Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Cannabis-Plantage unter dem Dach: Fünf Jahre Haft

rnLandgericht

Ein idyllischer Hof in Raesfeld schien monatelang das perfekte Versteck für eine Cannabis-Plantage zu sein. Bis es einen anonymen Hinweis gab. Jetzt muss der Betreiber ins Gefängnis.

Raesfeld/Münster

, 04.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Das Landgericht Münster hat den angeklagten Schlosser am Dienstag zu fünf Jahren Haft verurteilt. Seine ebenfalls angeklagte Lebensgefährtin kam mit einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren davon. Die Mutter einer erwachsenen Tochter hatte zwar zugegeben, von der Cannabis-Plantage gewusst zu haben, galt aber nicht als treibende Kraft.

„Er war der Macher, ihr fehlte die Kraft, sich zu widersetzen“, hatte ihre Verteidigerin Nicola Skoberne schon während des Prozesses erklärt. Die Angeklagte habe eigentlich immer nur gewollt, dass es in der ungleichen Beziehung ruhig und friedlich zugehe. „Obwohl sie das alles gar nicht wollte.“ Und auch die Richter beschrieben die Rolle der Raesfelderin beim Betrieb der Plantage auf dem Dachboden des Hauses im Urteil als eindeutig „untergeordnet“.

Verkaufsabsicht doch noch zugegeben

Im Falle ihres 45-jährigen Lebensgefährten liegt der Fall allerdings anders. Er hatte die Plantage nicht nur aufgebaut und betrieben, sondern am Ende des Prozesses auch noch zugegeben, dass er zumindest einen Teil des abgeernteten Marihuanas verkaufen wollte. „So wollte ich meine Investitionen wieder herausholen“, hatte er den Richtern erklärt. Den Großteil habe er aber für den Eigenkonsum angebaut. „Ich wusste ja noch nicht einmal, an wen ich das verkaufen sollte. Da war noch nichts geplant.“

Tatsächlich hatten die Drogenfahnder nach der Durchsuchung im Mai 2018 keine Hinweise auf Absatzwege gefunden. Dafür allerdings Waffen. Neben einem zu einer Gaswaffe umgebauten Revolver zum Beispiel auch eine Art Schlagring und ein Springmesser.

Dauer des Betriebes der Plantage unklar

Im Prozess ging es vor allem um die Frage, wie lange die Cannabisplantage auf dem Dach des ehemaligen Hofes an der Dorstener Straße schon bestanden hat. Eine 83-jährige Nachbarin hatte von mindestens anderthalb Jahren gesprochen, in denen ihr ein Brummen auf dem Dachboden des Hauses den Schlaf geraubt habe. Genaue Feststellungen dazu ließen sich im Prozess allerdings nicht treffen.

Auf Seiten der Staatsanwaltschaft war man allerdings bis zuletzt davon überzeugt, dass die Plantage schon länger bestanden hat.

"Sie wollen uns einen Bären aufbinden"

Auch die Erklärung des 45-Jährigen, dass er das Marihuana zum Eigenkonsum in Butter auflösen und zu Keksen weiterverarbeiten wollte, hat ihm der Ankläger nicht geglaubt. „Sie wollen uns hier einen Bären aufbinden“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer.

Der Angeklagte hatte angegeben, dass er das Marihuana gegen seine Schmerzen brauche. Laut Urteil ließ sich diese Einlassung am Ende nicht widerlegen. Trotzdem gehen die Richter davon aus, dass der 45-Jährige mindestens ein Fünftel der sichergestellten rund sechs Kilo Marihuana weiterverkaufen wollte.

Ankläger hatte sieben Jahre gefordert

Mit dem Urteil blieb die 3. Strafkammer am Landgericht Münster deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die sieben Jahre Haft beantragt hatte. Und nicht nur das: Die Richter entließen den Raesfelder nach dem Urteil auch erst einmal wieder aus der Untersuchungshaft. So kann er zumindest Weihnachten in Freiheit feiern. Der Antritt der Haftstrafe wird dann erst im nächsten Jahr erfolgen. Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht. Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft können Revision einlegen.

Lesen Sie jetzt