Die Wege nach Nottuln sind für Olfener Förderschüler mit Schwerpunkt „Emotional-Soziale Entwicklung“ (ESE) weit und lang. Die Stadt Olfen drängt jetzt auf eine tragfähige Lösung.

Olfen

, 05.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die kreisweite Schulentwicklungsplanung für Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf liegt im Entwurf vor. Nun sind die Kommunen gefordert, Stellungnahmen abzugeben. Die Stellungnahme der Stadt Olfen fand die einstimmige Rückendeckung des Ausschusses für Schule und Kindergärten. Sie legt den Finger in einige Wunden.

Politik und Verwaltung haben Sorgen, dass nach der Verlagerung der Förderschule mit Schwerpunkt ESE von Lüdinghausen nach Nottuln Olfener Schüler zu weite Schulwege zurückzulegen haben. Maximal zulässig sei eine Transportzeit von 60 Minuten, erklärt die Stadtverwaltung in der Vorlage zum Ausschuss. In der Ausschusssitzung sagte Bürgermeister Wilhelm Sendermann: „Die Stunde wird überschritten.“ Eine Stunde 18 Minuten seien es rund gerechnet.

Warum Olfener Förderschüler zwischen Nottuln und Bork hin- und hergerissen sind

Das waren noch Zeiten, als Olfener Förderschüler zur Astrid-Lindgren-Förderschule nach Lüdinghausen fahren konnten. Der Weg zur Nottulner Förderschule ist jetzt wesentlich länger. © Peter Werth (A)

Positiv sei, dass der Entwurf des Schulentwicklungsplans das erkannt habe, erklärt der Bürgermeister. Eine Lösung des Problems könnte eine Kreisgrenzen überschreitende Zusammenarbeit sein. Nämlich mit dem Förderzentrum Nord im Selmer Stadtteil Bork, also im Nachbarkreis Unna. Das Förderzentrum liege für Olfen in einem Entfernungsradius von 20 Minuten, heißt es von der Verwaltung.

Sicherung wohnortnaher Versorgung

Wegen der guten Erreichbarkeit fahren seit langer Zeit Olfener Förderschüler täglich nach Bork. In der Stellungnahme der Stadt Olfen zum Schulentwicklungsplanentwurf heißt es folgerichtig dazu: „Zur Sicherung der wohnortnahen Versorgung der ESE-Förderschüler aus Olfen wird die Verstetigung der Zusammenarbeit mit dem Kreis Unna im Hinblick auf den Förderschulstandort Selm-Bork auf der Grundlage einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung angeregt.“ Diese interkommunale Regelung müsse gesichert sein, damit sie nicht von „Erwägungen im Kreis Unna abhängig“ sei, sagt Wilhelm Sendermann. Etwa, wenn es um die Frage nach dem Standort des Förderzentrums gehe.

Bork adäquates Angebot

Bei der Zusammenarbeit mit dem Borker Förderzentrum handele es sich um ein adäquates Angebot für Olfener Schüler. Der Haken bei dieser Lösung: Zum Förderzentrum Nord in Bork haben nur Schüler der Sekundarstufe I Zugang. „In den Fokus sind auch die Primarschüler zu rücken“, fordert der Olfener Bürgermeister. Aber es bleibe dabei: „Der Weg nach Nottuln ist zu weit und dauert zu lang.

In Olfen gebe es immerhin drei Schüler, die nach Nottuln müssten, berichtet der Bürgermeister. Aus Olfener Sicht gebe es bisher keine befriedigende Lösung. „Eine Lösung dafür muss gefunden werden.“ Und sie müsse in die Planungen mit einfließen. Letzteres sagte er auch in Richtung der Olfener Kreistagsabgeordneten.

„Wir werden mit unseren Kreistagsmitgliedern sprechen, dass das, was wir hier beschließen, auch im Schulentwicklungsplan des Kreises Coesfeld Berücksichtigung findet“, erklärte Daniel Klingauf für die Olfener SPD-Fraktion. Mit Blick auf die gesamte Stellungnahme der Stadt Olfen zum Schulentwicklungsplanentwurf sagte er: „Wir schließen uns als SPD voll umfänglich der Stellungnahme an. Jeder einzelne Schüler muss für uns wichtig sein.“

„Jeder einzelne Schüler muss für uns wichtig sein.“
Daniel Klingauf, SPD-Fraktion

Ralf Danielczyk, Ausschussmitglied der CDU und Kreistagsabgeordneter, ging während der Ausschusssitzung auf einen weiteren Punkt der Stellungnahme der Stadt Olfen ein. Nämlich, dass Olfen „eine jährliche Evaluation zur sonderpädagogischen Förderung im Kreis Coesfeld bezüglich der Beschulung an Förderschulen sowie im Gemeinsamen Lernen an Regelschulen und ein Austausch mit der Option zur Nachsteuerung hierbei gemeinsam mit den Kreiskommunen“ anregt. Danielczyk erklärte dazu, in diesen Evaluierungsprozess müsse weiterhin eine bestehende Begleitgruppe aus Kreistagspolitikern speziell des Südkreises eingebunden werden und mehrmals im Jahr zusammenkommen.

Förderschule Nottuln modern und gut ausgerüstet

Danielczyk gab den Ausschusssmitgliedern aber auch auf den Weg, dass es sich bei der Förderschule in Nottuln um eine „absolut moderne, für diesen Zweckbereich gut ausgerüstete Schule“ handele. Sollte es eine Lösung geben, die den betroffenen Olfener Schülern ermögliche, innerhalb von 35 bis 40 Minuten nach Nottuln zu kommen, könne es laut Danielczyk sein, dass auch die Akzeptanz bei deren Eltern steige.

Markt an Sonderpädagogen ist leer gefegt

Noch ist aber keine Lösung gefunden. Eine weitere Möglichkeit in der jetzigen Situation ist, dass die betroffenen Schüler an der Regelschule, nämlich der Wieschhof-Grundschule, aufgenommen werden. „Aber das Regelschulsystem muss das auch leisten können“, gab Bürgermeister Sendermann zu bedenken. Petra Deuker, Leiterin der Wieschhofschule, erläuterte die Situation so: „Wir hätten gern mehr Sonderpädagogen. Wir haben Anspruch auf zwei Vollzeitstellen, aber der Markt ist leer gefegt.“

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