Mit iPads sollen Grundschüler künftig in den Raesfelder Grundschulen arbeiten. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Schule

Digitalisierung ohne interaktive Tafeln in Klassenräumen

Die Digitalisierung der Grundschulen soll mit fast 200.000 Euro vorangetrieben werden. Schulleiter Thomas Schlüter erläuterte, warum man auf interaktive Tafeln in Klassenräumen verzichtet.

Das Kollegium der Raesfelder Sebastian-Schule und der Silvesterschule hat ein Medienkonzept erstellt, das Schlüter im Schulausschuss vorstellte. 338 Schülerinnen und Schüler an der Sebastian-Schule sowie 130 an der Erler Silvesterschule arbeiten derzeit in Medienecken in Klassenräumen (drei PCs mit Drucker) und im Computerraum, wenn sie digital lernen.

In den Computerräumen gebe es Smartboards, so Schlüter, bei denen man aber gemerkt habe, dass „die Tafeln zu 85 Prozent nur als Reflektionsfläche dient“ – also Lernergebnisse an die Wand projiziert würden. Erst in Kleinfördergruppen komme der Mehrwert der Smartboards zur Geltung, weil dann die Schüler davor zusammenkämen.

Deshalb plädierten die Lehrer für große Farbdisplays im Klassenraum (85-Zöller sind geplant) und Smartboards nur in Förderräumen und Musikräumen. „Ob die Medienecken dann noch erforderlich sind, weiß ich ehrlich gesagt nicht“, so Schlüter.

Grüne Tafeln sollen bleiben

Angesteuert werden sollen die großen Farbdisplays über iPads der Lehrer und Apple TV. Die iPads könnten auch mit einer Halterung als Dokumentenkameras verwendet werden, so Schlüter. Drei Klassensätze iPads für die Sebastian-Schule und zwei für die Silvesterschule sollen bestellt werden. „Die grünen Tafelflächen bleiben erhalten“, versprach Schlüter. Gerade in der ersten und zweiten Klasse gelte: „Man fängt mit der Handschrift und Druckbuchstaben an – auch in der digitalen Welt.“

Jörg Heselhaus von der Verwaltung sagte, eine Vollausstattung mit iPads für die Schüler sei nicht angestrebt. Volker von Wasen (UWG) äußerte den Wunsch, dass bis 2024 jedes Kind der dritten und vierten Klassen mit einem digitalen Endgerät ausgestattet werden solle. Eine Kostenkalkulation dafür solle dem Schulausschuss vorgelegt werden. Boris Hudournik (Grüne) bezweifelte, dass so viele Geräte benötigt werden: „Es stapeln sich die Folgekosten und Probleme.“

Ralf Kock (CDU) sagte, der Plan sei ein Schritt in die richtige Richtung. Fraglich sei aber, ob die zwei Administratoren der Gemeinde für die Arbeit ausreichten oder ob man eine Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen anstreben müsse. „Ein paar hundert Geräte kaufen ist relativ einfach. Da werden auch Probleme kommen.“

Infrastruktur muss erneuert werden

All diese Vorschläge sollen nun geprüft werden. Dass es aber nicht nur um Endgeräte geht, sondern auch um die Infrastruktur machte Jörg Heselhaus bei der Vorstellung des Medienentwicklungsplans deutlich.

Insgesamt 177.000 Euro Fördergelder stehen aus dem Digitalpakt zur Verfügung. Bei einer maximal 90-prozentigen Förderung liegen die Gesamtkosten bei fast 200.000 Euro. Dafür muss die digitale Vernetzung der Schulgebäude zunächst als Voraussetzung für alles Weitere auf einen modernen Stand gebraucht werden. Innerhalb der Schulstandorte soll dies per Glasfaserverbindungen realisiert werden. Zudem soll ein flächendeckendes WLAN in den Klassenräumen entstehen und die Klassenräume je fünf Netzwerkanschlüsse erhalten.

Glasfaseranschlüsse können hochgefahren werden

Die vorhandenen Glasfaseranschlüsse der Schule könne man künftig auf ein Gigabit pro Sekunde hochfahren, so Heselhaus. Für zusätzliche Roboter, elektronische Mikroskope, VR-Brillen und ähnliches würden die eingesetzten Mittel wohl nicht ausreichen.

Ab Herbst, so Heselhaus, sollen die Kabelwege in den Schulen durch Kernbohrungen in den Schulen vorbereitet werden. Mit eigenen Kräften wolle man im Jahr 2022 die Verkabelung der Schulräume vornehmen. Im Herbst 2022 sollen die Displays und Smartboards installiert werden. Ab dem Haushaltsjahr 2023 müsse man sich mit der Planung für die weitere Ausstattung mit digitalen Arbeitsgeräten auseinandersetzen.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer