Darum gehören für Jutta Weber Bohrmaschinen und Roboter in eine Bücherei

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Bohrmaschinen und Roboter gehören in eine Bücherei. Davon ist Leiterin Jutta Weber überzeugt. Und noch mehr soll sich bis 2025 ändern.

Raesfeld

, 29.12.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Öffentliche Bücherei Raesfeld hat Weber eine Strategie entwickelt, die sie im Kulturausschuss vorstellte. „Ein Treffpunkt für alle - rund um die Uhr“, so lautet ihre Vision, die bereits erste Fragen aufwirft: Woher soll das Personal dafür kommen?

Weber hat ihre Ideen in einem Workshop, ein Angebot der Bezirksregierung Münster, entwickelt. Es gebe viele neue Herausforderungen, so Weber, die zunächst den Ist-Zustand der Raesfelder Bibliothek beschreibt: 1000 aktive Leser, 20.000 Besucher, rund 60.000 Ausleihen. Nicht so schlecht für eine Bibliothek in einer kleinen Gemeinde. Aber: Die Bücherei liege zwar zentral, sei aber unscheinbar, so Weber. Und: Ein Drittel der ehrenamtlichen Mitarbeiter (23) sei älter als 60 Jahre.

Digitaler Ort

Zu einem Bildungsort und Treffpunkt solle die Bücherei werden. Und zu einem digitalen Ort für Menschen, denen die technische Ausstattung fehle, etwa um Bewerbungen oder Facharbeiten zu schreiben.

Coding und Robotik stehen ebenfalls im Plan von Jutta Weber. Geübt und gelernt werden müsse eine solche Medienkompetenz, sagt Weber und zeigt eine kleine Biene aus Plastik mit Pfeiltasten auf dem Rücken: „Bee-Bot“ (Bienenroboter) heißt das „Spielzeug“, das erste Programmier-Erfahrungen möglich macht.

Auf einer „Landkarte“ mit quadratischen Feldern setzt Weber den Bee-Bot ab. „Er kann 40 Befehle speichern“, sagt Weber. Vorwärts, nach rechts drehen, zwei Felder vorwärts, nach links drehen: Das, was man dem Bee-Bot über die Pfeiltasten befiehlt, führt der nach dem Drücken auf die „Go“-Taste aus. Und manchmal muss man den Weg auch ein zweites oder drittes Mal programmieren, bis man die richtige Befehlskette gefunden hat. So können Kinder erste Erfahrungen im Programmieren und logischen Denken sammeln.

„Die Regale sind einfach zu hoch“

Auch über das Thema Barrierefreiheit hat sich Weber Gedanken gemacht. „Die Regale sind einfach zu hoch.“ Und um die Auffindbarkeit der Bücherei zu erhöhen, seien Hinweisschilder zu überdenken.

Weber plant auch eine „Bibliothek der Dinge“. Bohrmaschine oder Backformen, die man ausleihen könne. „Warum muss ich jedes technische Gerät selber haben?“, fragt Weber, wenngleich sie zugibt, dass sie mit dieser Denkweise im ländlichen Raum oft auf Unverständnis stoße. Mit den Landfrauen würde sie gerne eine Saatgut-Bank aufmachen.

Rund um die Uhr geöffnet

Oft hört Weber den Vorwurf: „Warum macht ihr dann zu, wenn ich Zeit habe?“ Weber könnte sich eine „Open Library“ vorstellen, eine Bibliothek, die rund um die Uhr geöffnet ist. Und zu der man per Chipkarte ähnlich wie in einer Bank Zutritt habe, auch wenn keine Servicekräfte vor Ort sind. „Wir können nicht rund um die Uhr da sein“, sagt Weber.

Ein Teil der Strategie Webers sind auch Kooperationsvereinbarungen mit Kindergärten zur Sprachentwicklung und mit den Schulen zur Förderung der Lese- und Medienkompetenz. Auch Schulungen für Erwachsene (Stichwort: Lebenslanges Lernen) oder die Unterstützung von Erzieherinnen und Erziehern soll die Bücherei leisten.

Um die Ziele zu erreichen, sei eine Aufstockung des Personals (hauptamtlich und ehrenamtlich) „dringend notwendig“, so Weber. Die Entscheidung darüber fällt der Büchereibeirat, der Anfang des Jahres tagen soll. Wenn die Kosten den Etat überschreiten, müssen auch die Ratsmitglieder und der Kirchenvorstand zustimmen.

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