Wie kommt die Schildkröte in die Alte Fahrt?

Kurioser Tierfund

Die Sonne scheint, Spaziergänger und Jogger bevölkern die Wege entlang der Alten Fahrt in Olfen. Enten dümpeln auf dem Gewässer, ein Reiher lauert auf Beute, eine Schildkröte wärmt sich in der Sonne. Eine Schildkröte? Was macht die in unserer Region? Heimisch ist sie hier nicht - hat sie überhaupt eine Chance zu überleben?

OLFEN

, 24.04.2017, 15:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Schildkröte sonnt sich an der Alten Fahrt.

Die Schildkröte sonnt sich an der Alten Fahrt.

„Die gehören hier überhaupt nicht hin“, sagt Georg Holtmann über die Schildkröte in der Alten Fahrt. Der Naturschützer, der sich etwa auch um die Störche in den Steverauen in Ofen kümmert, kennt sich mit der heimischen Tierwelt aus. Wenn eine Schildkröte sich in der Frühlingssonne wärmt, dann muss sie ausgesetzt sein, so Holtmann. Das sei auch kein neues Phänomen. Schildkröten seien etwa auch schon in den Teichen in Datteln-Ahsen gesichtet worden. Ein Foto der Schildkröte hat sich Dr. Thomas Wilm, Direktor des Allwetterzoos Münster und Schildkröten-Experte, angesehen. Er vermutet, dass es sich bei dem Tier um eine Gelbwangen-Schmuckschildkröte oder eine Rotwangen-Schmuckschildkröte handelt. Sie unterscheiden sich durch einen gelben oder roten Streifen seitlich am Kopf. Beides sind Arten, die ursprünglich aus Nordamerika stammen. Trotzdem haben die Tiere auch in Olfen gute Überlebenschancen, sagt Georg Holtmann. Im Winter fahren die Tiere ihre Körperaktivität herunter, „fast auf null“, so Holtmann. Sie graben sich dazu in den Schlamm ein und können dann auch Frost überstehen. Nur einfrieren dürfen sie nicht.

Scheue Tiere lassen sich nicht fangen

Eine Bedrohung für die heimische Pflanzen- und Tierwelt sieht Holtmann in der Schildkröte nicht. Zum Brüten sei es den Tieren wohl zu kalt und die Alte Fahrt würden sie wohl auch nicht leer fressen. Die Schmuckschildkröten fressen hauptsächlich Pflanzen, aber auch mal einen Fisch oder Frosch.

Fangen könne man die Tiere wohl sowieso nicht, vermutet Holtmann. Denn zum einen tauchen sie schnell ab, wenn man sich ihnen nähert und zum anderen sei es schwer, einen neuen Halter für die Schildkröten zu finden. Denn viele Teiche und auch Zoos hätten Probleme mit ausgesetzten Schildkröten.

Auch viele Fische werden ausgesetzt

Schildkröten sind nicht die einzigen Tiere, die in den Gewässern in Olfen und Umgebung zu finden sind, obwohl sie dort nicht heimisch sind. Buntbarsche, Kois, sogar Piranhas können dort herumschwimmen, erzählt Claus Bunte, Vorsitzender des Fischereivereins Olfen. Der Verein hat das Hafenbecken in Olfen und einige Teile der Alten Fahrt Richtung alter Jachthafen gepachtet, um dort zu angeln.

Schildkröten hat Bunte dort in diesem Jahr noch nicht gesehen, das Problem mit ausgesetzten Tieren, die in den Gewässern nicht heimisch sind, kennt Bunte aber. „Das sehen wir immer wieder, wenn wir Bestandsaufnahme machen“, sagt der Olfener.

Schwerer Eingriff in natürliche Zusammenhänge

„Es ist einfach so bequem“, sagt Claus Bunte über das Aussetzen. Viele Leute glaubten wohl, wenn die Tiere lästig oder zu groß für den heimischen Teich würden, könne man sie einfach in die Natur setzen. „Dass man da unter Umständen einen schwerwiegenden Eingriff in natürliche Zusammenhänge macht, machen sich viele nicht klar“, sagt Bunte. Auch ob man dem Tier mit der neuen Freiheit einen Gefallen tue, wenn es vorher etwa in einem beheizten Innenbecken lebte, fragen sich die Leute wohl nicht.

Einen großen Koi habe der Fischereiverein einmal aus der Alten Fahrt gefischt und wieder in einem Gartenteich untergebracht. Nach den Schildkröten will der Verein aber nicht fischen. Auch bei der Stadt Olfen sieht man zunächst keinen Handlungsbedarf. 

Im Extremfall bis zu 30.000 Euro Bußgeld
Es ist nicht erlaubt, Tiere einfach so in der Natur auszusetzen. Wer erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen.
Für Olfen ist der Kreis Coesfeld die zuständige Behörde. Wie hoch das Bußgeld ausfällt, werde in jedem Einzelfall geprüft, sagt Dr. Helmuth Hiegemann, beim Kreis Coesfeld für den Bereich Tierschutz zuständig.
Im Extremfall könne das Bußgeld bis zu 30.000 Euro betragen, sagt Hiegemann. Doch auch bei weniger extremen Fällen, wie etwa dem Aussetzen einer Schildkröte, drohe ein „empfindliches Bußgeld“ in dreistelliger Höhe, so Hiegemanns Erfahrungen.

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