Bauern klagen über niedrige MIlchpreise

19 Cent pro Liter

"Die Milch ist mehr wert“: Unter diesem Motto präsentierten sich am Mittwochvormittag Raesfelder Landwirte mit einem Stand vor dem Rewe-Markt.

Raesfeld

, 01.06.2016, 17:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bauern klagen über niedrige MIlchpreise

Die Milch ist mehr wert. Um die Wertigkeit der Milch dem Verbraucher näher zubringen, standen die Junglandwirte aus Raesfeld und Homer Stepfhan Gesing, Ewald Becker, Felix Brömmel, Henrik Wilger und Markus Brömmel (v. l.) vor dem Rewe-Markt in Raesfeld.

In Raesfeld und Homer gibt es zur Zeit 62 aktive landwirtschaftliche Betriebe, wovon momentan nur noch 27 Höfe Milchkühe, zum Teil im Nebenerwerb, halten. Wie Stephan Gesing. Er führt in dritter Generation einen Betrieb mit 100 Milchkühen. 2002 stieg der Junglandwirt auf einen Boxenlaufstall um, schaffte neue Maschinen an. „Die zwischenzeitlich guten Milchpreise im Jahr 2011 bis 2013 haben dazu geführt, dass dringend notwendige Anschaffungen, sprich Fütterungstechnik, mehr Komfort wie Licht, Luft und mehr Platz, getätigt wurden und wir viel Geld investiert haben“, sagt Gesing.

Das Russland-Embargo 2014, die geschwächte chinesische Kaufkraft sowie der Wegfall der Milchquote ab April 2015 führten dazu, dass die Talfahrt für die Milchbauern begann. „Für uns Landwirte bedeutet das nun, dass wir auf diesem hohen Qualitätsstandard nicht mehr kostendeckend produzieren können“, erklärt Landwirt Felix Brömmel.

Kredite laufen weiter

Gut 7000 bis 8000 Euro kostete die Umstellung für eine artgerechte Haltung der Kühe – pro Stellplatz. „In der guten Zeit haben wir Raesfelder Jungbauern kräftig investiert, und nun können wir unsere Kredite nicht mehr abbezahlen. Viele müssen jetzt ein Liquiditätsdarlehn aufnehmen, um laufende Kredite abzubezahlen. Das sind Kredite ohne sichtbare Gegenleistung, einfach nur noch zum Existieren“, sagt Markus Brömmel vom Milchausschuss des Kreises Borken.

Milchquote

19 Cent bekamen die Milchbauern gestern pro Liter Milch. Bei Fixkosten von 18 Cent pro Kuh in einem gut geführten Betrieb, sowie Pacht, Versicherung, Arbeitslohn, kann sich jeder ausrechnen, was den Landwirten am Ende des Monats bleibt. Nichts. Einig sind sich die Junglandwirte, dass die Milchmenge gedrosselt werden müsse. In Raesfeld und Homer produzieren 27 Betriebe jährlich rund 20 Millionen Liter Milch. „Das heißt, dass bei einem Minus von 10 Cent gegenüber dem letzten Jahr alleine rund 2 Millionen Euro in Raesfeld an Kaufkraft fehlen. Wenn die deutschen Milchbauern nicht mehr kostendeckend produzieren können und aufgeben müssen, wird die Milch zukünftig aus dem Ausland, wie den USA, sprich TTIP kommen“, so Felix Wilger.

Das bedeute nicht nur Qualitätsverlust. „Wir haben in Deutschland den höchsten Standard der Welt, den es dann nicht mehr geben wird. Darüber hinaus geht auch die Regionalität verloren“, so Ewald Becker. Um wirtschaftlich produzieren zu können, müsse der Milchpreis mindestens auf 35 bis 40 Cent pro Liter steigen. „Nur so können wir unsere angelaufenen Löcher stopfen, um wieder auf die Beine zukommen“, sagen die Milchbauern.

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