehen hier 595 Mobilheime. Das sind - anders als man vielleicht vermuten könnte - keine Wohnwagen, sondern kleine Holzhäuser. So wie die Tiny Houses, die gerade in aller Munde sind. Diesem Trend vorausgeeilt ist in den 1970er-Jahren der Vater von Annette Droege-Middel, die Geschäftsführerin des Waldferiendorfes ist. Ihr Vater hatte die Waldfläche damals der Stadt Dortmund abgekauft und dann die Idee gehabt, dort Pachtflächen für die Mobilheime zu schaffen.

„Mein Vater hat immer gesagt, dass es in Dortmund viele Menschen gibt, die in der Sonnenstraße wohnen. Aber die Sonne haben sie nie gesehen“, sagt Annette Droege-Middel mit einem leisen Lächeln. Die Sonne, die Natur, das Draußen-sein-können schätzen die Bewohner des Waldferiendorfes gerade - in Zeiten von Corona - sehr.

Rund 70 Prozent der Pächter wohnen fest in Eversum

Abgesehen von den Veränderungen, die man im Rest von Olfen bemerke, so sagt es Annette Droege-Middel, hat sich im Waldferiendorf nicht besonders viel geändert. Wichtig dabei zu wissen: Das Waldferiendorf ist nicht wie ein Center oder Landal Park, wo man wochenweise Häuser anmieten kann. In Eversum läuft es so, dass man hier die Grundstücke, die 150 bis 600 Quadratmeter groß sind, für zehn Jahre pachtet und dann ein Mobilheim für diese Fläche kauft. Als Wochenendhaus nutzen einige Pächter ihre Häuschen. Der Großteil allerdings hat im Waldferiendorf Eversum mittlerweile sogar seinen Erstwohnsitz: 70 Prozent der Pächter wohnen fest im Dorf, sagt Annette Droege-Middel.

Jetzt lesen

So wie Margret Gehrmann, sie seit 1991 fest in Eversum lebt. Eigentlich hatte sie ihr Mobilheim in den 1980er-Jahren zusammen mit zwei Freundinnen auch für die Ferien gekauft. „Wir sind hier immer wandern gegangen“, erzählt sie, wie sie auf den Ort gekommen waren. Der Kauf des kleinen Heims sei ein Stück Freiheit gewesen. „Das ist hier so etwas wie das Eigenheim des kleinen Mannes“, erklärt sie. Fest hier zu wohnen war eine Entscheidung, die sie nie bereut hat.

In Corona-Zeiten noch weniger als sonst, sagt sie. In Eversum habe sie die Möglichkeit, dennoch viel Zeit draußen in der Natur zu verbringen. „Unser Garten sieht so gut aus wie lange nicht“, sagt sie humorvoll.

Pächterverein verschenkte Rosen an Verkäuferinnen in Olfen

„Das Leben hier ist eigentlich wie in einem ganz normalen Dorf“, sagt Annette Droege-Middel. Die Begegnungsstätte, in der der Pächterverein des Dorfes sonst eine Doppelkopf- und eine Handarbeitsrunde organisiert, ist derzeit geschlossen. Auch Feiern oder Grillabende dürfen nicht stattfinden: Das traditionelle Pächterfest vor Ostern musste so beispielsweise ausfallen.

„Die sozialen Kontakte fehlen natürlich schon“, sagt Karin Grüger (65), die seit zehn Jahren fest in Eversum wohnt und auch im Vorstand des Pächtervereins ist. Sie denkt dabei vor allem an ihren Enkelsohn, der sie im Moment nicht im Waldferiendorf besuchen kann.

Der Pächterverein hat sich zur Corona-Krise aber eine besondere Gruß-Aktion aus dem Dorf Eversum ausgedacht, wie Karin Grüger aus dem Vorstand des Vereins erzählt. Vereinsmitglieder haben Rosen an Verkäuferinnen in Olfen verteilt. Als Dankeschön. „Es ging uns einfach um eine kleine Anerkennung“, erklärt Karin Gruger. Und mit den Nachbarn im Dorf - mit denen redet man im Moment dann halt nur über den Gartenzaun hinweg. Aber immerhin...

Lesen Sie jetzt