Wie funktioniert die Restauration eines Kruzifix'?

Kirche St. Vitus in Olfen

Die Kirche ist eingerüstet, die Maler, Elektriker und Fliesenleger arbeiten im Akkord: Die Innenrenovierung läuft. Doch wo sind die Figuren aus der Vitus-Kirche? Die Spur führt nach Münster: Dort werden sie restauriert. Wie das aussieht, zeigen wir in einer Fotostrecke.

OLFEN

, 26.08.2016, 05:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Delegation besteht aus Pfarrer Bernhard Lütkemöller, Kaplan Pater Rajakumar und Pastoralassistent Johannes Telaar. Sie sind am Mittwoch unterwegs nach Münster-Hiltrup – bei 34 Grad Außentemperatur. Das Ziel: das Atelier von Restauratorin Elke Meffert-Sigrist.

Der Raum steht voll. Gut 40 bis 50 Objekte werden es sein, ganz genau kann Elke Meffert-Sigrist es gar nicht sagen. In der Mitte liegt ein großes Kruzifix sowie der Taufsteindeckel aus Münster-Übersee, rings herum verteilt die Objekte aus Olfen, unter anderem die 14 Stationen des Kreuzwegs, die Strahlenmadonna oder das Kruzifix des großen Chorkreuzes, direkt daneben die Pietà.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So wurden die Figuren aus der St.-Vitus-Kirche in Olfen restauriert

Die Arbeiten in der St-Vitus-Kirche laufen: Die Gerüste stehen, die Maler arbeiten - ebenso wie die Fliesenleger und Elektriker. Aber was passiert mit den Figuren? Die werden derzeit in Münster restauriert.
25.08.2016
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Pfarrer Bernhard Lütkemöller (v.r.), Kaplan Pater Rajakumar und Pastoralassistent Johannes Telaar schauen sich vor Ort den Fortschritt der Restaurierungsarbeiten an.© Foto: Malte Bock
Die Figur des Josef glänzt wieder.© Foto Malte Bock
Elke Meffert-Sigrist benötigt verschiedene Farben für ihre Arbeit.© Foto: Malte Bock
An der Strahlenkranz-Madonna arbeitet Elke Meffert-Sugrist gerade.© Foto: Malte Bock
Pfarrer Bernhard Lütkemöller misst, ob die Josefs-Figur auch an ihren neuen Platz passt.© Foto: Malte Bock
An der Strahlenkranz-Madonna arbeitet Elke Meffert-Sugrist gerade.© Foto: Malte Bock
An der Strahlenkranz-Madonna arbeitet Elke Meffert-Sugrist gerade.© Foto: Malte Bock
Pfarrer Bernhard Lütkemöller (m.) und Kaplan Pater Rajakumar schauten sich im Atelier von Elke Meffert-Sigrist die Fortschritte der Restaurierungsarbeiten an.© Foto: Malte Bock
Das Kruzufix des Großkreuzes aus der Vitius-Kirche ist ebenfalls überarbeitet worden.© Foto: Malte Bock
Im Atelier von Elke Meffert-Sigrist stehen rund 40 Objekte, die sie bearbeiten muss. Gut die Hälfte davon stammt aus der Vitus-Kirche, wie die Pieta und das Kruzifix.© Foto: Malte Bock
Im Atelier von Elke Meffert-Sigrist stehen rund 40 Objekte, die sie bearbeiten muss. Gut die Hälfte davon stammt aus der Vitus-Kirche.© Foto: Malte Bock
Im Atelier von Elke Meffert-Sigrist stehen rund 40 Objekte, die sie bearbeiten muss. Gut die Hälfte davon stammt aus der Vitus-Kirche.© Foto: Malte Bock
Pfarrer Bernhard Lütkemöller (v.r.), Kaplan Pater Rajakumar und Pastoralassistent Johannes Telaar schauen sich vor Ort den Fortschritt der Restaurierungsarbeiten an.© Foto: Malte Bock
Die Figur des Josef glänzt bereits wieder. Sie wird nach der Renovierung der Vitus-Kirche einen neuen Platz bekommen.© Foto: Malte Bock
So sehen Watte-Tupfer nach dem Reinigen einer Figur aus.© Foto: Malte Bock
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"Sie könnten einiges mitnehmen, wenn sie wollen", sagt Elke Meffert-Sigrist zu Bernhard Lütkemöller. Der lehnt mit einem Lächeln und einem Verweis auf sein Auto dankend ab. Das Signal nimmt er aber gleich auf: "Wir sind also im Zeitplan?" Die Restauratorin nickt und zeigt ihm die schon fertigen Objekte.

"Der Wahnsinn, wie hell das geworden ist", ruft der Pfarrer, als er vor den Bildtafeln des Kreuzweges steht. Im Moment ist Elke Meffert-Sigrist mit der Aufarbeitung der zweihälftigen Strahlenmadonna beschäftigt.

Ihre Arbeit beginnt immer gleich. Zunächst werden alle Objekte im ersten Zustand durchfotografiert. Dann beginnt die Reinigung und Festigung. Gereinigt wird mit Wattetupfern. Anhand der gebrauchten, nun dunkelgrauen, Tupfer wird sichtbar, wie viel Staub und Schmutz auf den Figuren gesessen haben muss. Festigung meint dann, beispielsweise Risse oder abgeplatzte Farben zu überarbeiten. Ist ein Objekt fertig, wird es wiederum fotografiert. Außerdem schreibt Elke Meffert-Sigrist eine Dokumentation, in der sie nicht nur ihre Arbeit, sondern auch ihre Erkenntnisse über die Figuren und Bilder festhält.

"Da fehlt etwas", sagt sie und deutet in das Gesicht der Madonna. Gemeint ist der Ausdruck. Die Augenfarbe ist verblast, Augenbrauen gibt es keine. Elke Meffert-Sigrist wird nachhelfen. Alles in Absprache mit Dr. Reinhard Karrenbrock aus dem Fachbereich Kunstpflege des Bischöflichen Generalvikariats des Bistums Münster.

Zusammen haben beide zudem festgestellt, dass die Madonna wohl älter sei, als bisher angenommen. Ein Indiz seien unter anderem die Schuhe der Madonna, sogenannte Kuhmaulschuhe. Sie könnten darauf hindeuten, dass die Figur aus dem 15. Jahrhundert stammt. Sie wäre damit das älteste Stück in der Vitus-Kirche – zumindest von den Gegenständen aus Holz.

Joseffigur soll zukünftig an der Wand stehen

In neuem Glanz erstrahlt auch die Figur des Josefs, die bisher in der Josefskapelle auf einer Erhöhung aus Holz gestanden hat. Sie soll künftig einen Platz an der Wand der Kapelle bekommen, da diese nach der Renovierung stärker als Werktagskapelle genutzt werden soll, sagt Bernhard Lütkemöller. Ob das auch passt? Um das zu überprüfen, zieht der Pfarrer kurzerhand einen Zollstock aus der Tasche und misst nach. 1,70 Meter hoch, 70 Zentimeter breit, lautet das Ergebnis. Der Pfarrer nickt zufrieden.

Überarbeitet habe sie an der Figur insbesondere die Hände des Josefs, erklärt Elke Meffert-Sigrist. Hier habe es abgeriebene Stellen gegeben, die es erfordert hätten, "die Oberfläche mit einer weichen Bürste anzufrottieren". Mit kompatiblen Wasser- und Harzölfarben erfolge die Aufbereitung.

Oft reiche auch ein Tupfer Farbe. So wie bei dem Bild der Heiligen Anna und Gottesmutter Maria. Eine Lilie im Bild ist nicht mehr komplett gewesen, dazu kamen schwarze Punkte im Gesicht der Anna. Hier hat Elke Meffert-Sigrist mit dem Pinsel nachgeholfen. Mit ihrer Arbeit ist sie also im Soll, Anfang Oktober können die Figuren geliefert werden. Genug Zeit also bis zum 29. Oktober, dem Tag, an dem St. Vitus in frischem Glanz erstrahlen soll.

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