Was soll das? „Dauerfeuer“ auf dem früheren Munitionsdepot der Bundeswehr in Olfen

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Ihr Munitionsdepot hat die Bundeswehr in Olfen schon lange aufgegeben. Das rund 150 Hektar große Areal im Wald gleicht weiter einem Hochsicherheitstrakt. Kein Wunder bei dem „Dauerfeuer“.

Olfen

, 03.12.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schlimmer kann es an Silvester in keiner Großstadt sein: Am hellichten Tag zischt und knallt es ohne Unterlass auf dem aufwendig abgesperrten Gelände an der Hullerner Straße. „Es scheint nebulös“, sagt ein Olfener, der nicht genannt werden möchte. Wir haben uns vor Ort umgesehen.

„Keller Pyro“ steht auf dem Schild an der Zufahrt zum gut gesicherten Gelände. Wie hoch die Sicherheitsvorkehrungen sind, ist schon von Weitem zu erkennen. Das im Hintergrund sichtbare Tor ist geschlossen und bewacht. Ein Mann geht mit einem Hund Streife.

Aus dem Pförtnerhaus kommt direkt eine Frau zum Tor. Ihren Namen nennt sie nicht. Sie öffnet kurz das kleine Tor, hört sich meine Fragen an. Bevor sie zum Gebäude zurückgeht, schließt sich das Tor wieder ab. Das zweite Gespräch ist noch schneller beendet.

Comet hat mit Keller-Übernahme auch das Lager übernommen

Die Geschäftsführung habe heute keine Zeit für ein Gespräch. Und auch in den nächsten Tagen nicht. „Es ist Hochsaison.“ In der Sache gibt sie keine Auskunft. Damit ist sie auf der Linie der Comet Feuerwerk GmbH.

Das Unternehmen mit Sitz in Bremerhaven hatte vor rund sechs Jahren die Wattenscheider Firma Keller übernommen. Keller, so hieß es damals, befinde sich in einer sehr angespannten wirtschaftlichen Situation, die Banken hätten die Kreditlinien nicht verlängert.

Was soll das? „Dauerfeuer“ auf dem früheren Munitionsdepot der Bundeswehr in Olfen

Als Keller noch Feuerwerkskörper verkaufte, öffnete das Unternehmen gerne die Tore. Unser Foto aus dem Jahr 2013 zeigt Harald Herzig, Chef der Qualitätskontrolle bei der Firma Keller, vor dem alten Wachhäuschen, das noch aus Bundeswehrzeiten auf dem Gelände an der Hullerner Straße stammt. Das Häuschen steht noch heute am Eingang. © Matthias Münch (archiv)

Mit der Übernahme von Keller übernahm Konkurrent Comet auch die beiden großen Keller-Zentralllager in Hamburg und halt Olfen. Bis Ende 2018. „Wir betreiben seit dem 1. Januar 2019 keine Betriebstätte mehr in Olfen“, erklärte Jens Thomas, Marketing Manager der Comet Feuerwerk GmbH, in einer schriftlichen Stellungnahme.

Naturschützer Georg Holtmann beklagt Stress für Tiere

Wenn aber Comet den Standort aufgegeben hat, wer „böllert“ dann mitten im Wald? „Die Firma Keller Pyro GmbH hat Qualitätsprüfungen angekündigt“, sagt Thorsten Cornels vom Ordnungsamt der Stadt Olfen. Nicht nur für ein oder zwei Tage.

Allein für Dienstag, 3. Dezember, waren Prüfungen von 9.30 bis 12 Uhr und von 17 bis 20 Uhr angesetzt. Der Stadt Olfen sind eine Vielzahl weiterer Termine mitgeteilt worden - und zwar am 4., 10. 11., 16. 17. und 18. Dezember. Jeweils von 9.30 bis 12 Uhr.

Georg Holtmann, der sich seit vielen Jahren für den Naturschutz engagiert und deshalb auch mit dem Klimaschutzpreis ausgezeichnet worden ist, schlägt Alarm: „Die Böller sind für die Tiere ausgesprochen störend und stressig. Sie hören einen Knall und wissen nicht, was dann kommt.“

Hund versteckt sich bei der Böllerei unter dem Tisch

Die Tiere empfinden die Geräusche nach Einschätzung von Holtmann als „Bedrohung“. In den Wäldern in Hullern würden verschiedenste Tiere leben, beispielsweise Rehe, Wildschweine oder Uhus. Es gebe zudem Haustiere, die unter dem Lärm leiden würden.

Georg Holtmann berichtet von einem Hund, der sich bei der Böllerei unter einem Tisch verstecken würde. Andere Olfener, die sich in der Redaktion gemeldet haben, beklagen die Feinstaubbelastung durch das Feuerwerk.

Bei der Bezirksregierung ist eine Beschwerde eingegangen

Am späten Dienstagnachmittag räumte eine Sprecherin der Bezirksregierung ein, dass bei der Behörde in Münster eine Beschwerde eingegangen ist. Es gehe dabei um die Emissionen durch die Tests. „Die Beschwerde wird jetzt geprüft“, sagt die Sprecherin.

Am frühen Dienstagabend wurde klar, wer für die Tests in Olfen verantwortlich ist. „Es gibt einen privaten Betreiber. Er hat die Erlaubnis zur Lagerung und zum Test von Pyrotechnik“, sagte die Bezirksregierung. Wer der private Betreiber ist, sagte die Sprecherin allerdings nicht.

Die Bezirksregierung selbst ist für die Prüfung der Lagerung zuständig. Im Regierungsbezirk Münster gibt es circa 900 genehmigte Lager und Bunker, die einer Überwachung bedürfen.

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