Die meisten Flüchtlinge wollen bleiben

Umfrage in Raesfeld

78 Prozent der 220 Geflüchteten wollen in Raesfeld bleiben. 22 Prozent würden – ohne Residenzpflicht – aus Raesfeld wegziehen. Diese Zahlen einer Umfrage nannte Sozialamtsleiter Markus Büsken am Montag im Rat.

Raesfeld

, 27.09.2016, 18:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

50 sind mittlerweile anerkannte Geflüchtete und beziehen Hartz IV. Bei 135 Geflüchteten läuft das Asylverfahren, 35 wurden abgelehnt, „die aus diversen Gründen noch nicht in ihr Heimatland zurückgeführt werden können“, so Büsken. Einige seien in Heimatländer zurückgereist, einige nordafrikanische Personen untergetaucht. 

Die Gemeinde müsse laut Bezirksregierung Arnsberg mit der Zuweisung von 25 weiteren Geflüchteten im Herbst rechnen, so Büsken. Relativ klar seien die Auswirkungen des Integrationsgesetzes, das eine Residenzpflicht für anerkannte Asylbewerber von drei Jahren in NRW vorsehe. Unklar seien die Konsequenzen aus der Wohnsitzregelungsverordnung, bei der anerkannte Flüchtlinge innerhalb NRWs neu verteilt werden sollen. Laut Hochrechnungen aus Düsseldorf könnte Raesfeld weitere 10 bis 30 Personen aufnehmen müssen. Wohnraum sei vorhanden, sagte Bürgermeister Andreas Grotendorst auf Anfrage Karl-Heinz Tüntes (CDU), jedoch sei es schwer, gesicherte Prognosen abzugeben. Einen Engpass bei Ein-Personen-Wohnungen sah Büsken.

„Familien haben es gut“

Büsken: „Die Integrationsarbeit trägt langsam Früchte.“ Das Lösen von Alltagsproblemen mithilfe von Ehrenamtlichen funktioniere „sehr gut“. „Familien in Raesfeld haben es gut“, sagte Büsken: Fast jede sei vernetzt mit ein bis zwei Ehrenamtlichen. Die Bedeutung der Sprache für die Integration betonte Büsken erneut: „Da-ran scheitern Vermittlungen in Arbeit.“ Mit 14 Prozent der Geflüchteten sei eine Verständigung auf Deutsch möglich. Gute oder sehr gute Deutschkenntnisse habe keiner von ihnen. Bei 30 Prozent funktioniere die Verständigung auf Deutsch mit Einschränkung („Da ist man sehr schnell wieder beim Englisch“), bei 37 Prozent ist eine Verständigung auf Deutsch nur schwer möglich. 19 Prozent haben keine Deutschkenntnisse.

Nachweis fehlt oft

Büsken nannte Zahlen eines „Erstprofilings“ in Raesfeld. Demnach haben 89 Prozent der Geflüchteten, die in Raesfeld leben, eine Schule besucht. 73 Prozent eine weiterführende Schule. Einen Nachweis über den Schulabschluss haben nur 38 Prozent. Dramatisch sind die Zahlen zur beruflichen Qualifikation: Einen Nachweis haben nur sieben Prozent. Das bedeute nicht, dass die Menschen nicht gearbeitet hätten, sagte Büsken. „Von Eritrea flüchtet man nicht direkt nach Raesfeld, sondern über vier, fünf Länder. Die waren da Kellner oder Fliesenleger, die haben überall gearbeitet, aber in fast allen Fällen gibt es keinen Nachweis.“ Gebetsmühlenartig weise man Geflüchtete auf die Wichtigkeit der Sprache und die Deutschkurse hin. „Viele reizt das schnelle Geld. Die gehen lieber in einen 400-Euro-Job.“