In seiner Anfangszeit in Deutschland sei er verloren gewesen, doch nun möchte der 25-Jährige gar nicht mehr weg. Die Geschichte einer erfolgreichen Integration durch den Sport.

Olfen

, 31.07.2019, 13:28 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dennis Oyemah ist 25 Jahre alt. Über 4600 Kilometer trennen ihn von seiner Heimat. Denn seit 2016 lebt er nicht mehr in Nigeria, sondern in Deutschland. Er ist einer von vielen, die nach Europa kamen, um ein besseres und sichereres Leben zu finden.

Insgesamt drei Monate sei er unterwegs gewesen, erzählt er. Gemeinsam mit seiner Freundin kam er über das Mittelmeer. Erste Station war Italien. Von dort ging es über einige weitere Länder bis nach Deutschland. Einen Monat verbrachte er in Dortmund, ehe er nach Olfen kam.

Wie hat er sich in den ersten Wochen in einem völlig fremden Land gefühlt? Was er sagen will, weiß er, das merkt man ihm an. Doch ihm fehlt noch das richtige deutsche Wort. „I was lost“, sagt er - er war verloren. Alles sei völlig neu für ihn gewesen.

Kommunikation anfangs nur „mit Händen, Füßen und Englisch“

Doch jetzt, betont er, sei er nicht mehr verloren. „Ich kenne viele Leute“, sagt er. Einer von ihnen ist sein ehemaliger Mitspieler und späterer Trainer Thorsten Rosenberger vom SuS Olfen. „Dennis war schon da, als ich kam“, erinnert dieser sich. Für seinen ehemaligen Teamkollegen aus der dritten Mannschaft findet er nur lobende Worte - sowohl aus menschlicher als auch aus sportlicher Sicht.

„Er ist sehr athletisch und hat ein Talent für das Fußballspiel“, erklärt er. Abseits des Platzes sei er aber auch „sehr offen und wissbegierig“. Und immer pünktlich. Zudem attestiert er ihm „ein sehr nettes Wesen“.

Probleme habe es eigentlich nur am Anfang auf der sprachlichen Ebene gegeben, sagt der 47-Jährige. „Dennis konnte nur ein bisschen Englisch.“ Als Thorsten Rosenberger noch sein Trainer war, sei das zuerst schwierig gewesen. Die Kommunikation habe damals „mit Händen, Füßen und Englisch“ stattgefunden.

Großes Interesse an guter Integration

Bei schnellen, spontanen Umstellungen während oder kurz vor einem Spiel habe es dann durchaus mal Schwierigkeiten gegeben. Während er von den ersten Monaten mit Dennis erzählt, muss Thorsten Rosenberger immer wieder lachen.

Nach und nach wurde die sprachliche Barriere dann aber kleiner. Bis heute hatte der 25-Jährige allerdings nur einen einzigen Monat lang an einem Deutschkurs teilnehmen können. Alles andere habe er eigenständig gelernt, berichtet Thorsten Rosenberger beeindruckt. „Dass er sich das alles selber beigebracht hat, zeigt ja, dass er an einer Integration interessiert ist“, sagt er.

Wie der Fußball beim SuS Olfen dem Nigerianer Dennis Oyemah bei der Integration half

Dennis Oyemah (l.) und Thorsten Rosenberger lernten sich vor drei Jahren beim SuS Olfen kennen. © Pascal Albert

Und dabei half dem Nigerianer eben vor allem auch der Fußball. „Ich habe viel gelernt von der Mannschaft“, sagt er. Beim SuS Olfen III sei er gut aufgenommen worden.

Eine Papierkugel mit Klebestreifen statt eines Lederballes

Mit Fußballspielen hat der Stürmer aber nicht erst in Deutschland angefangen, erzählt er. Schon immer habe er „sehr gerne Fußball gespielt“. Allerdings die meiste Zeit nicht in einem Verein. Zwar habe er eine Zeit lang mit einer Mannschaft in Nigeria mittrainiert, doch in Spielen sei er nicht aufgelaufen.

Vielmehr habe er meist mit Freunden einfach nur so zum Spaß gespielt. Einen richtigen Ball, wie man ihn in Deutschland kennt, hatten die Nigerianer dabei aber nicht. Doch die Freunde wussten sich immer zu helfen. Mit ein paar Klebestreifen wurden ein paar Stücke Papier einfach zu einem Ball geformt und schon konnte das Spiel losgehen.

Besonders seine Freunde vermisst Dennis Oyemah, wenn er an seine Heimat denkt - auch wenn er in Olfen ebenfalls viele gefunden hat. Generell vermisse er einiges, sagt er. Kontakt habe er allerdings nicht mehr viel in seine alte Heimat.

Nicht immer Geld bekommen

In Nigeria hat Dennis Oyemah Geld mit dem Verkauf von Kleidung verdient. Und ein bisschen Musik habe er auch gemacht, erzählt er. Allerdings habe er dort nicht immer regelmäßig sein Geld bekommen - nur einer der Gründe, die den heute 25-Jährigen dazu bewegten, vor drei Jahren den Schritt nach Europa zu wagen. Er habe dort einige Probleme gehabt, sagt er, ohne weiter darauf einzugehen. „Ich wollte gut leben“, erklärt er dann aber noch mit ernstem Blick.

Fragt man ihn, was ihm am meisten an Deutschland gefällt, überzieht ein Strahlen sein Gesicht. „Alles“, sagt er zuerst nur und fährt dann fort. Die Menschen hier seien toll. Und die Deutschen seien deutlich organisierter, deutlich strukturierter.

Zwischenzeitlich drohte die Abschiebung

Im August fängt der Vater einer in Deutschland geborenen Tochter eine Ausbildung zum Dachdecker bei der Werner Vennemann GmbH an. Besonders für seinen Aufenthalt in Deutschland ist diese Ausbildung wichtig. Denn zwischenzeitlich hieß es - aufgrund eines Fehlers seines Anwalts in Dortmund - er müsse das Land wieder verlassen, erinnern er und Thorsten Rosenberger sich.

Seine Freundin habe aber ein dauerhaftes Bleiberecht. Der Gedanke daran, wieder gehen zu müssen, habe ihm Angst gemacht. Und „das hat man ihm auch angemerkt“, sagt sein ehemaliger Trainer. Es sei eine schwere Zeit gewesen, die zum Glück aber erst mal vorbei sei. „Jetzt geht alles gut“, sagt Dennis Oyemah erleichtert.

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