„Brechschale an der Rezeption“ - Gemeinde hält an Hotelnutzung von Landhaus Keller fest

rnLandhaus Keller

Das Landhaus Keller soll wieder ausschließlich ein Hotel werden. Das hat die Politik einstimmig beschlossen, ungeachtet der Warnungen des Insolvenzverwalters.

Raesfeld

, 21.01.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Landhaus Keller in Raesfeld war jahrelang parallel als Hotel und Altenheim betrieben worden. Der Hotelbetrieb wurde Mitte 2019 aufgegeben, die Firmengruppe Keller steckt derzeit im Insolvenzverfahren.

Insolvenzverwalter Rolf Weidmann hatte nach eigenen Angaben versucht, den Wünschen der Gemeinde, an diesem Standort einen reinen Hotelbetrieb zu ermöglichen, nachzukommen. Seine Gespräche mit Hotelketten und Hoteliers seien aber auf kein Interesse gestoßen, stattdessen wollten Investoren den Altenheimbetrieb fortführen und möglichst erweitern. Wenn die Gemeinde darauf nicht eingehe, sieht Weidmann die Gefahr einer „Bauruine“.

Zahlen „nicht verifiziert“

Den Wünschen hat der Planungsausschuss am Montag aber einen Riegel vorgeschoben. Die Zahlen, die Weidmann zum demografischen Wandel vorgelegt habe, seien „aus unserer Sicht nicht verifiziert und belegt“, sagte der Erste Beigeordnete, Martin Tesing. Eine Erhebung, so Bürgermeister Andreas Grotendorst, habe gezeigt, dass derzeit im Altenheim im Landhaus Keller nur ein Mensch lebe, der vorher in Raesfeld gewohnt habe.

Der Insolvenzverwalter habe „das Interesse, das Grundstück zum möglichst hohen Preis zu verkaufen“, so Tesing: „Es ist ein klassischer Konflikt zwischen Dorfentwicklung und kommerziellen Interessen.“

Grotendorst sagte, dass man von der Akademie des Handwerks auf Schloss Raesfeld gehört habe, dass nicht genügend Zimmer für Tagungsgäste vorhanden seien. 400 Trauungen pro Jahr am Schloss stehe kein adäquates Angebot der Gastronomie gegenüber.

Hotelgäste sahen Parallelbetrieb kritisch

Aus Sicht der Hotelgäste sei der Parallelbetrieb von Hotel und Altenheim kritisch gesehen worden. „Bei mir persönlich hat sich jemand gemeldet, der berichtete, dass an der Rezeption eine Brechschale stand und es da roch“, so Grotendorst. „Mit einer klaren Konzeptionierung kommt man auch besser in die Wirtschaftlichkeit.“

Arno Berning (CDU) äußerte die Hoffnung, dass der Altenheimbetrieb im Landhaus Keller schnell eingestellt werde, „damit der Bestandsschutz da runter ist.“ Zu Johannes Lülf (UWG), der anmerkte, dass gegen die Meinung der Verwaltung spreche, dass am Standort noch keine Hotel- oder Restaurantnutzung auf Dauer stattgefunden habe, sagte Grotendorst: „Die Familie Keller hatte immer die Absicht, das vollständig als Altenheim zu betreiben. So war das strategische Geschäftsmodell ausgelegt.“

In Raesfeld fehlten derzeit 56 Betten. Grotendorst sprach sich für „ein gutes Drei-Sterne-Hotel“ aus: „Wir haben keine großartigen Bedenken, dass man das nicht wirtschaftlich betreiben kann.“

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